15.05.2012

Esther Mujawayo: ÜberLeben

Dienstag | 15. Mai 2012 | 18:30 Uhr Hauptbücherei Wien - Am Gürtel Veranstaltungssaal | Urban-Loritz-Platz 2a | 1070 Wien


c Peter Hammer Verlag

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Lesung und Gespräch mit:
Esther Mujawayo | Autorin und Traumatherapeutin
Dorit Ehlers | Schauspielerin
 
Moderation
Martina Kopf | Institut für Afrikawissenschaften

 

Begrüßung
Franz Schmidjell |VIDC Wiener Institut

 

In Kooperation mit der Hauptbücherei Wien 

 

Hintergrund

Am 6. April 1994 wird das Flugzeug des ruandischen Präsidenten Habyarimana kurz vor der Landung in Kigali von einer Rakete getroffen und stürzt ab. Es war das Startsignal für den Völkermord. In rund hundert Tagen töteten radikale Hutu-Milizen, Mitglieder der Regierungsarmee und lokaler Zivilverteidungsnetzwerke in Ruanda zwischen 500.000 und einer Million Tutsi und oppositionelle Hutu. Viele Opfer wurden mit Macheten in Stücke gehackt, andere bei lebendigem Leib in Kirchen verbrannt, in denen sie Zuflucht gesucht hatten. Parallel führten die Armee und die Exiltruppen der Ruandischen Patriotischen Front (RPF) einen Krieg, wo auf beiden Seiten Menschenrechts-verletzungen begangen wurden. Der Völkermord wurde durch den Einmarsch der RPF des heutigen ruandischen Präsidenten Paul Kagame nach drei Monaten beendet. Nach Angaben von MenschenrechtsexpertInnen war der Genozid von langer Hand geplant. Ihm gingen Pogrome und systematische Diskriminierung voraus. Ziel der Gräueltaten sei die Vernichtung der Tutsi gewesen, die etwa elf Prozent der ruandischen Bevölkerung ausmachten. Bis heute sitzt das Trauma des Völkermordes tief und spaltet die ruandische Gesellschaft und Diaspora.

Der Genozid ist nicht nur ein ruandisches Thema. Insbesondere stellt sich die Frage nach der Mitverantwortung der internationalen Staatengemeinschaft. Ruanda war in den neunziger Jahren auch Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

 
Die Autorin: Esther Mujawayo, geboren 1958 in Ruanda, überlebte 1994 in Kigali den Völkermord. Sie ist Soziologin und arbeitete als stellvertretende Landesrepräsentantin für Ruanda, Burundi und Ostkongo bei der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam. Esther Mujawayo gründete zusammen mit 50 anderen Witwen die Hilfsorganisation AVEGA für die überlebenden Frauen und Kinder des Genozids. Sie hielt zahlreiche Vorträge auf internationalen Konferenzen und arbeitete bei TV-Dokumentationen mit. In ihren Büchern verarbeitet sie ihre Biografie und bietet den LeserInnen dadurch einen Einblick in das Ruanda vor, während und nach dem Genozid. Sie lebt heute in Deutschland und arbeitet mit traumatisierte Kriegsflüchtlinge aus Afrika.


Publikationen

•  Ein Leben mehr, 2005: Esther Mujawayo schildert in einem schmerzvollen Prozess des Erinnerns das Leben in Ruanda vor, während und nach dem Bürgerkrieg.
•  Auf der Suche nach Stephanie, 2008: Esther Mujawayo berichtet von ihrer Erfahrung mit den Gacacas, kommunalen Gerichten zur Aufarbeitung des Völkermords und Teil der nationalen Versöhnungspolitik. Auf der Suche nach der Leiche ihrer Schwester Stéphanie muss sie sich mit deren Mördern konfrontieren.

Preise und Auszeichnungen
• Prix Ahmadou Kourouma - Internationale Messe für Buch und Presse, gemeinsam mit Souâd Belhaddad, Genf 2004
• Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland am Bande, 2008
• World Social Award bei den Women’s World Awards, 2009

 

Pressestimmen

"Ein Leben mehr gehört sicherlich zu den eindrucksvollsten Büchern, die auf dem deutschen Buchmarkt zum Thema Genozid in Ruanda zu finden sind." Andreas Eckert, DIE ZEIT
 
„Ein Leben mehr ist vor allem ein Buch über das Zuhören, Sprechen dürfen und Sprechen können. Keiner dieser schnellen Berichte von hastigem Hinschauen und Weiterhetzen zum nächsten Ereignis. Hier nehmen sich zwei Frauen – Esther Mujawayo, die erzählt, und die in Paris lebende algerische Journalistin Souâd Belhaddad, die das Erzählte aufnimmt und zu einem Buch verarbeitet – die Zeit, zu begreifen, was es bedeutet, mit der Erinnerung an den Genozid zu leben. Was daraus entsteht, ist mehr als ein Buch: Es ist verdichtetes Leben.“ Martina Kopf, SÜDWIND Magazin

 


Biographien

 

Dorit Ehlers ist Schauspielerin und wurde 1971 in Hamburg geboren. Nach ihrer Ausbildung an der Dimitri-Schule in Verscio/CH (1994 bis 1997) arbeitete sie 2000 in Wien beim ModernDanceTrainingProgram und hatte verschiedene Theaterengagements, u.a. bei den Wiener Festwochen. Von 2000 bis 2007 war sie Ensemble-Mitglied am Toihaus, Theater am Mirabellplatz, Salzburg/A. Anerkennungspreis beim Frauentheater-Festival in Tornio/Finnland (2003) für ihr Solo "SOLOME ...vor einem Portrait von Lou Andreas-Salomé".  Weitere eigene Theaterkreationen: „KURT oder die Kunst aus der Luft zu schöpfen“ oder „Geschichten für Gäste - suche wohnzimmer“. Dorit Ehlers ist Sprecherin, macht Lesungen und leitet Theaterworkshops. 
 
Martina Kopf ist Afrikawissenschaftlerin an der Universität Wien. Sie forschte zu Trauma und Erzählung in afrikanischer Literatur und aktuell über den Entwicklungs-diskurs in der englischen und französischen Kolonialliteratur der Zwischenkriegszeit.  Zwischen 2004 und 2009 Redakteurin des Südwind Magazins, 1998 bis 2002 Mitarbeiterin des Milena Frauenverlags. Reisen und Forschungsaufenthalte in West- und Zentralafrika (Senegal, Kamerun, Côte d’Ivoire). Autorin von Trauma und Literatur (Brandes und Apsel, 2006) und Die weibliche Spur Afrikas (turia + kant, 1998).