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Uganda entdeckt Straßenkunst

Österreichische Beteiligung am Bayimba Festival 2011 in Kampala

copyright: Judith Benedikt

Die vierte Auflage des Bayimba-Festivals ging vom 16.-18. September in Kampala wieder mit österreichischer Beteilugung über die Bühne. Die Schauspielerinnen Sophia Laggner, Christina Scheutz und die Fotografin Judith Benedikt reisten mit ihrer “street performance” in das ostafrikanische Land. Der Austausch wurde vom VIDC Wiener Institut mit Unterstützung der Österreichischen Botschaft in Nairobi organisiert.


Gut 40.000 Menschen besuchten das dreitägige Festival bei freiem Eintritt. Die Hauptbühne bot einen guten Einblick in das ugandische und ostafrikanische Musikschaffen. Die aufstrebende lokale Rapszene präsentierte sich auf der Hip-Hop Bühne. Im Auditorium des Nationaltheaters zeigten Theatergruppen und Tanz-Compagnien aktuelle Stücke. Ausstellungen und Filme konnten tagsüber im Nationaltheater betrachtet werden. Bereits im Vorfeld organisierte das Bayimba-Team Workshops zu Film, Fotografie und Kulturjournalismus. Ungewohnt für den europäischen Besucher: Das absichtliche Fehlen eines Programmes. Dazu befragt meint Festivalleiter Faisal Kiwewa: “ Wir wollen, dass die Leute zum Festival und nicht nur zu einer bestimmten Gruppe kommen. Sie sollen auch die anderen Angebote wahrnehmen. Bei uns steht der künstlerische Aspekt im Vordergrund, wir sind kein Headliner Festival.”


Enorme Aufmerksamkeit

Die Performance der österreichischen KünstlerInnen sollte ursprünglich am legendären “Matatu-Stand”, dem chaotischen Parkplatz mit seinen hunderten Kleinbus-Taxis, stattfinden. Doch seit den blutigen Anschlägen in Kampala vom Juli 2010 erlaubt die Polizei kaum mehr Aktionen im öffentlichen Raum. So wurde direkt vor dem Nationaltheater gespielt. Die Tage zuvor waren die ÖsterreichInnen dennoch auf den Straßen unterwegs. Gemeinsam mit der Uganda Street Theatre Group überraschten die Schauspieler die PassantInnen mit Aktionen und verteilten anschließende Festivalflyer. Sophia Laggner: „Wir waren überrascht, welche enorme Aufmerksamkeit Theateraktionen in den belebten Straßen und überfüllten Märkten finden. Die Grenzen zwischen Publikum und SchauspielerInnen verschwinden schnell. Es herrscht eine starke körperliche Nähe.”

Das bestätigte sich auch im Rahmen des Bayimba-Festivals. Ein dichter Kreis von Menschen umgab die drei KünstlerInnen. Zum Abschluss kamen ihre ugandischen KollegInnen mit einem “Flugzeug” angeflogen. Der zu verabschiedende Gast durfte darin Platz nehmen und fuhr zur Erheiterung der mit weißen Taschentüchern winkenden PassantInnen ab. Christina Scheutz meinte zu den in Uganda gemachten Erfahrung: ”Dinge, denen in Europa wenig Beachtung geschenkt wird, fanden hier großen Anklang. Hingegen gehen andere Pointen einfach unter. Gemeinsam ist der Humor. Lachen ist eben international.“


Neuland Strassenkunst

Die Künstlerinnen fanden den mehrtägigen Austausch mit der Uganda Street Theatre Group, die vor einem Jahr gegründet wurde, sehr inspirierend. Mpata William Otako, Schauspieler und Mitglied der Gruppe: “Straßentheater ist vollkommen neu in Uganda. Die Menschen kennen es nicht. Doch es funktioniert großartig. Die Leute sind neugierig. Manche schrecken sich vor uns, und viele fragen ‚Was ist das, was ihr macht’.“

Kampala verfügt über zahlreiche Theaterensembles. Doch gibt es kaum Auftrittsorte und Publikum. Öffentliche Förderungen erhält praktisch niemand. Private Theater überleben meist nur einige Jahre. Straßentheater öffnet ein zusätzliches Tor für Schauspielerinnen und Schauspieler, um wahrgenommen zu werden. Otako: “Beim Straßentheater kann ich meine Ausdruckskraft gut zur Geltung bringen. Das macht mir grossen Spass. Aber wir brauchen mehr internationalen Austausch und wollen unsere Kunst auf der ganzen Welt zeigen.“ Alle Beteiligten wünschen sich eine Fortsetzung der geglückten Zusammenarbeit und wälzen bereits Ideen und Pläne für nächsts Jahr.

Rückfragen: Franz Schmidjell (schmidjell(at)vidc.org)
T: 713 35 94

 

 



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