16.11.2010

Ausgehungert!? Was haben Spekulation auf Rohstoffe, „Landraub“ und Handelspolitik mit der Krise zu tun? Antworten auf die globale Nahrungsmittelkrise

Dienstag, 16. November 2010 |18:30 – 21:00 Uhr, Albert Schweitzer Haus, 1090 Wien, Schwarzspanierstr. 13


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anuradha Mittal, Oakland Institute, Kalifornien

Finanzen und Hunger: Spekulation auf (Über) Lebensmittel und (Miss) Investitionen in die Landwirtschaft (Land Grabbing)

 

Michelle Pressend, Economic Justice Network (EJN), Labour Research Services (LRS), Kapstadt, Südafrika

Handel und Hunger: Export-subventionen, Freihandelsabkommen (EPAs)

 

Moderation: Elfriede Schachner, VIDC

Danach Diskussion

Die Vorträge sind englisch und werden simultan übersetzt.

Im Anschluss: kleiner Imbiss

 

Video der Veranstaltung

 

Dokumentation der Veranstaltung

 

Input von Anuradha Mittal: "Profiteering from Hunger and Poverty. The High Food Price Crisis: Rethinking Food Security Policies"

 

How do Institutions Invest Responsibly in Agriculture? Empfehlungen von Anuradha Mittal

 

Powerpoint-Präsentation von Michelle Pressend: "Africa is not for Sale. Trade and the Food Crisis: "Free" Trade a Primary Source of Hunger in Africa".

 

 

Hintergrund

 

 

Anfang 2008 sind die Preise für Grundnahrungsmittel rasant gestiegen: Der Preis für Weizen hat innerhalb eines Jahres um 130% zulegt. Gerade in armen Ländern im globalen Süden, wo die Menschen 50-70% ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben, hatte dies katastrophale Auswirkungen. Heute, zwei Jahre später, sind die Meldungen über Hungeraufstände in Entwicklungsländern weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Der Hunger jedoch ist geblieben. Laut UNO ist in Afrika südlich der Sahara die extreme Armut um 8% gestiegen, d.h. die Preis­steigerungen für Nahrungsmittel haben die Erfolge bei der Reduzierung von Armut zwischen 1990 und 2004 wieder zunichte gemacht.

 

Die Veranstaltung analysiert die strukturellen Ursachen der Nahrungsmittelkrise. In­wie­weit sind Finanz-Spekulationen auf Nahrungsmittel, verfehlte lokale Agrarpolitik und Land Grabbing an der Verschärfung des Problems des weltweiten Hungers beteiligt? Was hat die Handelspolitik des Nordens damit zu tun? Konkret, kann Afrika überhaupt von Freihandelsabkommen (Beispiel EPAs) profitieren? Warum wurden viele Entwicklungsländer, die in den 1970 Jahren Nahrungsmittelexporteure waren, in den letzten Jahren zu Netto­impor­teuren von Nahrungsmitteln?

 

Die Teilnehmerinnen der Veranstaltung diskutieren nach den Ursachen mögliche Lösungs- und Reformvorschläge für Wege aus der Nahrungsmittelkrise. Was haben wir aus der Krise – die auch im Lichte der Finanz-, Wirt­schafts-, Umwelt/Klima- und Energiekrise zu sehen ist – gelernt? Welche konkreten Strategien braucht es? Welche (neuen) Herausforderungen für die Entwicklungspolitik ergeben sich?

 

 

Podium

 

Anuradha Mittal, The Oakland Institute, Kalifornien, USA

Anuradha Mittal gründete 2004 The Oakland Institute, das sie seither leitet. Das Oakland Institute ist ein progressiver politischer Think Tank  in Kali­fornien, dessen Ziel die Debatte über kritische soziale, wirtschaftliche und ökologische Fragen in nationalen und internationalen Foren ist. Das Oakland Institute arbeitet mit Koalitionen, Netzwerken und sozialen Bewegungen zusammen.

 

Anuradha Mittal ist eine international anerkannte Expertin und vielgefragte Kommentatorin in den Bereichen Handel, Entwicklung, Menschenrechte, Nahrungsmittelkrise und Landwirtschaft. Zuvor war sie Ko-Direktorin des Institute for Food and Development Policy/Food First. 

 

Mittal ist Verfasserin zahlreicher Artikel, die u.a. in der Los Angeles Times, New York Times, Chicago Tribune und The Nation erscheinen. Sie ist Autorin und Herausgeberin einiger Bücher, wie zB “Voices from Africa: African Farmers and Environmentalists speak out against a New Green Revolution” oder “The Great Land Grab: Rush for World’s Farmland threatens Food Security for the Poor”. Ihre Keynotes zeigen von einer Vielzahl von Veranstaltungen, zu denen sie von Regierungen und Universitäten eingeladen worden ist. Sie hat regelmäßig (inter)nationale Auftritte in Fernsehen und Rundfunk.

 

2008 wurde sie von der Zeitschrift The Nation als “Most Valuable Progressive Thinker” ausgezeichnet. 2007 bekam sie den Global Citizen Award der United Nations Association of the USA, 2006 den Peace Award vom Talk Radio KPFA. Sie ist in diversen Komitees Mitglied, u.a. im Right Livelihood Award (bekannt als Alternativer Nobelpreis).

 

 

Michelle Pressend, Economic Justice Network (EJN), Labour Research Services (LRS), Kapstadt, Südafrika

Michelle Pressend ist unabhängige Autorin und Analystin, die sich mit den Themen nachhaltige Entwicklung, sozioökonomischer Politik, Handel, Umwelt und Klima beschäftigt.

 

Sie ist seit 2009  Konsulentin beim Economic Justice Network in Kapstadt, Südafrika  und koordiniert dort die Trade Strategy Group-TSG. Die TSG ist ein Netzwerk von HandelsaktivistInnen, die sich mit Entwicklungsstrategien für den Handel Richtung nachhaltige Entwicklung beschäftigen. Das Economic Justice Network fördert wirtschaftliche Gerechtigkeit in 11 südafrikanischen Ländern.

 

Michelle Pressend koordiniert ebenfalls das Global Network Afrika-GAN im Labour Research Services-LRS in Kapstadt. Das LRS will mit Forschung und Projekten die Zivilgesellschaft stärken und arbeitet für eine egalitäre Gesellschaft, in Kooperation mit Handelsgewerkschaften. GAN hat als Themenschwerpunkte Handel und Investitionen in Schwellenländern.

Zuvor war Michelle Pressend Koordinatorin bei Biowatch in Kapstadt. 2005 bis 2008 war sie als Senior Researcher im multilateralen Programm des Institute for Global Dialogue-IGD für Analysen und Publikationen zuständig. Das IGD ist eine unabhängige südafrikanische NGO, die sich mit Themen der Internationalen Angelegenheiten und ihren Auswirkungen auf Afrika beschäftigt. 2002-2005 war Pressend Deputy Director für nachhaltige Entwicklung, Politik und Forschung in der Abteilung Umwelt und Tourismus.

 

Bücher, u.a.: Rethinking Natural Resources in South Africa (Institute for Global Dialogue, 2009); Dilemmas of Poverty and Development: A proposed policy framework for the Southern African Development (Institute for Global Dialogue, 2008); Trade Liberalisation and Environmental Linkages: Implications for Sustainable Development (Institute for Global Dialogue, 2006).

Michelle Pressend hat viele Publikationen herausgebracht (30 Years of the Southern African Development Community: What’s to Celebrate? August 2010). Sie ist Kolumnistin für das South Africa’s Civil Society Information Service (SACSIS), eine Plattform für Politikdialog.