25.11.2011

Der arabische Frühling und die europäische Normalität - Kulturkooperationen zwischen Anspruch und Realität

Albert Schweitzer Haus |Schwarzspanierstrasse 13 | 1090 Wien |Freitag | 25. November 2011 | 13.00 – 17.00


Foto: Rania Dourai

Den Kurzbericht zur Veranstaltung finden Sie hier 

Die Dokumentation finden Sie hier

 

Das Statement Basma El Husseiny finden Sie hier

Das Video zur Veranstaltung finden sie hier

Graffitis zur agyptischen Revolte finden Sie hier

 

 

 

 

 

 

Programm und Ablauf der Veranstaltung:

 

ab 13:00 Uhr: Begrüßung und Einführung


Gabriele Eschig | Generalsekretärin ÖUK

Walter Posch    | Direktor VIDC Wiener Institut

  

'Tahrir'

 

Hossam Mahmoud, Oud 

Fotoprojektion v. Rafik El Raheb

   

The Arab Spring – The Translation into the Arts

 

engl. Sprache | Basma El Husseiny | Al Mawred Al Thaqafy

  

Künstlerische Praxis


Stefanie Carp    | Wiener Festwochen
Norbert Ehrlich  | Salam.Orient

 

 

15:00 Kaffeepause

 

15:30  Chancen und Grenzen der internationalen Kulturkooperation


Clemens Mantl                             | BMeiA
Hanspeter Huber                         | BMUKK (angefragt)
Silvia Jura                                    | IG World Music Austria | femous
Claudia Marion Stemberger         | artandtheory.net

 

 

ab 17:00  Uhr:

Networking und informeller Austausch bei Getränken und Imbiss

 

 

Anmeldung und Informationen: Alexandra Toth | Tel: 01 713 35 94 - 83

 

 

Hintergrund

 

Der ägyptische Pavillon auf der Kunstbiennale von Venedig war dem Video- und Performance-Künstler Ahmed Basiony gewidmet, der bei den Protesten in Ägypten getötet wurde. Wie viele andere KünstlerInnen in Nordafrika, schloss sich Basiony der Demokratiebewegung an. Viele KommentatorInnen sprachen von der Kunst als eine der Hauptachsen der Revolution.

 

KünstlerInnen verließen ihre Ateliers und Theaterräume. Sie gingen hinaus auf die Straßen, in die Stadtviertel. Wie die internationalen Medien entdeckte auch die globalisierte Kunstszene ihre Leidenschaft für Nordafrika. Was passiert aber, wenn sich das Fenster der Aktualität wieder schließt, wie im Falle Südafrikas nach dem Ende der Apartheid und friedlichen Übergang zur Demokratie? Was nehmen wir von den demokratischen Aufbrüchen und den künstlerischen Ausdrucksformen in anderen  Regionen Afrikas wahr? Wird der vielzitierte Dialog der Kulturen aus Südperspektive nicht als sanfter Imperialismus empfunden? Wer setzt die Parameter für den Dialog und die Kooperationen?

 

Diese und andere Fragen sollen beim kulturpolitischen Gespräch mit PraktikerInnen, KünstlerInnen und KulturpolitikerInnen diskutiert werden.  Einen institutionellen Rahmen dazu bietet das  UNESCO-Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen.  Das österreichische Parlament  hat die Konvention 2006 einstimmig angenommen.  Damit wurde eine neue Ära der internationalen Kulturpolitik eingeläutet, fordert das Übereinkommen doch die Staaten explizit dazu auf, die internationale Kulturkooperation zu Gunsten von „Entwicklungsländern“ zu fördern. Etliche europäische Länder haben dies zum Anlass genommen, entsprechende Strategien zu entwickeln: Die Schweiz setzt auf das „Kulturprozentprinzip“, mit dem ein oder mehr Prozent des Entwicklungsetats in Partnerländern für Kunst und Kultur eingesetzt werden können. 

 

Skandinavische Länder haben eigene Strategien und Leitlinien für die Entwicklungszusammenarbeit entwickelt, die Kunst und Kultur als zentrale Säule für nachhaltige Entwicklung und Demokratie verankern. Fünf Jahre nach der österreichischen Ratifikation des UNESCO-Übereinkommens ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme. Was ist bisher geschehen  -  und was nicht?  Welche Strategien und Methoden für Kulturkooperationen und Kulturaustausch werden für die Zukunft vorgeschlagen?  Welche Möglichkeiten der Finanzierung und Unterstützung gibt es in der Praxis?

 

Die Umbrüche in der arabischen Welt und in Afrika bilden dabei einen geographischen Fokus.

 

 

ReferentInnen

 

Basma El Husseiny

ist seit 20 Jahren Kulturmanagerin und Kulturaktivistin in der arabischen Welt. Sie war Programmkoordinatorin für Medien, Kunst und Kultur für die Ford Foundation im Mittleren Osten und beim British Council in Ägypten. Basma arbeitete als Theaterregisseurin, Theaterautorin und Organisatorin von Kulturveranstaltungen. Zur Zeit leitet  sie die Al Mawred Al Thaqafy (Culture Resource), eine Non-Profit Organisation, die junge KünstlerInnen unterstützt und den regionalen und internationalen Austausch fördert.  Sie ist auch Mitbegründerin des Arab Fund for Arts & Culture. In der ägyptischen Revolution ist Basma El Husseiny eine treibende Kraft für einen grundlegenden Wandel im Kultursektor.

 

Hossam Mahmoud

Komponist und Instrumentalist, studierte in Kairo Bratsche, Oud (arabische Laute), Klavier und Musikpädagogik. Ab 1990 Kompositions-studien in Graz und am Salzburger Mozarteum. Österr. Staatspreis u. Landespreise Salzburg. Seine Werkliste umfasst Kammermusik, Orchester-werke sowie Musiktheater-Werke. Auftragswerke für Festivals wie stART Festival Salzburg, Festival d’Automne a Paris, Klangspuren Schwaz, Salzburg Biennale etc. 2011 Uraufführung des Trios „Martheia 2“ am Österreichischen Kulturforum New York und des Orchesterwerks, „Elegie an die Märtyrer der 25. Januar-Revolution“ in Wien. Hossam Mahmoud setzt sich seit Jahren für den Dialog der Kulturen ein.

 

Stefanie Carp

promovierte in Berlin in Literaturwissenschaft,  war als Dramaturgin  am Düsseldorfer Schauspielhaus,  am Theater Basel und am Schauspielhaus Hamburg engagiert,  in Basel und Hamburg unter der Intendanz von Frank Baumbauer.  Ab der Spielzeit 2000 bis  2004 war sie Chefdramaturgin und Co-Direktorin des Züricher Schauspielhauses während der künstlerischen Direktion von Christoph Marthaler.  Von Juli 2004 bis Ende Juni 2005 war sie Schauspiedirektorin der Wiener Festwochen, von 2005 bis 2007 Chefdramaturgin an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin; 2006/07 gleichzeitig  Gastprofessorin am Literaturinstitut Leipzig. Seit August 2007 ist sie Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen.

 

Norbert Ehrlich

gelernter Jurist, Pianist, Künstleragent und Programmgestalter der Szene Wien. Anfang der 80er Jahre öffnete er diesen Spielort  für Musik, Tanz und Theater aus außereuropäischen Ländern.  Nach 9/11 initiierte er das Festival SALAM ORIENT. Als künstlerischer Leiter des Festivals bringt er immer wieder klingende Namen nach Wien.  2011 lud er u. a. den Tunesier El Général  ein, dessen Song „Rayes Le Bled“ sich in der gesamten arabischen Welt verbreitete. Gilt bei Juristen als guter Pianist, bei Pianisten als hervorragender Programmgestalter, bei Programmgestaltern als exzellenter Jurist.

 

Claudia Marion Stemberger ist freiberufliche Kunsthistorikerin [www.artandtheory.net]. Kuratorische Projekte, u.a. Farewell to Longing. Figurationen von Heimat in der Gegenwartskunst (Wien 2011), Alterating Conditions. Performing Performance Art in South Africa (Johannesburg 2011), No more bad girls? (Wien, Bergen 2010). 2010/2011 Curator-in-residence an der Bag Factory in Johannesburg. Publikationen, u.a. Identität (Ausstellungskatalog, Fotogalerie Wien, 2010), Schwindel der Postmoderne (peer-review, ilinx, 2009).

 

Silvia Jura ist Sozial- und Kulturanthropologin und Kommunikationsberaterin. Als Direktorin von femous:platform for famous female culture und Präsidentin (und Gründungsmitglied) der IG World Music Austria liegen ihre inhaltlichen Schwerpunkte in Gender- und Rassismusfragen im Kulturbetrieb. Sie arbeitet im internationalen Musikbusiness, vertritt die Künstlerin Célia Mara weltweit und betreut Sozial- und Kulturprojekte in Brasilien.

 

Clemens Mantl, Jurist und Diplomat,  ist Leiter des UNESCO-Referats im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten.  Bis August 2011 war er Direktor des österreichischen Kulturforums in Kairo und stellvertretender Leiter der Österreichischen Botschaft Kairo.  Davor war er unter anderem Direktor des  Kulturinstituts und Kulturforums Teheran (1999 - 2001) sowie als stellvertretender Leiter der Österreichischen Botschaften in Prag, Teheran und Damaskus für das Außenamt tätig.

 

Norbert Riedl

ist Jurist und seit 1970 im Bereich Auslandskultur bzw. bi- und multilaterale kulturelle Angelegenheiten des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur  tätig. Seit 1986 ist er Leiter der Abteilung für bi- und multilaterale kulturelle Angelegenheiten des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur bzw. des Bundeskanzleramtes. Der Fokus seiner Arbeit liegt vornehmlich auf den Gebieten Europarat, UNESCO, internationale Netzwerke, bilaterale Kulturabkommen und Künstleraustauschprogrammen.
 


Der Vortrag von Frau Basma El Husseiny findet in englischer, die Panels in deutscher Sprache statt.