Vorwort von Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek

Für mich ist es eine große Ehre und eine ebensolche Verantwortung, in die Fußstapfen der früheren Kuratoriumsvorsitzenden Bruno Kreisky, Franz Vranitzky und Barbara Prammer zu treten. Mein vordergründigstes Anliegen wird daher sein, das große entwicklungspolitische Engagement meiner Vorgänger_innen fortzusetzen. Das VIDC als die älteste entwicklungspolitische Organisation in Österreich und moderner Think-Tank für Themen rund um die Entwicklungszusammenarbeit hat sich dem internationalen Dialog auf Basis von Gleichberechtigung und Respekt verschrieben – hier gibt es viele Anknüpfungspunkte zu meinen beiden Ressortthemen als Bundesministerin für Bildung und Frauen. Sowohl thematisch, da Bildungspolitik eine besondere Rolle in der Entwicklungszusammenarbeit spielt und Frauen- und Gleichstellungspolitik einen besonderen Stellenwert in der Entwicklungszusammenarbeit haben muss, als auch vom Zugang her: Sowohl in der Bildungspolitik als auch in der Frauenpolitik ist für mich eine Grundhaltung, die auf Gleichberechtigung, Respekt und einer Begegnung auf Augenhöhe basiert, sehr wichtig.

Ich darf den Kuratoriums-Vorsitz des VIDC in einem hervorragenden Zustand übernehmen – der letzte Jahresbericht belegt eindrucksvoll die vielfältigen Aktivitäten. Ich kann an dieser Stelle unmöglich alle aufzählen, möchte aber einige Themenkomplexe herausgreifen, die mir auch persönlich wichtig sind: Dazu gehört die Arbeit zur Förderung von Geschlechtergerechtigkeit und zur Überwindung geschlechtsspezifischer Gewalt sowie die Miteinbeziehung von Männern und Burschen für die Erreichung dieser Ziele. Auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Sexarbeit und der Bekämpfung von Menschenhandel halte ich für zentral. Die Organisation leistet auch im Bereich anti-diskriminierende, anti-rassistische und anti-homophobe Bewusstseinsbildung im Fußball mit der Initiative „Fair Play. Viele Farben. Ein Spiel“ hervorragende Arbeit. Und „Kulturen in Bewegung“ bietet interkulturelle Sensibilisierung durch umfassende Angebote im Bereich Musik und Kunst für Kinder und Erwachsene. Das VIDC arbeitet eng mit marginalisierten Gruppen, Diaspora- und Migrant_innenorganisationen zusammen, um emanzipatorische Prozesse zur Selbstermächtigung zu unterstützen. Dazu kommt intensive Netzwerktätigkeit auf nationaler und internationaler Ebene zu Steuergerechtigkeit, post-kolonialer Kritik, Demokratisierungsprozessen, Protest-Bewegungen und anderen aktuellen Themen und Entwicklungen.

Meine Vorgängerin Barbara Prammer hat die Arbeit des VIDC besonders in den Bereichen Frauenrechte und Antidiskriminierung sowie dem parlamentarischen Dialog zwischen Ländern des globalen Südens und Nordens unterstützt. Diesen Weg möchte ich – nicht zuletzt aufgrund meiner Funktion – fortsetzen und um den Aspekt der Bildungspolitik ergänzen. Ich bin überzeugt, dass dies ein komplementärer Aspekt ist, der sehr gut den Zugang des Instituts unterstreicht. Denn die Gleichberechtigung aller Menschen ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine gerechte Gesellschaft, die jedem Menschen die Teilhabe an allen Ressourcen und ein Leben in Würde ermöglicht. Bildung ist mit Sicherheit einer der zentralen Schlüssel, um diese Vision umsetzen zu können.

Gabriele Heinisch-Hosek
Bundesministerin für Arbeit und Bildung
Kuratoriumsvorsitzende VIDC