Von Washington nach Doha: Finanzgipfel der G20 versus Finanzierungskonferenz der UN

Mitte November 2008 fand in Washington der Finanzgipfel der G20 zum Thema Finanzkrise statt. Erfreulicher­weise scheint die kleine Gruppe der mächtigsten 8 Länder (G8) ein Auslaufmodell zu sein. Nun wurde auch den Schwellenländern ein Mitspracherecht beim Thema Finanzordnung eingeräumt.  Die 20 wichtigsten Länder incl. Vertretungen von UNO, IWF und Weltbank erstellten einen 50-Punkte-Fahrplan, um künftige Finanzkrisen zu vermeiden. In der Schlusserklärung wird das Versagen der staatlichen Aufsicht in manchen fortgeschrittenen Ländern als eine Ursache der Finanzkrise angeführt. Beschlossen wurde die Schaffung einer weltweiten Aufsichtsbehörde, die alle Finanzinstitute, die grenzüberschreitend arbeiten, kontrollieren soll. Hedgefonds und Rating-Agenturen sollen strengeren Regeln unterworfen werden. Manager-Gehälter sollen genauer unter die Lupe genommen werden. Und die Regierungen wollen gemeinsam gegen „nicht kooperative“ Steuer­oasen vorgehen. Die Rolle des IWF soll aufgewertet werden. Der scheidende US-Präsident Bush will allerdings an den Prinzipien der freien Marktwirtschaft festhalten: „Der beste Weg aus der Krise ist Wachstum. Und  der sicherste Pfad zu diesem Wachstum ist der Kapitalismus des freien Marktes“. (Die Presse vom 17.11.08). 

In Washington sollten also die wichtigsten VertreterInnen der 20 größten Ökonomien, die zusammen 85% der globalen Wirtschaftsleistungen repräsentieren, nichts weniger als die Welt vor der sich ausweitenden Weltwirtschaftskrise retten. Am Schluss stand eine Erklärung von vier Seiten. Hier wurde keine neue Weltfinanzordnung geschaffen, sondern bloß konventionelle Weisheiten abgesondert: mehr Transparenz auf Finanzmärkten, Managergehälter beschränken, Eigenkapitalquote der Banken erhöhen. Das  sind wohlfeile Lippenbekenntnisse, die niemandem wehtun. Die entscheidenden Ursachen der Weltfinanzkrise wurden nicht in Betracht gezogen: Weder wurden die ungeheuren Schuldenberge angesprochen, die sich bei Unternehmen, Privathaushalten und in einzelnen Staaten angehäuft haben, noch war die Kreditklemme der Banken ein Thema. Unbeeindruckt wiederholten die PolitikerInnen das Mantra vom freien Markt. So die Sicht von Michael R. Krätke in der WOZ.

USA:  Der scheidenden Präsident Bush warnte vor Eingriffen in das Finanzsystem. Der Ruf nach Protektionismus und Wirtschaftsplanung müsse abgelehnt werden. www.spiegel.de  vom 15.11.08 (suc/AFP/Reuters). Übrigens: In den USA wurden riesige Summen zur Rettung des Zusammenbruchs der USA aufgebracht (auch wenn ein großer Teil der Hilfspakete Garantien und Kredite umfasst, die im besten Fall nie zurückgezahlt werden): 8.000.000.000.000 US Dollar! (www.orf.at vom 28.11.2008).

EU: die Europäer haben sich Anfang November auf eine gemeinsame Linie für den Weltfinanzgipfel, konkret auf ein 5-Punkte-Programm mit folgenden Forderungen geeinigt: Regeln für Rating-Agenturen, Überarbeitung des Bilanzierungsstandards, Einbeziehung aller Finanzsegmente (auch Hedgefonds) in Kontroll- und Aufsichtsmechanismen, Verhaltenskodex für Finanzmanager und Aufwertung des IWF (Internationaler Währungsfonds) bei der Überwachung der Finanzmärkte. 

NGOs: Es wird zwar als Fortschritt gewertet, dass nicht mehr die G8, sondern der erweiterte Kreis der G20 zusammen kamen.  Doch ist mehr als fraglich, ob sich die neu dazu gekommenen Schwellenländer wirklich auch für die Interessen von kleinen und armen Volkswirtschaften zB Afrikas einsetzen. Hunderte NGOs haben sich im Vorfeld dafür ausgesprochen, dass es für die Regelung einer neuen Finanzarchitektur alle Länder brauche (Prozess unter dem Dach der UNO), nicht nur 20 Länder. Insbesondere auch, da Entwicklungsländer die Krise nicht verursacht haben, aber langfristig am stärksten betroffen sein werden.  Erlassjahr.de, ein Bündnis aus 850 deutschen Organisationen, die sich für gerechte Finanzbeziehungen zwischen den Ländern des Nordens und Südens und für einen Schuldenerlass für hochverschuldete Entwicklungsländer einsetzt, hat zum G20-Finanzgipfel eine Stellungnahme erarbeitet: „Die schlechte Nachricht aus Washington: der IWF ist wieder im Geschäft. Die Schwellenländer, die jetzt zum Mitspielen eingeladen wurden, sind nicht die Speerspitze einer sich emanzipierenden „Dritten Welt“. Der Neoliberalismus ist nicht tot – nur vorläufig abgetaucht“. http://tinyurl.com/erlassjahr; www.erlassjahr.de 

OECD: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat sich Ende November der Verpflichtung der G20 angeschlossen, sich in den nächsten 12 Monaten mit Rücksicht auf die lahmende Weltkonjunktur neuer protektionistischer Maßnahmen zu enthalten. Gleichzeitig haben die „Geber“länder im OECD-Entwicklungshilfe-Ausschuss positiv auf die Aufforderung des OECD-Generalsekretärs Gurría reagiert, sich öffentlich zur Aufrechterhaltung ihrer Verpflichtungen in Sachen Entwicklungshilfe zu bekennen.  

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UN-Entwicklungsfinanzierungskonferenz in Doha

Von 29. November bis 2. Dezember 2008 fand in Doha (Katar) die zweite UN-Entwicklungsfinanzierungs­konferenz statt (die erste fand 2002 im mexikanischen Monterrey statt). Sie stand ganz im Zeichen der globalen Finanzkrise. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach von Klimawandel, Nahrungsmittelkrise und extremer Armut, zuletzt habe die globale Finanzkrise ein abruptes Ende in die lang anhaltende Ära des globalen Wachstums gebracht. Kein Land bliebe davon verschont, aber die ärmsten Länder würden es am meisten spüren. „Today’s financial crisis will become tomorrow’s human crisis“, so der UN-Chef.

Ergebnisse von Doha:  die Kürzung der Entwicklungshilfe wurde abgewehrt (die bisherigen Zusagen wurden bekräftigt), auch die Bedeutung innovativer Finanzierungsinstrumente und Zusammenarbeit in Steuerfragen wurde anerkannt, doch wurden auch viele Gelegenheiten verpasst, weil es an der Festlegung verbindlicher Umsetzungsschritte mangelt. Positiv am „Doha-Consensus“ ist, dass die Vereinten Nationen bei der Frage der Reformierung des Finanzsystems eingebunden sind: die UN wird im März 2009 eine Konferenz auf höchster Ebene über die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise abhalten! Dies ist erfreulich und notwendig, denn das Thema Finanzkrise kann nicht von den G20 monopolisiert werden, dazu braucht man alle UN-Mitgliedsstaaten, die G192.  Vor allem die Entwicklungsländer wünschen sich eine stärkere Rolle der Vereinten Nationen, während sich die größten Wirtschaftsmächte auf die G20 und den IWF konzentrieren. Leider blieben in den Verhandlungen – um den Doha-Konsens zu erreichen – konkrete Maßnahmen bei Handelserleichterungen für den Süden, Entschuldung  und globale Steuer­gerechtigkeit auf der Strecke. Umso mehr wird die UN-Konferenz zur Finanzkrise im Frühjahr 2009 gefordert sein. 

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Mag. Hilde Wipfel: Eine Konferenz als Ergebnis einer Konferenz?

© KOO
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Mag. Hilde Wipfel ist Fachreferentin für Entwicklungsfinanzierung der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz  für Internationale Entwicklung und Mission (KOO).

Die Konferenz zu Entwicklungsfinanzierung in Doha stand unter dem Schatten der globalen Finanzkrise. Für Entwicklungsländer ist damit die Schmerzgrenze erreicht: Schuldenkrise, Strukturanpassungsprogramme, Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Spekulation auf Landwirtschafts- und Finanzprodukte, Kapitalflucht in Steueroasen: Arme Länder sind seit Jahrzehnten Hauptopfer einer fehlgeleiteten Finanzlogik. In der aktuellen Krise zahlen sie einen doppelten Preis. Sie leiden am heftigsten unter den Folgen, obwohl sie keinen Einfluss auf die Gestaltung der Regeln hatten. Gleichzeitig drohen Finanzströme zu versiegen. Industrieländer stopfen Milliarden-Hilfspakete und Investitionen in die eigenen Märkte, während man gegenüber Entwicklungsländer auf leere Kassen verweist. Krisenmanagement wird im kleinen Kreis der Großen (G20) betrieben. Kein Wunder, dass die Entwicklungsländer endlich mitreden wollen. Eine Aufwertung der UNO in Finanzfragen und ein Gipfel zur Diskussion von Grundsatzfragen in der globalen Finanzarchitektur waren daher – neben der Sicherstellung der Mittel zum Erreichen der Millennium Entwicklungsziele und Bewältigung der Krisen – DAS zentrale Anliegen der Entwicklungsländer. Für die noch durch die alte Bush-Administration vertretenen USA war das ein „NO GO“. Die Vermittlerrolle der EU bzw. einige ihrer engagierten Entwicklungsministerinnen  und Druck durch die Zivilgesellschaft ermöglichten letztlich den Kompromiss der hochrangigen UN-Konferenz, die sich mit den „Auswirkungen der Finanzkrise auf Entwicklungsländer“ befassen soll.  

Zugegeben: Im Vergleich zu Monterrey ebenso wie im Angesicht der aktuellen Probleme ein bescheidenes Ergebnis. Monterrey galt als Durchbruch, da erstmals ein umfassendes Bild aller Finanzflüsse in einer „globalen Finanzarchitektur“ dargestellt und alle wichtigen Akteure einbezogen wurden. Es hat in den Folgejahren die entwicklungspolitische Debatte geprägt und gab der Zivilgesellschaft die Möglichkeit, Druck zu machen: von konkreten Zusagen zur Erhöhung der Entwicklungszusammenarbeitsmittel 2005,  über multilateralen Schuldenerlass, dem Ausrufen einer „Entwicklungsrunde“ für den Welthandel bis zum Angehen von  Reformen der Internationalen Finanzinstitutionen gab es viele Ansagen und (Selbst)Verpflichtungen der reichen Länder, während Entwicklungsländer sich zu „Good governance“  und notwendigen Reformen bekannten. Die Umsetzung ist erst auf halbem Weg angelangt während inzwischen die großen Krisen die Länder überrollen. Die  Ergebnisse von Doha geben keine Antwort auf die großen Fragen.

Dennoch gibt es kleinere aber wichtige Fortschritte, die angesichts großer Erwartungen nicht unter den Tisch fallen sollten. In Anerkennung der Frauenrechte und durchgängige Berücksichtigung der Geschlechter­­gerechtigkeit in allen Bereichen – ein Thema, für das sich auch Österreich stark gemacht hat, der Betonung der Menschenrechte oder im expliziten Verweis auf ILO-Arbeitsnormen geht der Text deutlich über Monterrey hinaus.

Steuerfragen wurden zum großen neuen Thema. Die Generierung lokaler Steuern als Instrument für Staaten zur Finanzierung öffentlicher Güter wie Bildung und Gesundheit, das gleichzeitig die Mitbe­stimmung der Bürgerinnen und Bürger stärkt, komplettiert das Bild der globalen Finanzarchitektur. Obwohl die bedeutenden Fragen der Steuerflucht, des Vorgehens gegen Steueroasen und die Aufwertung der UN als Forum zur Lösung globaler Steuerfragen höchst umstritten waren und im Schlussdokument nicht berücksichtigt wurden, gab es am Rande der Konferenz bemerkenswerte Initiativen: Deutschland rief einen „Tax compact“ zur Förderung wünschenswerter Steuerpraktiken ins Leben. Die Schweiz kündigte ihre Bereitschaft an, für die EU geltende Zinsbesteuerungsabkommen in ähnlicher Form auch anderen Ländern anzubieten.   

Die geplante UNO-Konferenz zur Finanzkrise wird der erste Test für die „Doha-Erklärung“ sein. Ob es zu einer umfassenden Analyse der Ursachen und nötigen Änderungen im System und Beteiligung aller Staaten auf höchster Ebene kommt, wird entscheidend dafür sein, ob neue Weichenstellungen möglich sind. Voraussetzung ist die Erkenntnis, dass die gegenwärtigen globalen Probleme nur auf globaler Ebene gelöst werden können. Grosse Hoffnungen liegen auf dem Wandel durch die neue US-Administration unter Präsident Obama. Unabhängig vom Forum werden politischer Wille und langfristige Visionen seitens der Regierungen gefordert sein. 

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Dr. Kurt Bayer: G20-Gipfel: wo bleiben die armen Entwicklungsländer?

Der Österreicher Dr. Kurt Bayer war langjähriger Finanzexperte des WIFO, arbeitete von 2002-04 als Exekutivdirektor der Weltbank und ist seit heuer Board Director für Österreich, Bosnien Herzegowina, Zypern, Israel, Kasachstan und Malta in der „European Bank for Reconstruction and Development“ in London.

Auf Drängen der Europäer hat am 15.11.2008 ein Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs in Washington, D.C. stattgefunden, mit dem Ziel, einen Ausweg aus der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise zu binden. Die übliche Teilnehmergruppe (G-7) wurde um 13 Schwellenländer zur G-20 erweitert – ein gewisser Fortschritt gegenüber früher.

Im Schlussdokument wurde eine Reihe von Arbeitsplänen zur Lösung der Finanzkrise vereinbart, die kurz- und mittelfristig einen Ausweg aus der Krise und die Verhinderung ähnlicher Krisen in der Zukunft erreichen sollen. Ebenfalls ein gewisser Fortschritt, auch wenn vieles davon aufgrund der sehr unterschiedlichen Interessen der Teilnehmer vage formuliert ist.

Unter anderem wird auch auf die Notwendigkeit der Erfüllung der Millennium Development Goals und der Einhaltung der Zusage der reichen Länder, ihre Entwicklungsleistungen auf 0.7% des BIP anzuheben eingegangen: so weit, so gut; aber das ist es auch schon, was die Entwicklungsländer betrifft.

Diese, und vor allem die ärmsten, sind bereits jetzt durch die exorbitanten Erhöhungen der Nahrungsmittel- und Energiepreise massiv betroffen. Nach Schätzungen sind dadurch wieder etwa 100 Millionen Menschen weltweit zusätzlich von Hunger bedroht. Die Finanzkrise und die daraus hervorgehende Rezession, zu der die Entwicklungsländer absolut nichts beigetragen haben, wird die Ärmsten der Armen noch weiter verelenden lassen: die Nachfrage nach Exporten der Entwicklungsländer geht zurück, Direktinvestitionen sind versiegt und die noch im Vorjahr ach so willigen westlichen Banken zeigen sich nunmehr aus “Risikogründen“ verschlossen wie Austern. Die Rezession in den Industrieländern, und davon ist besonders die Bautätigkeit betroffen, in der viele Arbeitsmigranten arbeiten, wird die früher sprudelnden Überweisungen in die Heimatländer massiv reduzieren und deren Arbeitslosigkeit weiter wachsen lassen.

Man hätte denken können, dass in dieser Situation auch Vertreter dieser Länder zu den Beratungen über eine „neue Finanzarchitektur“ einbezogen werden – schmecks! Bei den Industrieländern meint man, mit der Einbeziehung von China bis Brasilien seiner weltweiten Verpflichtung Genüge getan zu haben. Bei der Gestaltung eines neuen Systems müssen aber die Interessen und Betroffenheiten aller Typen von Ländern berücksichtigt werden, um nicht nur ein faires, sondern auch stabiles System entstehen zu lassen. Dieses darf nicht nur nach den Interessen der wohlhabenden Länder ausgerichtet sein – auch wenn bei diesem Treffen etwa 80-90% des Weltprodukts anwesend waren. Die Doha-Verhandlungen haben bereits gezeigt, dass zwischen den Interessen der Schwellenländer und der armen Entwicklungsländer Welten klaffen, letztere also jedenfalls nicht sinnvoll durch erstere vertreten werden können.

Eine neue, stabilere Weltwirtschaftsordnung braucht sowohl vom Inhalt, wie auch von der Beteiligung her, ein weiteres Spektrum. Neue Regeln werden nur akzeptiert, wenn man auch (zumindest indirekt) an deren Erstellung mitgewirkt hat. Es geht nicht nur um die Interessen jener, die die Krise ausgelöst haben, sondern auch und vor allem um die jener, die unverschuldet von dieser Krise massiv betroffen sind – und die geringsten Mittel haben, ihr zu widerstehen.

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Kurt Bayer schreibt in seinem Blog auf Englisch und Deutsch  über die globale Wirtschaftspolitik (zB Spend now-risk later? Starker oder feiger Staat? Vom 28.11.08).

Weiterführende Informationen zu Finanzierungskonferenzen und Artikel zur Finanzkrise

Das Institute for Policy Studies in Washington hat Ende November eine 18seitige Studie veröffentlicht: „Skewed Priorities: how the bailouts dwarf other global crises”. Darin wird gezeigt, wie die Regierungen der USA und Europas den Banken helfen – mit 4 Billionen Dollar!, eine Summer die 40mal höher ist als die Mittel die für die Bekämpfung der Armut und des Klimawandels aufgebracht wurden.  (IPS vom 26.11.08: Will any crumbs remain after banker’s feast?).

„Regierungen lieben Blasen“: Interview mit Yilmaz Akyüz in „Welt-Sichten. Magazin für globale Entwicklung und ökumenische Zusammenarbeit“, Nr. 11 vom November 2008. Darin erläutert der frühere UNCTAD-Chefökonom Yilmaz Akyüz, wie stark die Volkswirtschaften Asiens, Lateinamerikas und Afrikas von der Finanzkrise betroffen sind und was unternommen werden muss, um den Schaden zu begrenzen.

VENRO-Positionspapier zur zweiten Weltkonferenz zu Entwicklungsfinanzierung in Doha „Nachhaltige Finanzierung für Entwicklung und Armutsbekämpfung“. Das 15seitige Papier geht auf Forderungen in den sieben Bereichen der in Doha zu diskutierenden Themen ein: Mobilisierung einheimischer Ressourcen, Ausländische Direktinvestitionen, Welthandel, Erhöhung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit, Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer, Finanzsystem und Klimawandel. VENRO ist der Verband von 116 entwicklungspolitischen NGOs in Deutschland.

ÖFSE-Broschüre „Österreichische Entwicklungspolitik 2007: Analysen, Information“ mit dem Themenschwerpunkt „Financing for Development“. Die im November 08 erschienene Broschüre beschäftigt sich mit dem Hintergrund der UN-Entwicklungsfinanzierungskonferenz in Doha und den verschiedenen Aspekten der internationalen Entwicklungsfinanzierung, insbesondere der Zukunft der öffentlichen Entwicklungsfinanzierung und der Regulierung der Finanzmärkte.

Voices from the South. The Impact of the Financial Crisis on Developing Countries”: Im 60seitigen Papier des Institute of Development Studies, das im November erschienen ist, kommen 21 Akademiker und Politiker aus 14 Entwicklungsländern zu Wort, wie die Finanzkrise ihr jeweiliges Land (Bangladesch, Brasilien, China, Äthiopien, Ghana, Indien, Kenia, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Südafrika, Sri Lanka, Thailand, Vietnam) betrifft. www.ids.ac.uk  

„1944 oder 1933? Die Risiken der geplanten Weltkonferenzen“ von Heribert Dieter und Prof. Richard Higgott. Aktuell Nr. 76 der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Das Papier zu Steuerfragen und Entwicklung „Closing the Gap – addressing imbalances in global finance“ der CIDSE (Internationales Netzwerk von 16 katholischen Organisationen)  vom November 08 ist auf www.koo.at abrufbar.  Darin werden Empfehlungen für die Umsetzung aufgelistet. Ebenso auf www.koo.at ist die Stellungnahme zur österreichischen Position zur Doha-Konferenz von KOO, WIDE und Globale Verantwortung nachzulesen.  

Baustellen der Globalisierung: in diesem  Blog können die Vorbereitungen und  Ergebnisse von Doha nachgelesen werden. Besonders interessant die Kritik des UNCTAD-Generalsekretärs Supachai Panitchpakdi, der in Doha die Doppelstandards der Industrieländer und des IWF in der gegenwärtigen Finanzkrise am Beispiel Thailand beklagt: Thailand höre immer nur „kürzt eure Ausgaben, bestraft eure Banken, lasst keinen moral hazard zu“. Wie oft haben wir diese Worte in den letzten Monaten gehört, als die Banken im Norden gerettet wurden?

UN-Webseite zu Financing for Development

Forum der Zivilgesellschaft in Doha; Informationen zum NGO-Forum in Doha; Newsletter for Civil Society “The Road to Doha”; www.un.org/esa/ffd

“Financial flows to developing countries expected to fall by one quarter” und “A new global order: Bretton Woods II” und “Financing Development: from Monterrey to Doha” im ODI-Newsletter vom 1.12.08.

Kardinal Oscar Andrés Rodgríguez Maradiaga (Honduras) las ob der verheerenden Auswirkungen der Finanzkrise dem Norden die Leviten (Interview in der Furche Nr. 9 mit Maria Harmer).“Erinnern wir uns an Adam Schmith, der gesagt hat, dass eine unsichtbare Hand den Markt bewegt. Aber es gibt keine unsichtbare Hand, sondern eine versteckte Hand von Dieben, die sich am Markt bedient haben und dachten, er würde das schon aushalten. Aber das hat er nicht. Er kann sich erst wieder erholen, wenn die wichtigsten Akteure beginnen, sich ehrlich zu verhalten“.  www.furche.at 

Die IPS-Meldung vom 5.12.08 titelte, dass die reichsten Länder auch die geizigsten seien und meinte die Ergebnisse des 2008 Commitment to Development Index (CDI) vom Centre for Global Development. Der Anfang Dezember veröffentlichte Index, der jährlich seit 2003 erscheint,  listet die 22 reichsten Länder auf und analysiert ihre Entwicklungs-bezogenen Politikfelder. Dabei kommen die reichen Länder betreffend den sieben Politikfeldern wie Höhe und Qualität der Entwicklungshilfe, Handel, Offenheit für Migration aus den Entwicklungsländern, Umwelt etc. schlecht weg, sie finden sich  - trotz höchstem Potential zu helfen – alle mit Ausnahme von Großbritannien am unteren Ende der Reihung. Am meisten bemüht, den armen Ländern zu helfen, sind relativ kleinere Länder: so führt Niederlande die Liste an, gefolgt von den Skandina­vischen Ländern.

Das OECD-Development Centre hat mehrere kurze „Policy Insights“ Anfang Dezember veröffentlicht, in denen es um die Konsequenzen und Nachwirkungen der Finanzkrise geht: Fallen die Entwicklungshilfebudgets der Krise zum Opfer? Was bedeutet es für die öffentliche Unterstützung für Entwicklungshilfe? Wie entwickeln sich ausländische Direktinvestitionen für Entwicklungsländer? Informationen zu Emerging Markets und zu Entschuldungsfragen

OECD Development Centre Policy Insights 2006 - 2011

Buchempfehlung

Asienkrise: Lektionen gelernt? Finanzmärkte und Entwicklung. Eine Veröffentlichung der ÖFSE. 240 Seiten, vom Mai 2008. Herausgeberinnen: Karin Küblböck (ÖFSE) und Cornelia Staritz (New School for Social Research in New York). VSA-Verlag, ISBN 978-3-89965-295-6´

2007/08 jährte sich zum 10. Mal der Beginn der Serie von Finanzkrisen in Südostasien, Russland, Türkei und Lateinamerika. Drei Fragen stehen im Mittelpunkt der Publikation: 1.) Wie haben sich die internationalen Finanzmärkte in den letzten 10 Jahren entwickelt? 2.) Welche langfristigen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen haben Finanzkrisen in den betroffenen Ländern und welche Politiken konnten nach den Finanzkrisen durchgesetzt werden? 3.)Welche Bedeutung haben Finanzmärkte im Entwicklungsprozess und wie können diese entwicklungsfreundlich gestaltet werden?

Diese Fragen behandeln die AutorInnen (zB Jörg Huffschmid - Univ. Bremen, Kunibert Raffer - Univ. Wien, José Antonio Ocampo - Columbia Univ. New York, Charles Mutasa - AFRODAD Zimbabwe, C.P. Chandrasekhar - Univ. New Delhi, Özlem Onaran - WU-Wien u.a.) in der Publikation allgemein und anhand von Länderbeispielen.

Link zu einem früheren VIDC-news-Artikel

Die globale Finanzkrise

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