Time and location

Thursday, 11 April 2019, 19:00 - 21:00
Diplomatic Academy, Festsaal
Favoritenstraße 15a, 1040 Vienna

Program

Ansar Jasim
Adopt a Revolution, Berlin

Abdallah Alkhatib
palästinensisch-syrischer Aktivist, Damaskus/Münster

Rabie Nasr
Syrian Center for Policy Research, Beirut


Chair: Helmut Krieger, University of Vienna/VIDC
Welcome: Magda Seewald, VIDC

Invitation in Arabic language

Languages: Arabic and German with simultaneous interpretation

Registration: seewald@remove-this.vidc.org

Measurements of the war. (Forced) return and reconstruction in Syria

© Olivier Bourgeois/Alamy Stock
© Olivier Bourgeois/Alamy Stock

Regrettably, this information is only available in German.

Background

Während der brutale Krieg in Syrien noch nicht beendet ist, propagieren sowohl das Regime in Damaskus als auch die weiteren am Krieg beteiligten Staaten eine Normalisierung der Lage. Mit Wiederaufbaumaßnahmen soll der Eindruck erweckt werden, dass nun das Ende von Vertreibungen und Bombardierungen erreicht sei. Während also das syrische Regime in dem von ihm kontrollierten Gebieten Sicherheit verspricht und eine würdevolle Rückkehr zu inszenieren versucht, schafft es zugleich die gesetzlichen Grundlagen für massenhafte Enteignungen und damit eine soziale Neuzusammensetzung von ganzen Stadtteilen.
Auf internationaler Ebene werden unterdessen die jeweiligen Einflusszonen innerhalb des Landes in Verhandlungen abgesteckt und verschiedenen Wiederaufbauplänen ohne Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Akteur*innen unterworfen. So verwundert es auch nicht, dass sich Debatten in europäischen Ländern weg von der Frage nach Kriegsverbrechen hin zur eigenen finanziellen Beteiligung am Wiederaufbau verschoben haben. Offensichtlich geht es mehr und mehr um Kosten und Profite aus dem Krieg sowie Abschiebungen von Geflüchteten in ein vermeintlich sicheres Syrien als um menschenrechtsbasierte Politik.
Was heißt nun Wiederaufbau eines zerstörten Landes für die Zivilbevölkerung? Inwiefern werden derartige Maßnahmen den Millionen (intern) Vertriebenen und Geflüchteten eine Rückkehr ermöglichen? Welche Debatten um (Zwangs-)Rückkehr gibt es in Aufnahmeländern wie dem Libanon, dem Land, das gemessen an seiner Einwohner*innenzahl die größte Zahl an Geflüchteten aus Syrien beherbergt? Wie sehr können zivilgesellschaftliche Initiativen innerhalb und außerhalb Syriens eine aktive Rolle im Prozess des Wiederaufbaus übernehmen? 

Podium

Ansar Jasim

ist Aktivistin bei der deutsch-syrischen Menschenrechtsorganisation Adopt a Revolution, die seit 2011 die junge syrische Zivilgesellschaft unterstützt. In diesem Zusammenhang ist sie insbesondere an Fragen der internationalen und transnationalen Solidaritätsarbeit interessiert. Ein besonderer Fokus ihrer Arbeit und ihres Aktivismus liegt auf dem Thema der bäuerlichen Selbstorganisation in Syrien, etwa im Rahmen der jungen Nahrungssouveränitätsbewegung, die seit 2014 im Entstehen ist.
Ansar Jasim studierte an der SOAS University of London Middle East Politics (MSc) und Wirtschaft und Politik des Mittleren Ostens (MA) in Marburg. Für die deutschsprachige Plattform Alsharq (www.alsharq.de) schreibt sie sowohl zu Syrien als auch dem Irak und organisiert Veranstaltungen der Politischen Bildung zur Region Westasien und Nordafrika sowie Vernetzungstreffen mit Aktivist*innen aus der Region.

Abdallah Alkhatib

ist palästinensisch-syrischer Menschenrechtsaktivist aus Yarmouk, Damaskus. Seit 2011 war er Teil der friedlichen Bewegung gegen das Assad-Regime und organisierte später mit anderen Aktivist*innen den zivilen Widerstand gegen lokale extremistische Kräfte. Während der bis 2018 anhaltenden Belagerung wurden alternative Schulen, zivilgesellschaftliche Zentren sowie landwirtschaftliche Projekte aufgebaut, um die Belagerung zu durchbrechen. Durch ein syrisch-russisches Abkommen wurde er zusammen mit der lokalen Zivilgesellschaft im Mai 2018 in den Norden Syriens zwangsvertrieben. Mit Aktivist*innen, die aus allen Teilen Syriens vertrieben wurden, baute er in Rif-Aleppo das Hooz-Center auf, das bis heute politische Debatten vor Ort anstößt, unter anderem um die lokale Bevölkerung gegen lokale Autoritäten zu organisieren und so der Eindämmung der Zivilgesellschaft entgegen zu treten.
Darüber hinaus war er 2017 Mitbegründer des literarischen Blogs "sard.network". Sard hat sich zum Ziel gesetzt, syrische Narrative zur Revolution, Vertreibung, Exil und Krieg zu dokumentieren, um damit einen Raum der Geschichte und der Erinnerungen zu schaffen. Seit Ende 2018 lebt Abdallah Alkhatib in Deutschland.

Rabie Nasr

ist Mitbegründer des Syrian Center for Policy Research und arbeitet zu makroökonomischen Politiken, inklusivem Wachstum sowie zu Armut und den Auswirkungen der sozioökonomischen Krise in Syrien. 
Im Jahr 1999 schloss er einen BA in Ökonomie der Universität Damaskus ab, gefolgt von einem Diplom in Volkwirtschaftslehre an eben dieser Universität im Jahr 2000. Darüber hinaus erhielt er einen MSc in Ökonomie von der University of Leicester in Großbritannien. Bevor er im Syrian Development Research Center zu arbeiten begann, war er von 2004 bis 2005 Chefökonom und Generaldirektor in einer staatlichen Planungskommission, der Abteilung für makroökonomische Steuerung. Anschließend arbeitete er als Wirtschaftsforscher am Arab Planning Institute in Kuwait und war von 2009 bis 2011 leitender Wissenschafter am Syrian Development Research Center, das sich vor allem auf angewandte Forschung und Evaluierungen spezialisiert hat.  

Helmut Krieger

ist Sozialwissenschafter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien sowie Konsulent des VIDC. Seine Forschungsschwerpunkte sind: der israelisch-palästinensische Konflikt, Bewegungen des politischen Islam in der arabischen Welt, kritische Staatstheorien und postkoloniale Theoriebildung. Aktuelle Veröffentlichungen sind unter anderem als Herausgeber „Food Sovereignty and Alternative Development in Palestine“ (2018) und „Krise, Revolte und Krieg in der arabischen Welt“ (2017, gemeinsam mit Magda Seewald und dem VIDC), sowie die Aufsätze „Nurturing Alternative Development: Agricultural Cooperatives in Palestine“ (2018), „Nicht zu verwischende Spuren. Zur Dialektik von Revolution und Konterrevolution in der arabischen Welt“ (2017) und „Syrien – Aufstand, Krieg und Flucht“ (2016).
Des Weiteren ist er Leiter des von der ADA geförderten Forschungsprojekts „Knowledge Production in Times of Flight and War – Developing Common Grounds for Research in/on Syria”, einer Kooperation zwischen der Universität Wien, der Birzeit University in der West Bank, der American University Beirut, der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt und  Mousawat, Beirut.

Magda Seewald

ist seit 2005 Projektreferentin am VIDC mit einem regionalen Fokus auf die arabische Region, insbesondere Palästina. Zudem koordiniert sie die VIDC-Reihe zu den Umbrüchen in der arabischen Welt. Als eine der Genderreferentinnen am VIDC betreut sie den Bereich Gendersensibilisierung von Männern sowie den Themenbereich Gender & Konflikt. Magda Seewald ist eine der Mitbegründer_innen des Netzwerks „REloading Feminismus“. Ihre letzte Veröffentlichung als Mitherausgeberin ist der Sammelband „Krise, Revolte und Krieg in der arabischen Welt“ (2017).

Note

This event is part of the program Culture X Change Libanon.

Publication

Krieger, Helmut/ Seewald, Magda/VIDC (Hrsg): Krise, Revolte und Krieg in der arabischen Welt. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2017

table of contents

Unterlagen zur Veranstaltung