Stephan Schulmeister und Heiner Flassbeck: Finanz- und Wirtschaftspolitik

Stephan Schulmeister: Globalisierung ohne Weltwährung: Ein fataler Widerspruch

© WIFO
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Mag. Dr. Stephan Schulmeister ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung – WIFO in Wien. Zu den Arbeitsgebieten des Wirtschaftsforschers gehören Außenwirtschaft und internationale Wirtschaftsbeziehungen, Finanzmärkte und Unternehmensstrategien. Der Artikel erschien erstmals im Falter vom 9.9.2009 und wurde uns freundlicherweise vom Autor zur Verfügung gestellt.

Herr Schulmeister nimmt an der Veranstaltung am 12. November 2009 in Wien teil und bestreitet mit Heiner Flassbeck (UNCTAD) den Workshop „ Vom Weltcasino zu einem  neuen Bretton Woods?“. 

Seit 1944 spielt der Dollar eine Doppelrolle, er fungiert als nationale Währung der USA und als (Ersatz)Weltwährung. Bis Anfang der 1970er Jahre war der Dollarkurs (wenigstens) stabil, seither ist die „key currency“ zur instabilsten aller wichtigen Währungen geworden. Alle bedeutenden „Turbulenzen“ in der Weltwirtschaft, von den „Ölpreisschocks“ bis zur aktuellen Krise wurden durch die Doppelrolle des Dollar mit verursacht.

Drei Funktionen charakterisieren den Dollar als Weltwährung:

  • Alle Rohstoffe notieren in Dollar, insbesondere auch Erdöl.
  • Der größte Teil internationaler Forderungen/Verbindlichkeiten wird in Dollar gehalten.  
  • Der Dollar fungiert als "vehicle currency" im supranationalen Devisenhandel (die meisten Transaktionen werden über den Dollar abgewickelt).

Als nationale Währung sind Zinssatz und Wechselkurs des Dollars wichtige Faktoren der US-Wirt¬schafts¬entwicklung, sie werden daher in hohem Maß von den Interessen der USA und damit von ihrer Wirtschaftspolitik beeinflusst. 

Die Konflikte zwischen den "national-ökonomischen" Interessen der USA am Einsatz des Dollar im Dienste einer „inward looking“ Wirtschaftspolitik und den „global-ökonomischen“ Interessen des Gesamtsystems bereiteten den Boden für die „Ölpreisschocks“, für die Schuldenkrisen der Entwicklungsländer und für das Anschwellen der Auslandsverschuldung der USA.

Dollarkurs, "Ölpreisschocks" und Inlationsdynamik

Als Folge einer auf die USA beschränkten Rezession 1970 sowie einer steten Verschlechterung der US-Leistungsbilanz sagten sich die USA 1971 von ihren in Bretton Woods 1944 eingegangenen Verpflichtungen los, den Dollarkurs stabil zu halten, bis 1973 sank er um 25%. Dies entwertete die Exporterlöse der Rohstoffexporteure. Darauf reagierte die OPEC 1973 mit einer Verdreifachung des Ölpreises (sie nützte dabei die Verunsicherung durch den Yom-Kippur-Krieg). Diese Sequenz in einem globalen Verteilungskampf wiederholte sich zwischen 1977 und 1979. Zunächst verlor der Dollar wieder 25% an Wert, 1979 folgte der zweite "Ölpreisschock" (wieder nützte die OPEC politische Turbulenzen, diesmal in Form des Golfkriegs zwischen dem Iran und dem Irak).

Beide "Ölpreisschocks"; zogen einen Anstieg der Inflation und der Arbeitslosigkeit nach sich (die „Ölpreisschocks“ lösten zwei Rezessionen aus). Diese Konstellation deutete man als Widerlegung des Keynesianismus, der Konnex zu den Dollarentwertungen wurde nicht wahrgenommen. Dabei ergab sich ein „Treppenwitz“: Der Bannerträger der neoliberalen Gegenreformation, Milton Friedman, hatte mit seinem erfolgreichen Kampf gegen feste Wechselkurse zur nachfolgenden Dollarentwertung, dem Ölpreisschock und der Rezession beigetragen, und damit zum gleichzeitigen Anstieg von Inflation und Arbeitslosigkeit. Genau diese Konstellation verwertete er dann als „Widerlegung“ des Keynesianismus…... 

Seit 2001 zeigt sich wieder eine markant inverse Entwicklung von Dollarkurs und Ölpreise (sowie der meisten Rohstoffpreise), gefördert durch Spekulation von Finanzinvestoren auf den Derivatmärkten. Die inverse Beziehung zwischen Dollarkurs und Dollarpreisen ist im gesamten Welthandel noch stärker ausgeprägt als im Rohstoffhandel. Wertet der Dollar ab (auf) so steigen (fallen) alle nicht in Dollar notierenden Preise. Dies ist nicht nur ein statistisches Artefakt, da der Großteil internationaler Schulden in Dollar gehalten wird.

Dollarkurs, Dollarzins und Schuldenkrisen

Der Realzins einer internationalen Dollarschuld eines Landes ergibt sich als nomineller Dollarzins minus Veränderung seiner Exportpreise auf Dollarbasis (die Schuld muss ja durch Exporterlöse in Dollar bedient werden).

Als Folge der hohen Dollarinflation war der Realzins in den 1970er Jahren extrem negativ. Dies förderte das "recycling of petro-dollars“: Die Überschüsse der OPEC-Länder wurden zu Krediten vieler Entwicklungsländer, insbesondere in Lateinamerika (Mexico, Brasilien und Argentinien als damalige "Tigerländer"). Die Dollaraufwertung ab 1980 und damit der (absolute) Rückgang der Dollarpreise im Welthandel ließ den Realzins 1981 auf annähernd 20% springen, 1982 brach die internationale Schuldenkrise aus (während die Dollarabwertungen der 1970er Jahre die Auslandsschulden der Entwicklungsländer permanent abwerteten, wurden sie nun massiv aufgewertet).

In den 1990er Jahren ergab sich eine ähnliche Entwicklung, diesmal in Ostasien. Die "Tigerländer" finanzierten ihren Boom teilweise durch Auslandkredite in Dollar, als der Dollar 1995 aufzuwerten begann, stieg der Realzins einer Dollarschuld wieder sprunghaft an. Beispiel: Alle Erlöse eines südkoreanischen Unternehmens aus Exporten (ohne jene in die USA) gingen - in Dollar gerechnet – massiv zurück. !997 kam es zur Schuldenkrise der "Tigerländer" Ostasiens. Diese breitete sich in der Folge auf Russland, Brasilien und Argentinien aus. Doch die Lage entspannte sich verblüffend schnell: Zur Bekämpfung der Rezession senkten die USA den Dollarzins auf 1%, der Dollarkurs ging massiv zurück und damit auch der Realzins einer internationalen Dollarschuld.

Das Auslandsdefizit der USA und seine Finanzierung nach Ponzi-Art

Für die USA hat sich das Verhältnis ihrer Wirtschaft zu jener der übrigen Länder seit Mitte der 1980er Jahre günstig entwickelt:

  • Gemessen an den Preisen international gehandelter Güter und Dienstleistungen ist der Dollar um etwa 30% unterbewertet, die Exporte der USA sind daher in den vergangenen 20 Jahren rascher gewachsen als jene der übrigen Industrieländer.
  • Die US-Importe wuchsen allerdings noch stärker, die USA absorbierten einen immer größeren Teil von Gütern und Dienstleistungen ausländischer Produktion. 
  • Ihr rasant steigendes Leistungsbilanzdefizit konnten die USA durch Kredite in eigener Währung finanzieren, da diese die Weltwährung darstellt (die USA können Dollars kostenlos „produzieren“). 
  • Die USA finanzieren ihre Auslandsschuld überdies nach Ponzi-Art (wie Mr. Madoff): Seit 1984 „bezahlen“ die USA die Zinsen durch immer größere Kreditaufnahme, diese kommode Finanzierung hat die Verschuldung der USA verstärkt.


In ein sarkastisches Bild gesetzt (dabei nehme ich das „Sparerland“ Deutschland als „pars pro toto“ der übrigen Länder): Die USA als Mr. Ponzi handeln mit Deutschland als Dagobert Duck. Deutschland erarbeitet Porsches, Mercedes und BMWs, gefahren werden sie in den USA. Dafür erhält Deutschland ein wachsendes Dollarvermögen, das in den USA angelegt werden muss. Auch wenn Deutschland dafür keine Zinsen bekommt, sondern sie sich gewissermaßen selber zahlt, steht dieser Handel hoch im Kurs. Die deutschen Exporterfolge sichern Arbeitsplätze, einzig sie haben die Wirtschaft in den letzten 20 Jahren gestützt.

Die Problematik der Doppelrolle des Dollar hängt auch direkt mit der globalen Finanzkrise zusammen: Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich die Ponzi-Akkumulation der Netto-Finanzschulden der USA drastisch beschleunigt, sie erreichten 2007 etwa 9.000 Mrd. $. Die Gläubigerländer mussten ihren „Dollarschatz“ in den USA anlegen, angesichts extrem niedriger Zinsen erschienen die „strukturierten Produkte“ (ABS, CDO, etc.) immer attraktiver.

Systemimmanente oder systemerneuernde Lösungen?

Der Befund über die Doppelrolle des Dollar in den letzten 35 Jahren legt nahe, dass ein grundlegender Systemwechsel nötig ist. Eine immer stärker globalisierte Wirtschaft braucht eine echte Weltwährung (so wie die Nationalstaaten die regionalen Währungen und der Euroraum kürzlich die nationalen Währungen „überwanden“). Hauptgrund: Der unlösbare Grundkonflikt zwischen den „national-ökonomischen“ Interessen des Leitwährungslandes und den „global-ökonomischen“ Interessen der Weltwirtschaft als Gesamtsystem.

Aus diesem Grund hatte Keynes die Schaffung einer supranationalen Währung („Bancor“) vorgeschlagen. Er konnte sich aber mit diesem Vorschlag 1944 in Bretton Woods nicht durchsetzen. Die neue Hegemonialmacht USA wollte – nach dem britischen Pfund - nunmehr ihre Währung als Leitwährung sehen.

Wie könnte eine neue Weltwährung unter heutigen Bedingungen gestaltet sein? Es würde reichen, wenn der „Globo“ den Dollar, Euro, Renminbi und Yen umfasste. Die drei Wechselkurse zwischen diesen Währungen sollten innerhalb enger Bandbreiten stabilisiert werden (wie in der EU zwischen 1986 und 1992). Das Niveau der Wechselkurse orientiert sich an der Kaufkraftparität von Tradables. Die Währungen der übrigen Länder werden in Relation zum „Globo“ stabilisiert.
Derzeit erscheint ein solches Konzept utopisch. Allerdings: In meiner Einschätzung wird sich die Krise nach dem momentanen Intermezzo „Wir machen weiter wie bisher“ vertiefen. Dies wird die Bereitschaft zum (Ver)Lernen und zu politischen Innovationen stärken. (9. September 2009)

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Heiner Flassbeck: The unbearable lightness of financial markets

© Heiner Flassbeck
© Heiner Flassbeck

Ms. Sonia BOFFA is Associate Economic Affairs Officer at the United Nations Conference on Trade and Development.

Mr. Heiner FLASSBECK is the Director of the Division on Globalization and Development Strategies at the United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD). He is chairman of the UNCTAD Secretariat Task Force on Systemic Issues and Economic Cooperation, whose report was published on March 2009 entitled "The Global Economic Crisis: Systemic Failures and Multilateral Remedies". Der Artikel ist in der India Economy Review 2009 erschienen. 

Financial markets have a long history of speculative bubbles and crashes. From the 1622 currency bubble of the Holy Roman Empire, the Tulip mania in 1637 and the South Sea Bubble of 1720, through the Railway mania in 1840s, the Poseidon Bubble in 1970s and the dot-com bubble in 2000 up to the recent real state bubble, financial markets seems not to find a safe and calm haven but to create the basis for a new storm as soon as the last one has settled. Surprisingly, despite the previous and the present overshooting and undershooting of financial markets, the strong belief that markets "are getting the prices right" is only rarely as fundamentally questioned as one could have expected in the light of the shocks?

the Efficient Market Hypothesis (EMH), supposedly the most widely accepted theory in economics over the last five decades, is still seen as the cornerstone of the whole neoclassical macroeconomic edifice. The EMH claims that, in an efficient market, the prices of traded assets (e.g., bonds, currencies, stocks, or property) reflect all available information, and instantly change to reflect new information. In this manner, the markets always gets the prices right and assets are always traded at their “fair value”. In this theory, financial markets, even more than goods markets, allocate resources in an efficient way and regulation is unnecessary. 

In a different theoretical setting, however, the most important lesson of the recent global crisis is that financial markets hardly do "get the prices right". In this view, the information processing of financial markets results systematically in overshooting or undershooting and in misallocation of resources. As all market participants react in a more or less uniform manner to new information or "new shocks", the winding or unwinding of their exposure to risk takes place almost in unison.

This has never been better demonstrated than by the current crisis, where financial markets for very different types of assets and in all major countries were hit almost simultaneously. The financial shockwave submerged stock and bond markets in many countries, exchange rates of some emerging-market currencies and primary commodity markets all at the same time. The same strong correlation can be seen for the first quarter of 2009, with a nearly parallel increase among totally different assets that are traded on financial markets or on markets with a high degree of financialization. The extremely high correlation of the day-to-day price movements in so many different markets can only be explained by a common force like financial speculation, which moves all the prices in the same direction despite their different fundamentals. 

Take, for example, the currency market. High inflation countries are the main target for short-term capital flows because they usually offer high interest rates. In doing so, "investors" can gain large profits by carrying money from countries with low interest rates to those with high interest rates. At a macro level, this “carry trade” causes an appreciation of the recipient country currency despite its fundamental need to depreciate to stabilize trade flows. The long lasting real appreciation of high yielding currencies is a clear signal of the ability of speculative flows to drive prices in the “wrong direction”. 

On commodity markets financial "investors" have been very active since the early 1990s as a strategy to diversifying portfolios through exposure to commodities as a new asset class. When their involvement took on new proportions in the aftermath of the dot-com crash in 2000 and started a meteoric rise in early 2005 prices were clearly distorted. The parallel development of commodity prices and financial investment on commodity futures markets is a first indicator for the role of large-scale speculative activities in distorting commodity prices (UNCTAD, TFR 2009).

Among economists, however, scepticism prevails with regard to the link between speculation and commodity price development and this scepticism is based on the efficient market hypothesis (EMH). EMH believers still sustain that if speculators were driving market prices above fundamental levels, consumer will demand less than producer are supplying. The result would be visible inventories of speculators. As the evidence on inventories is inconclusive the traditional view declines the role of speculation. However, reality may be more complex than this simple model.

Speculation in commodity prices: Spot prices and future expectations

First, there is no doubt that the most basic form of speculation, hedging, can play a useful role in markets with volatile prices:

Thales was a poor philosopher from Miletus who forecasted the olive harvest would be exceptionally good the next autumn. Confident in his prediction, he made agreements with local olive-press owners to deposit his money with them to guarantee him exclusive use of their olive presses when the harvest was ready. Thales successfully negotiated low prices because the harvest was in the future and no one knew whether the harvest would be plentiful or poor and because the olive-press owners were willing to hedge against the possibility of a poor yield. When the harvest-time came, he let them out at any rate he pleased, and made a large quantity of money.

A futures contract of this kind is a standardized contract to buy or sell a specified asset at a certain date in the future, at a pre-determined price. In agricultural markets, risk averse farmers may sell their future harvest through such a contract in order to be sure about the price and avoid bad surprises at the time of the harvest. The farmer may indeed accept what seems to be a rather low price to hedge the risk of a much lower price later. In this sense, Thalesian futures market are driven by a reasonable kind of speculation, where a more risk adverse person is hedging its risk with a person that it is less risk adverse.

What happens when futures contracts are traded in purely financial markets without producers of the commodities being involved? Trading a futures contract of commodities, like trading stocks or currencies, implies the anticipation of the future price of the traded asset. The farmer after having planted its crop may have an idea of the future supply, its quality and the local demand for such a quality that allows him to estimate roughly the present value of his coming harvest. However, in a truly global market and long before the food stuff is planted, for example olives for the harvest in 2010, no one has a clear idea about the outcome in terms of the final price. 

The main difference between the thalesian futures market and the financial futures markets nowadays is the impossibility of an acquisition of reliable information in the latter about prices in the future. In fact, pricing in financial futures markets is no longer based on some knowledge of the concrete supply and demand but it is based on "more sophisticated” techniques and procedures. But even with these techniques like deep digging analysis of supply and scientific studies of future demand (like "The Chinese or Indian demand for oil or food”) the information is not more accurate; the state of objective uncertainty prevails. But another nexus may come into play: As the futures market normally is a highly active, very visible and centralized market, the farmer and the hedger may prefer to set their price according to the futures "markets view" instead of relying on their own judgment (especially when the forward price in that market is higher than the one the farmer had expected). Then the futures markets becomes a vital source for information about spot prices and may indeed force both, the producer and the hedger, to adjust accordingly. 

It is exactly in this way in which information, unrelated to the fundamentals of the concrete market drives many different financial prices into the same direction over remakably long time spans. The rumor about a recovery of the global economy is more important than any “fundamental” in driving the prices up or down. Then the futures markets dominate the price formation in the spot markets and not the other way around, as traditional theory suggests. Remains the question about final demand: what will consumers do to protect against the volatility of the financially determined prices? The simple answer is that in most cases they have no choice. They continue to satisfy their needs irrespective of the price and take the implied overall income effect that is implied by the price moves as good or bad luck respectively.

Overall, financial markets are not comparable to the ideal atomistic market of economics textbooks. In an atomistic market, each seller's and buyers size is too small relative to the market as a whole to influence prices. Moreover, each seller and each buyer in the ideal market comes with an independent set of information concerning his or her individual supply and demand. In financial markets, the uniformity of the available information provokes herding and highly-correlated movements in and across markets with the power of influencing the futures market and the future spot prices of all traded assets.

Herd behaviour and the irrelevance of fundamentals

The EMH claim that relevant new information induces the economic agents to update their expectations appropriately doesn’t solve the general information problem. Which kind of information is driving the expectations of market participants? Are expectations driven by individual needs, by individual preferences, or by individual strategic targets of companies? Obviously, none of them is relevant. Fundamentals like these are not important anymore in modern financial markets. The market participants in a financial market are much more concerned with guessing how certain "news" will influence the behaviour of other financial market participants and consequently with betting on an outcome that can be expected if many participants' expectations are influenced by the same piece of information. 

Keynes introduced in 1936 the example that investment strategies in such markets resemble a beauty contest; where guessing the result is mainly driven by trying to second guess which the prettiest woman for other observers is, instead of judging the true beauty of the ladies. In the same way, the “fundamental” value of a particular asset is less relevant for the guessing market participant than his expectations about the judgment of the other speculators. This phenomenon systematically encourages the emergence of price bubbles if the herds influenced by certain bits of information are large enough. If this is the case financial markets systematically "get the prices wrong" since betting on ever-rising prices appears to be a rather risk-free and high-return business for an extended period of time.

As long as the “madness of the crowds" prevails, the individual judgement on the fair value of an asset is useless. In this sense, financial markets have a lot in common with the historical Spanish tradition of encierros (running with the bulls): since you have to run in the same direction, the best strategy is to be far ahead and out in front of the bull and exit in the right moment. And this is exactly what each speculator tries to do: to move first because only moving first guarantees the biggest gains. But in doing so, "the unbearable lightness of financial markets" leads the whole economic system into an unsustainable situation. If farming were to be organized like the stock market, a farmer would sell his farm in the morning when it rains, only to buy it back in the afternoon when the sun comes out. 

In reality, the future equilibrium price is absolutely unknown. Financial investors even ignoring available information about fundamentals can guess the right price. Relying on what other market participants may believe and/or the prediction about others views on the average value of a share, a commodity or a currency is sufficient for temporary success. In such a framework, speculation destabilizes, instead of stabilizing, the prices of the targeted assets.

Policy conclusions

The events of recent months have revealed a huge misallocation of resources and a destruction of enormous values driven by financial markets. The policy lesson is simple: macroeconomic prices are too important to be left to the vagaries of these markets. However, if the failure has shattered the naïve belief that unfettered financial liberalisation and deliberate non-intervention of governments will not only maximize the benefit of some players but also the social benefit, the crisis offers an opportunity for a new start. Governments, supervisory bodies and international institutions have a vital role to play to allow the society at large to reap the potential benefits of a system of decentralized decision makers. Only consistent and forceful interventions by institutions with knowledge about systemic risk can transform a system of markets for goods, for services and finance into a functioning entity. The neoliberal laissez faire of the last twenty years has dramatically failed its final test.

Interventions in financial markets that are part of the global economy ask for cooperation and coordination of national institutions and for specialized institutions with a multilateral mandate to supervise national action. In midst of the crisis this is even more important than in normal times. The tendency of many governments to grant to financial markets the role of referee or judge over the success of policy adjustments has to be rejected energetically. For example, it is indispensible to stabilize exchange rates by direct and coordinated government intervention instead of letting the market find the bottom line and trying to “convince” financial markets about the credibility of the government of the depreciating currency through pro-cyclical policies like public expenditure cuts or interest rate hikes. 

In the same vain, the problem of newly issued government bonds at “penalty” rates that are demanded by the “markets” can be tackled. The paradox that the same market participants that have driven governments of many countries into a disastrous budgetary and current account situation ask for “risk premia” because they do not trust these governments any more and fear government default, has to be answered by the global community of governments in a strong and dedicated manner. Very rarely only the governments of the negatively affected countries are to be blamed alone for failure and governments of the unaffected countries very rarely are without any guilt. Hence, global solidarity and not a blame game is the imperative of the day. As Keynes once put it: “In the great events of man’s history, in the unwinding of the complex fates of nations, justice is not so simple.”

A global answer should follow the same principle: If everybody defaults nobody defaults. Only if some countries try to avail themselves of the opportunity to get cheaper credit at the expense of others, the “markets” have a choice and can demand a “risk premium” from the more vulnerable ones. If every country and every government acknowledges that the global crisis is foremost a systemic crisis, i. e., due to the failure of the global community to govern the globalized economy properly, the solution of a global bond that can be used by all countries at fixed exchange rates is less utopian than it sounds.

In the same spirit of cooperation all different sorts of speculative activities that have been responsible for the distortion in national and international price relations have to be tackled at the same time to avoid speculative arbitrage. The tragedy of the modern forms of speculation is their very short half-value period: the more people on the globe concentrate on the speculation in certain markets and the more effective they are, the quicker the results will be contradicted by economic reality because the real economic system can no longer bear the burden of largely distorted prices and exchange rates.

A coherent and effective approach can only be found at the international level and with the inclusion of as many countries as possible. A broad international agreement about the distortive effects of large scale speculation in different areas on trade and investment is absolutely crucial to create the framework for a globalization that has the potential to deliver rising living standards for all. However, the effects of the improvement in terms of material wealth have to be mitigated by a strategy to minimize the cost of higher living standards for the natural environment and the global climate to be sustainable.

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Homepage von Heiner Flassbeck

Weiterführende Informationen zu Finanzkrise und Währungsfragen

Neues Weltwährungssystem – UNCTAD Trade and Development Report 2009

Es gibt einige Vorschläge, den US-Dollar als bislang einzige globale Reservewährung durch einen Währungs¬¬korb zu ersetzen, wie es beispielsweise die Stiglitz-Kommission und Vertreter von China ins Gespräch brachten. Sogar die UNCTAD will den Dollar ablösen: im Jahresbericht 2009 „Trade and Develop¬ment Report“ fordert die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung eine radikale Generalüberholung des Welt¬währungssystems.  Die UNCTAD sieht die Krise nicht überwunden sondern sieht die Weltwirtschaft heuer um 2,5% schrumpfen und den weltweiten Handel sogar um 11% einbrechen. Für Heiner Flassbeck, den Chefökonomen der UNCTAD, sind die seit einiger Zeit wieder steigenden Aktienkurse eher eine Blase als eine wirtschaftliche Erholung. Der UNCTAD-Bericht macht deutlich, dass das aktuell gültige Finanzsystem mit dem Dollar als Weltreservewährung überprüft und neu geordnet werden müsse. Der Bericht analysiert die Ursachen der Krise und zeigt die Kanäle, durch welche sich die Krise auf Entwicklungsländer auswirkt: Finanzflüsse, internationaler Handel und Rohstoffpreise, Rücküberweisungen von MigrantInnen und Verschuldung.
Neue Weltwährung gefordert: Nun will auch die UNO den Dollar ablösen, Brigitte Haman, 11.9.09

Hinweis: Heiner Flassbeck ist keynote speaker bei der Veranstaltung von vidc und ÖFSE am 11./12. November 2009 in Wien.

Der UNCTAD-Chefökonom Heiner Flassbeck nahm Stellung zum gescheiterten UN-Gipfel zur Krise der Weltwirtschaft und sprach sich für die Lenkung und Beschränkung des Kapitalverkehrs aus, was auch UNCTAD-Position ist. Er  trat gegen Spekulationen mit Währungen, Rohstoffen und Nahrungsmitteln auf, aber auch Private Equity-Fonds müssten geschlossen werden. Im Interview sprach Flassbeck zu Währungs¬fragen, Weltfinanzbehörde, Bankenrettung und zum österreichischen Bankgeheimnis. „Kein Wettkampf der Nationen“: Interview mit Karin Küblböck und Christian Felber in “Die Furche” Nr. 27 vom 2.7.2009

UNCTAD-Bericht zu LDC (least developed countries): The State and Development Governance 

Die LCDs (laut UN-Einteilung die am wenigsten entwickelten Länder gemessen u.a. am Pro-Kopf-Einkommen, 35 der 49 LDCs sind in Afrika) sind von der derzeitigen globalen Wirtschaftskrise am stärksten betroffen. Agraische Export-Subventionen der Industrieländer sind weiterhin ein Hindernis für die landwirtschaftliche Entwicklung in LDCs, so der Bericht der UNCTAD. Die LDCs brauchen ausreichend politischen Spielraum um ihre Industriepolitik zu realisieren. Eine besondere Herausforderung wird die Mobilisierung von den dringend benötigten Finanzmitteln darstellen. Die reichen Ländern haben nicht nur die moralische Verpflichtung den LDCs in dieser Krise zu helfen, sondern auch im gegenseitigen Interesse, denn sonst ist eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit zu befürchten. Es wäre ein Fehler, wenn LDCs ihre Steuern reduzierten, vielmehr sollten sie ihre Kapazitäten aufbauen, um einheimische Finanzmittel aufzubringen. LDCs sollten der Landwirtschaft mehr Bedeutung beimessen. Die Finanzkrise zeigte die strukturelle Schwäche der LDC-Ökonomien und den Mythos des sich selbst regulierenden Marktes. LDCs brauchen einen neuen Entwicklungsweg, in dem der Staat eine größere Rolle spielt, so der im Juli 2009 veröffentlichte neue Bericht zu den LDCs von der UN Conference on Trade and Development (UNCTAD). Ein „business as usual“ sei nicht länger möglich. Weder der Weg von "guter Regierungsführung", die mehrere LDCs durchgeführt haben, noch der Weg des „old developmental state“ wie ihn die erfolg¬reichen ostasiatischen Länder gegangen sind, sind die passenden Modelle. Es gibt nicht das einzige und optimale Entwicklungsmodell, das für alle Länder gilt. Vielmehr müssen neue Formen der Entwicklung gefunden werden, die für das 21. Jahrhundert tauglich sind. Dazu braucht es eine neue Balance von Staat und Markt.

UNCTAD-Bericht
Third World Network Info vom 23.7.09 (Malysia) 

IWF: World Economic Outlook Update

Die globale Wirtschaft beginnt sich aus der großen Rezession herauszuziehen, doch eine Stabilisierung ist uneinheitlich und ein Aufschwung geht nur sehr langsam voran.World Economic Outlook Update vom 8. Juli 2009

Weltbank: Global Development Finance 2009. Charting a Global Recovery  

Der im Juni vorgelegte Weltbankbericht über globale Entwicklungsfinanzierung beschreibt die Lage in drastischen Bildern. Die Entwicklungsländer leiden nicht nur unter dem Zusammenbruch der globalen Finan¬zierungsströme, sondern auch unter jenen Maßnahmen, mit deren Hilfe die Industrieländer ihre Finanz¬institute zu retten suchen. Jörg Goldberg, Private Entwicklungsfinanzierung im Krisentief, im Infor¬mationsbrief Weltwirtschaft und Entwicklung.

Für das laufende Jahr rechnet die Weltbank mit Netto-Kapitalzuflüssen in Entwicklungsländer von nur noch 363 Milliarden Dollar – nach 1,2 Billionen im Jahr 2007 und 707 Milliarden im Jahr 2008. Die Wirtschaft in den Ländern des Südens werde 2009 nur noch um 1,2 Prozent wachsen, so der Weltbank-Bericht.

UNO muss wegen ausbleibenden Zahlungen Hungerhilfen kürzen 

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat angesichts ausbleibender Hilfszahlungen und gleichzeitig steigender Lebensmittelpreise in Entwicklungsländer Alarm geschlagen. Die Staaten¬gemeinschaft habe für 2009 lediglich 3,7 Milliarden Dollar versprochen, weniger als die Hälfte des eigentlich benötigten Budgets, um den am stärksten unter Hunger leidenden Menschen zu helfen. Von den versprochenen Geldern seien nur 1,8 Milliarden Dollar eingetroffen. Derzeit hungern nach UN-Angaben  mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt, vor zwei Jahren waren es 860 Millionen. 

Wie die Wirtschafts- und Finanzkrise in den Süden transferiert wird

Die globale Krise hat die Entwicklungs- und Schwellenländer mit voller Wucht erfasst. Vereinte Nationen, Weltbank und IWF korrigieren ihre Wirtschaftsprognosen für Afrika, Asien und Lateinamerika nahezu im Monatstakt nach unten. Jens Martens zeigt, durch welche Mechanismen die Krise im Süden ankommt. Der Geschäftsführer des Global Policy Forum Europe geht im Artikel auf sinkende Rohstoffpreise (sinkende Staatseinnahmen) ein, gibt keine Entwarnung in der Nahrungsmittelkrise, zeigt den Rückgang der Export¬nach¬frage, den Abzug von Privatkapital und sinkende Rücküberweisungen und ist besorgt über die neue Ver-schuldungs¬spirale.  Er zeigt, dass Entwicklungshilfe unter Druck gerät und dass die Rettungsschirme des Nordens die Ungleichheit verschärfen. 

Informationsbrief Weltwirtschaft & Entwicklung, Hintergrund Juni 2009

In need of coherence: European development policies and the global economic crisis

Can Akdeniz, der Programm-Koordinator von EADI, stellt verschiedene Szenarien dar, wie die EU-Entwick¬lungs¬¬politik mit der globalen Krise umgehen kann. EADI-Opinion Nr. 4 vom Mai 2009

Welt-Sichten, das Magazin für globale Entwicklung und Ökumenische Zusammenarbeit, hatte im Heft Nr. 7/09 den Schwerpunkt zum Thema Finanzordnung. Heribert Dieter schreibt zu Risiken der Weltwährungs¬ordnung und des freien Kapitalverkehrs und Stephan Hessler zur Krise, die zeigt, dass ein grundlegender Umbau der Weltfinanzarchitektur nötig ist, damit Regierungen und Bürger nicht selbst zur spekulativen Handelsware verkommen.

Gibt es eine gute Nachricht für die Entwicklungsländer trotz der Krise? 

Aid-for-Trade-Experten sind sich einig, die Antwort ist "ja". Eine Umfrage von der OECD und der WTO zeigt, dass die Aid-for-Trade-Initiative ein Erfolg ist. Seit ihrer Gründung im Jahr 2005, haben die Entwicklungsländer eine höhere Priorität für den Handel in ihren Entwicklungsstrategien. DAC-Newsletter der OECD vom Juni 2009.

Weltbank/UNAIDS: Global Economic Crisis and HIV Prevention and Treatment Programms: Vulnerabilities and Impact. Der neue Bericht analysiert den Einfluss der globalen Krise auf HIV-AIDS-Prävention und auf die Behandlungsprogramme weltweit. Der Bericht stützt sich auf im März 2009 gesammelten Daten aus 71 Ländern.  

The global financial crisis and remittances. What past evidence suggests

Im ODI Working Paper von M. Cali und S. Dell’Era vom Juni 2009  werden die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Rücküberweisungen der MigrantInnen an ihre Heimatländer untersucht: Rücküberweisungen in Entwick¬lungs¬länder können sich um 25 bis 67 Milliarden Dollar 2009 verringern. Die am meisten betroff¬enen Regionen sind Lateinamerika, Karibik, Ostasien und die Pazifikregion.

Joseph E. Stiglitz: Wie eine Bankensanierung funktionieren kann

Wie Wirtschaftsnobelpreisträger J. E. Stiglitz begründet, bietet allein eine vorübergehende oder dauerhafte Verstaatlichung einzelner Banken die Gewähr, dass die Lasten der Krise nicht allein der öffentlichen Hand und damit den Steuerzahlern aufgebürdet werden. Le monde diplomatique

Tackling the financial and economic crisis
OECD updates the website with commentary, analysis and statistics on the crisis we are facing: Updated Website

     G20-Gipfel in Pittsburgh  24./25. September 2009

“Wir bestimmten die G20 zum obersten Forum unserer internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit“, so heißt es im Abschlusskommuniqué von Pittsburgh. Die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellen¬¬länder tritt als zentrales Steuerungszentrum ökonomischer Global Governance an die Stelle der G8. Damit beginnt eine neue Phase in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Doch 85% der Staaten bleiben ausge¬schlossen. In der zentralen Frage, wie mehr Liquidität für die Länder des Südens für die Bewältigung der Krisen¬folgen aufgebracht werden kann, gab es keinen Millimeter Fortschritt. Selten waren die Erwartungen an einen Gipfel so niedrig. Dabei ist der globale Regulierungs- und Finanzierungsbedarf nach wie vor riesig. Rainer Falk und Barbara Unmüßig, Regulierung und Finanzierung auf dem G20-Gipfel, 22.9.09; Rainer Falk: Die Selbst¬inthronisierung der G20 in Pittsbergh, 29.9.09 

Was Pittsburgh a success or a failure? fragt sich Kurt Bayer auf seiner Homepage (28.9.09) mit vielen anderen aktuellen Artikeln zur Finanzkrise und globalen Wirtschaftspolitik.

Der Pittsburgh-Gipfel – Was brachte er für die Entwicklungsländer? untersuchte Dr. Peter Wolff vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Die G20 haben sich als DAS Forum der globalen Wirtschaftskooperation etabliert. Industrieländer geben beim IWF 5% und bei der Weltbank 3% ihrer Stimmrechte an aufstrebende Entwicklungsländer ab, doch ändert dies wenig an den grundlegenden Machtverhältnissen. 

ATTAC bloggte von den G20-Protesten in Pittsburgh.

     Weltbank- und IWF-Jahrestagung im Oktober in Istanbul

IWF und Weltbank räumten ein, dass 14 Entwicklungsländer ein hohes Risiko von erneuter Überschuldung auf¬weisen, 22 weitere Länder sind spürbar gefährdet. Erlassjahr.de, ein Bündnis aus 850 deutschen Träger¬organisationen für gerechte Finanzbeziehungen zwischen Norden und Süden, fordert ein Insolvenz¬verfahren für Staaten, welches Schulden schnell und unparteiisch auf ein erträgliches Maß reduziert.

     Finanzkrise und MDGs (Millenniumsentwicklungsziele) Millennium Development Goals Task Force Report 2009

Der UN-Bericht „Strengthening the Global Partnership for Development in a Time of Crisis“ zeigt, dass die jüngsten Erfolge in der Bekämpfung von Hunger und Armut durch die Wirtschafts- und Nahrungsmittelkrise bedroht sind. Der UN-Generalsekretär fordert reiche und arme Länder auf, ihre Anstrengungen zu erhöhen, um die Zusagen an Hilfe zu erfüllen. Die Entwicklungsländer stehen einer dreifachen Krise (Wirtschaft, Nahrungsmittelpreise, Klimawandel) gegenüber. 

Die MDGs sind vor allem in Afrika nicht auf Schiene. Die UN-MDG-Kampagne berechnet, dass die gesamte Hilfe der letzten 49 Jahre nur 11% der Geldmittel ausmachte, die innerhalb eines Jahres in Finanz¬institutionen gingen.

Buchtipp: Walter Otto Ötsch: Mythos MARKT

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise ist auch die Krise einer Denkweise: des Glaubens an DEN freien und ungehinderten MARKT, der sich selbst steuern und „effiziente“ Resultate zum Wohle aller hervorbringen würde. Dieser Glaube war die Grundüberzeugung von Eliten in Wirtschaft und Politik. Er wurde von den meisten ÖkonomInnen aktiv getragen und vor allem durch die Lehrbücher der Mikroökonomie weltweit propagiert. Aber ihr Konzept von DEM MARKT ist ein Propaganda-Begriff,  trotz seiner wissenschaftlichen Formulierung, und kann als solcher exakt analysiert werden. Herr Ötsch zeigt, dass das Konzept DES MARKTES ein Mythos ist, weil er auf unzulässigen Kategorien beruht, dass die wichtigste Theorie DES MARKTES (die allgemeine Gleichgewichtstheorie) wissenschaftlich wertlos ist, und welche Auswirkungen das Reden von DEM globalen MARKT im politischen Diskurs gehabt hat (und immer noch hat).

Autor: Walter Otto Ötsch ist Ökonom und Kulturhistoriker an der Johannes Kepler Universität Linz und leitet dort das Zentrum für Soziale und Interkulturelle Kompetenz. Er ist auch Leiter des neu eingerichteten „Instituts für die Gesamtanalyse der Wirtschaft “, eine Forschungseinrichtung für eine kritische Ökonomie.

Buch: Mythos Markt. Marktradikale Propaganda und ökonomische Theorie. 449 Seiten; ISBN 978-3-89518-751-3; Metropolis Verlag Marburg 2009.