Zeit und Ort

Mittwoch, 29. Oktober 2014, 19:00 - 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie, Festsaal, Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Jean-Pierre Mbelu
Politologe und Priester, DR Kongo/Belgien

Emmanuel Mbolela
Aktivist, Buchautor, Flüchtling, DR Kongo/Niederlande

Moderation
Claudine Mamona Cullin
Trainerin, Dolmetscherin, Kongo Aktivistin

Eröffnung: Franz Schmidjell, VIDC

Veranstaltungsprachen: Französisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: schmidjell@remove-this.vidc.org

Kongo: Krieg und Frieden

© iStock
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Hintergrund

„Alle Völker verfügen frei über ihre Reichtümer und Bodenschätze. Dieses Recht soll ausschließlich im Interesse der Bevölkerung ausgeübt werden. In keinem Fall darf ein Volk dieses Rechtes beraubt werden.“  Afrikanische Charta der Menschenrechte und der Rechte der Völker, Artikel 21, Nairobi, Juni 1981

Nach zwei Jahrzehnten kriegerischer Auseinandersetzungen besteht für den rohstoffreichen Osten der Demokratischen Republik Kongo wieder einmal Hoffnung auf Frieden. Ende 2013 kam zu einem Friedensplan mit der - laut vielen ExpertInnen von Ruanda unterstützten - Rebellengruppe Bewegung 23. März (M23). Die Hutu nahe FDLR (Forces Démocratiques de Libération du Rwanda) kündigte an, die Waffen niederzulegen. Auch andere Rebellengruppen gerieten durch das Vorgehen der UN-Truppen und der Armee in die Defensive. 

Die Ursache des ersten Kongo-Krieges (1996 – 1997) steht in engem Zusammenhang mit dem Völkermord in Ruanda 1994. Beim Krieg von 1998 bis 2003 waren neben dem Kongo auch Truppen aus Rwanda, Uganda, Namibia, Angola, Burundi, Simbabwe, Tschad und Sudan involviert („Afrikanischer Weltkrieg“). Eine zweite Kriegsursache lag und liegt im Rohstoffreichtum des Kongo. Mit den Einnahmen aus Coltan, Kupfer, Gold und Diamantenhandel wurden und werden die Rebellenarmeen und private Milizen finanziert. Der Konflikt konnte auch durch das Friedensabkommen 2003 und die Wahlen 2006 nicht gelöst werden. Der Dritte Kongokrieg von 2006 bis 2009 betraf vor allem die Provinz Nord-Kivu. Im Jänner 2009 kam es zum Waffenstillstand. Die Rebellen wurden in die Regierungsarmee integriert. Zwei Jahre später desertierten zahlreiche Offiziere und gründeten die M23.

Besteht nach drei Kriegen und mehreren Millionen Toten die Chance auf einen dauerhaften Frieden? Kann der Reichtum des Landes zum Wohle der Menschen genutzt werden? Wie können Justizwesen und Sicherheitskräfte reformiert werden, damit die Straflosigkeit bei Menschenrechtsverletzungen beendet wird? Welche Rolle spiele die kongolesische Diaspora?

Podium

Jean-Pierre Mbelu

ist Politologe und Priester der Erzdiözese Kananga, Kasai Occidental,  Demokratische Republik Kongo. Er lehrte am Priesterseminar in Kabwe, Kasai Occidental. Jean-Pierre Mbelu hat Philosophie an der katholischen Universität in Kinshasa studiert und ist Absolvent der Universität Louvain-La-Neuve, Belgien. Er ist Mitglied der sozialpolitisch engagierten „Groupe Epiphanie“, einer Gruppe von kongolesischen Theologen in Belgien. Jean-Pierre Mbelu betreut derzeit eine Pfarre in Nivelles, Belgien.


Emmanuel Mbolela

hat in Mbuji Mayi studiert und musste 2003 aus politischen Gründen nach Brazzaville flüchten. Aus dem kurzfristigen Exil wurde eine fünfjährige Odyssee quer durch Afrika bis nach Marokko und Europa. Seit 2008 lebt er in den Niederlanden. 2014 erschien im Mandelbaum Verlag sein Buch: „Mein Weg vom Kongo nach Europa: Zwischen Widerstand, Flucht und Exil“. Im Vorwort schrieb Jean Ziegler: „Emmanuel Mbolelas Buch ist deshalb so beeindruckend, weil es nicht nur ein Buch der mutigen, detailgenauen Brandmarkung ist, sondern auch ein Buch der unausrottbaren Hoffnung. Ein Buch des Widerstandes, des Aufstandes und des Gewissens.“


Claudine Mamona Cullin

hat ein Studium in Afrikanistik, Französisch und Politikwissenschaft an der Universität Pantheon-Sorbonne, Sorbonne-nouvelle und INALCO (Institut des Langues et Civilisations Orientales) in Paris absolviert. Sie arbeitet als Trainerin im Interkulturellen Bereich, Dolmetscherin und Moderatorin. Sie spricht unter anderem Lingala und ist eine engagierte Aktivistin im Kampf für Demokratie und Gerechtigkeit in der Demokratische Republik Kongo. Seit 20 Jahren ist sie in der Kongolesischen Diaspora tätig. Claudine Momona Cullin pendelt zwischen Wien, Paris und Brüssel.

Kooperationen

Unterlagen zur Veranstaltung