Zeit und Ort

Mittwoch, 9. Oktober, 19.00 Uhr
Diplomatische Akademie
Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Eröffnungsvortrag „Salam Orient“ und Diskussion:
Ousmane Kane
Harvard Divinity School, USA, Senegal

Moderation:
Marie Roger Biloa
Herausgeberin Africa International,  Paris

Begrüßung und Einleitung:
Norbert Ehrlich, Salam Orient
Franz Schmidjell, VIDC Wiener Institut

Ousmane Kane: Politischer Islam in Afrika

Hintergrund

In Senegal, Mali und Gambia beträgt der Anteil der MuslimInnen über 90%, in Guinea Conakry sind es rund 85%. In Guinea Bissau, Burkina Faso und Sierra Leone ist die Bevölkerung zu 50 bis 60% muslimisch. Nigeria hat rund 50 % bekennende MuslimInnen, während in anderen Ländern an der Südküste Westafrikas dieser Anteil zwischen 10 und 20% liegt.

  

Heute prägen Al Quaida im Islamischen Maghreb (AQIM, Algerien, Mali), Boko Haram (Nigeria) oder Ansar Dine (Mali) die mediale und öffentliche Wahrnehmung des Islam in Westafrika. Aus Angst vor dem Vormarsch der jihadistischen Gruppen in Mali schickte die ehemalige Kolonialmacht Frankreich eine Interventionsarmee. So spektakulär das Auftauchen der radikalen IslamistInnen auch ist, die überwältigende Mehrheit der rund 150 Millionen MuslimInnen in Westafrika als auch deren geistliche Führer haben mit den Gewaltexzessen nichts gemein. „Wir sind bereits seit Jahrhunderten Moslems, wir brauchen deren Scharia nicht“, antwortete der populäre Prediger Ousmane Madani Haidara in Mali auf die Herausforderung der Salafisten.

 

Wie sieht das vielfältige und meist friedvolle Verhältnis zwischen dem säkular-demokratischen Staat und islamischen Bewegungen aus? Ist der politische Islam in Westafrika ein neues Phänomen oder bestand dieser bereits im kolonialen Afrika? Drittens stellt sich die Frage, inwieweit die westlichen Interventionen zur Befriedung oder zur Radikalisierung beigetragen haben? Viertens: Welche sozio-ökonomische Faktoren spielen den radikalen IslamistInnen in die Hände?  

 

ReferentInnen

 Ousmane Kane ist Professor für zeitgenössische islamische Studien und islamische Politik. Er lehrt seit 2012 an der Harvard Divinity School in Boston, USA, wo er den Prince Alwaleed Bin Talal Lehrstuhl für moderne islamische Religion und Gesellschaft inne hat. Zuvor hat er an der Columbia University School of International and Public Affairs sowie an der Universität von St. Louis (Senegal) Politikwissenschaften unterrichtet. Seine Forschungsgebiete sind unter anderem die Geschichte der islamischen Organisationen, die intellektuelle Geschichte des Islams in Afrika und das Phänomen der moslemischen Globalisierung. Ousmane Kane ist Mitglied der African Studies Association of North America und dem Council for the Development of Social and Economic Research in Africa.

 

Veröffentlichungen:
• Homeland Is the Arena: Religion, Transnationalism and the Integration of Senegalese Immigrants in America (Oxford University Press, 2010)
• Muslim Modernity in Postcolonial Nigeria (Brill, 2003) and
• Timbuktu and Beyond: Rethinking African Intellectual History, Havard University Press (voraussichtlich 2013)
• Weitere Artikeln in: Harvard International Review, Politique étrangère, Afrique contemporaine, African Journal of International Affairs

 

Marie-Roger Biloa ist Herausgeberin des in Paris erscheinenden politischen Magazins „Africa International“ und CEO der Africa International Media Group. Sie wurde in Kamerun geboren und ist Journalistin. Sie hat in Kamerun und in Gabun erfolgreich zwei Magazine gegründet. Marie Roger-Biloa ist Präsidentin des „Club Millenium“ in Paris, ein Afrika Think Tank und Netzwerk-Zentrum für Führungspersonen. Sie ist regelmäßig in TV Diskussionen in Europa und Afrika zu Gast.

 

 

 

Unterlagen zur Veranstaltung

Kurzbericht

Diskussion

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Weitere Veranstaltungen zum Thema

Boko Haram, 11. Juni 2014, AAI Wien