Zeit und Ort

Freitag, 5. Oktober 2012, 14:00 - 15:30 Uhr
Diplomatische Akademie Wien Festsaal
Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Podiumsdiskussion des VIDC im Rahmen der Konferenz "Gemeinsam gegen Menschenhandel" der Task Force Menschenhandel (10 bis 19 Uhr) anlässlich des Tages der Europäischen Union zur Bekämpfung des Menschenhandels.

Ass.-Prof. Dr. Athanassia Sykiotou: Cyber Trafficking

Yulia Zabyelina: Mail-order Brides

Moderation: Sybille Hamann

Einleitung: Nadja Schuster, Alexandra Toth, VIDC - Wiener Institut

Anmeldung/ Registration:
Mr. Wael Ramadan: Tel.: +43 (0) 501150-3917, E-mail
Ms. Barbara Salcher: Tel.: +43 (1) 585332210, E-mail

VIDC Program in English

Einladung/ Programm der Task Force Menschenhandel

Hintergrundpaper zur VIDC Podiumsdiskussion

Cyber Trafficking and Mail-order Brides

© cybercrime
© cybercrime


Hintergrund

Menschenhandel ist eine besonders schwere und global verbreitete Menschenrechtsverletzung, von der vor allem Frauen, junge Mädchen und Kinder betroffen sind. Oft werden diese für sexuelle Zwecke ausgebeutet, während männliche Opfer für die Zwangsarbeit gehandelt werden.

Durch die Herausbildung neuer Kommunikations- und Informationstechnologien im Zuge der technologischen Revolution, sind neue Möglichkeiten für MenschenhändlerInnen entstanden um Opfer zu rekrutieren, anzubieten und auszubeuten. Chat-rooms, Online Job Börsen, Modellagenturen, Escort Service Firmen und auch soziale Netzwerke werden von HändlerInnen genutzt, um Frauen, Mädchen und Männer für bestimmte Ausbeutungszwecke zu rekrutieren. Dies geschieht sehr schnell, fast anonym, kostengünstig und frei von gesetzlichen Regulierungen. Neben der Rekrutierung kommt es im Internet auch zum Handel mit pornographischen Videos, „Sex-Tapes“ und sexistischem Bildmaterial, für deren Herstellung oft Opfer von Menschenhandel benutzt werden.
Das Internet ist demnach ein lukrativer Ort für MenschenhändlerInnen und jene, die in die Sexindustrie involviert sind, denn Rekrutierung und Verkauf geschieht vordergründig zum Zweck der sexuellen Ausbeutung.

Gleichzeitig zeigen sich in der Mail-order Bride Industrie Verbindungen zu Menschenhandel und Formen der sexuellen Ausbeutung von Frauen und Mädchen. Heiratsagenturen bieten Informationen über die Bräute im Internet an und stellen direkten Kontakt zwischen Braut und Kunden her. Viele der Mail-order Bride Webseiten enthalten sexualisierte Darstellungen der potenziellen Ehepartnerinnen. Zudem können Webverlinkungen zu Internetseiten mit pornographischem oder rassistischem Inhalt festgestellt werden. Es gibt keine Daten über die Verbindung zwischen Menschenhandel und der Mail-order Bride Industrie, ExpertInnen und ForscherInnen vermuten aber, dass eine gewisse Anzahl der Mail-order Brides gehandelt wird und unter sexueller Ausbeutung und/oder Arbeitsausbeutung leidet.

Das VIDC- Wiener Institut ist im Bereich Menschenhandel besonders an den Ursachen, der Entwicklung von geeigneten Präventions- und Sensibilisierungsmaßnahmen und an der Erforschung von neuen Trends und Entwicklungen wie Cyber Trafficking  interessiert.

Podium

Athanassia Sykiotou

Athanassia Sykiotou ist Assistenzprofessorin im Fach Kriminologie an der Universität Thrace (GR) und internationale Konsulentin für diverse UN Organisationen sowie für den Europarat. Sie ist Rechtsanwältin am Obersten Gerichtshof und seit 2002 unabhängige Expertin des Hellenischen Ministeriums für Justiz sowie Mitglied des zentralen wissenschaftlichen Gefängnisrates. Frau Sykiotou hat verschiedene Forschungen zu Menschenhandel und Cyber Crime durchgeführt und mehrere Artikel und Bücher dazu veröffentlicht. Neben dem Menschenhandel beschäftigt sie sich mit den Forschungsbereichen Verbrechensbekämpfung, Strafrechtspflege und Gerechtigkeit für Kinder im Justizsystem.

Ausgewählte Publikationen zu Menschenhandel und Cyber Crime:
The Misuse of the Internet for the Recruitment of Victims of Trafficking in Human Beings, Publ. Council of Europe, Oct. 2007.
The Impact of Internet on THB, prepared for UN.GIFT, for the 12th UN World Congress on Crime Prevention in Salvador, 2010.
The European Convention against Trafficking of Human Beings in Relation to the Case-law of the European Court for Human Rights on Art.4 of the ECHR and the Case-law of the International Criminal Tribunal for the Former Yugoslavia on Enslavement, in M. Kranidiotis, (Edit.), Volume in honor of Prof. Aglaia Tsitsoura, Sakkoulas Publs., 2009, pp.103-140.

Yulia Zabyelina

Yuliya Zabyelina unterrichtet ab Oktober 2012 an der Masaryk Universität (CZ). Zu diesem Zeitpunkt verfügt sie über ein Doktoratsdiplom von der School of International Studies an der Universität Trient (IT). In ihrer Disseration hat sie sich mit “Security Challenges and Challengers: State Vulnerability and Transnational Crime” auseinandergesetzt. 2012 war sie als Gaststudentin an dem John Clay College of Criminal Justice in New York und 2010 an der George Mason University in Washington D.C. Frau Zabyelina ist Mitglied des Redaktionsausschusses des European Journal of International and Security Studies (CEJISS) und Mitglied der International Political Science Association (IPSA).

Neben diversen Artikeln zu transnationaler Kriminalität, hat sie folgende Monografie publiziert:
Mail-order Brides: Content Analysis of Eastern European Marriage Agencies. VDM Verlag Dr. Muller Aktiengesellschaft & Co. KG, 2010.

Sibylle Hamann

Sibylle Hamann ist Autorin, Moderatorin und unabhängige Journalistin. Sie schreibt wöchentliche Kolumnen für die Zeitung “Die Presse”. Ihre Artikel werden auch in der Wochenzeitschrift „Falter“ und im Magazin „Emma“ veröffentlicht. Sie ist Chefredakteurin von „Liga. Zeitschrift für Menschenrechte“ und Lektorin am Journalismuslehrgang der Fachhochschule Wien.

Ihre letzten Publikationen:
Saubere Dienste. Ein Report. Residenz Verlag, 2012.
Weißbuch Frauen/Schwarzbuch Männer. Warum wir einen neuen Geschlechtervertrag brauchen. Deuticke Verlag, 2009 (together with Eva Linsinger).

Kooperationen