Zeit und Ort

Montag, 21. Oktober 2013, 13:00 - 15:00 Uhr
Diplomatische Akademie Wien, Festsaal,
Favoritenstrasse 15a, 1040 Wien

Programm

Podiumsdiskussion des VIDC im Rahmen der Konferenz "Gemeinsam gegen Menschenhandel" der Task Force Menschenhandel (10 bis 19 Uhr) anlässlich des Tages der Europäischen Union zur Bekämpfung des Menschenhandels.

Einleitende Worte: Mag. Nadja Schuster, MA, Gender Referentin, VIDC

Joanna Garnier, Gründungsmitglied und Vizepräsidentin, La Strada Foundation against Trafficking in Persons and Slavery, Polen

Dr. Andrea di Nicola, Assistenzprofessor für Kriminologie und Koordinator von eCrime, Rechtsfakultät, Universität Trient, Italien

Esta Steyn, BA, Direktorin und Koordinatorin, Stop the Traffik Niederlande

Moderation: Irene Brickner, Autorin und Redakteurin bei Der Standard

Konzept: Mag. Nadja Schuster und Mag. Kathrin Pauschenwein

Anmeldung für die Konferenz

Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten: Clemens Kreith, MA, Tel.: +43 (0) 501150-3917, E-Mail; oder IOM Wien (Internationale Organisation für Migration): Mag. Barbara Salcher, Tel.: +43 (1) 585332210, E-Mail
Getrennte Anmeldung für MedienvertreterInnen: Presseabteilung:Tel.: +43 (0) 501150-3320, E-Mail

Programm of Conference in German/English

Program of the Panel "Stop the Traffick" in English

Stop the Traffik: Die Rolle der Kunden und Zivilgesellschaft bei der Bekämpfung sexueller Ausbeutung

© Stop the Traffik
© Stop the Traffik


Hintergrund

Nach den jüngsten Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation vom Juni 2012 belief sich im Zeitraum 2002 - 2011 die Zahl der Opfer von Zwangsarbeit, einschließlich erzwungener sexueller Ausbeutung, weltweit auf 20,9 Millionen. Der Großteil der Opfer stammt aus Rumänien, Bulgarien, Polen und Ungarn.

Woher kommt die Nachfrage nach billiger, ungeregelter und flexibler Arbeitskraft? Gibt es eine Nachfrage sexueller Dienstleistungen speziell  von gehandelten Frauen? Worin besteht die eigentliche Nachfrage: nach ‚exotischen, sexuellen Dienstleistungen‘ (Di Nicola u.a. 2009) oder nach niedrigen Preisen und der Möglichkeit Frauen mit geringem sozialen Status auszubeuten, die ihre Rechte nicht durchsetzen können (O’Connel Davidson, Anderson 2003)? In welchem Ausmaß sind die Konsumenten sexueller Dienstleistungen gewalttätig, verlangen unkonventionelle Sexualpraktiken und misshandeln Sexarbeiterinnen? Im Hinblick auf die vier verschiedenen Modelle zur Regelung von Prostitution (Abolitionismus, Neuer Abolitionismus, Prohibitionismus, Regulationismus): welches Modell würde eher die Nachfrage nach rechtlosen Sexarbeiter_innen reduzieren? Inwiefern besteht ein Zusammenhang zwischen Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung und Rassismus, Diskriminierung, Ausbeutung von (undokumentierten) Migrant_innen?

Die Identifizierung der Nachfrage nach Zwangsprostitution per se ist eine sehr schwierige Aufgabe und bedarf weiterer Forschung. Joy Ngozi Ezeilo (UN Special Rapporteur on trafficking in persons, especially women and children) beschreibt die Nachfrage folgendermaßen: “the desire for labour that is exploitative or services which breach the human rights of the person delivering those services...demand must be understood expansively, as any act that fosters any form of exploitation that, in turn, leads to trafficking”.

Die drei Podiumsteilnehmer_innen vertreten die Sichtweisen von unterschiedlichen Akteur_innen im Bereich des Menschenhandels: 1) Opfer, 2) Individuen, Zivilgesellschaft, Privatsektor, 3) Kunden von sexuellen Dienstleistungen. Am Podium werden folgende Fragen diskutiert: Wie kann die Nachfrage nach Zwangsprostitution eingedämmt werden? Welche Maßnahmen können die verschiedenen Akteur_innen ergreifen?

Podium

Joanna Garnier

Sie ist Gründungsmitglied und Vizepräsidentin der La Strada Foundation against Trafficking in Persons and Slavery - Polen, einer führenden Organisation im Bereich der Bekämpfung von Menschenhandel in Europa mit 18-jähriger Erfahrung. Die Kernaufgaben von La Strada sind Rechtsschutz und verbesserter Zugang zur Justiz für Opfer, soziale Dienste und Bewusstseinsbildung für die Öffentlichkeit, Strafverfolgungsbehörden und Dienstleistungsbetriebe. Zuvor hat Frau Garnier polnische Literatur und Sprache an Schulen unterrichtet. Als Sozialarbeitsexpertin war sie maßgeblich an der Entwicklung von Kampagnen zur Prävention von Menschenhandel beteiligt und hat eine Reihe von Projekten zur (Aus)bildung von benachteiligten Gesellschaftsgruppen geleitet. Sie ist Co-Autorin des Traininghandbuchs für Lehrer_innen "Human Rights and Trafficking in Women and Young People in Europe”. 2012 war Frau Garnier als Direktorin des Internationalen Filmfestivals zu Menschenhandel in Warschau tätig. Derzeit arbeitet sie an einer Kampagne für verbesserte Sicherheitsmaßnahmen für minderjährige Modells.

Andrea di Nicola

Herr di Nicola ist Assistenzprofessor für Kriminologie und Koordinator von eCrime an der Rechtsfakultät der Universität Trient in Italien. Seit 15 Jahren beschäftigt er sich mit Wirtschaftskriminalität und organisiertem Verbrechen, Menschenhandel und Menschenschmuggel, urbaner Sicherheit, Umweltkriminologie und mit der Schnittstelle Kriminalität und Internet. Herr Dr. Di Nicola hat diverse Artikel und Bücher zum Thema Menschenhandel publiziert und mehrere EU Forschungsprojekte koordiniert. Eines davon war eine Pilotstudie für die Europäische Kommission in vier EU-Mitglieds- und Kandidatenländern zur Nachfrageseite von Zwangsprostitution, dessen Ergebnisse er, gemeinsam mit anderen Forschern, in dem Buch “Prostitution and Human Trafficking. Focus on Clients” (Springer, 2009) veröffentlich hat.

Esta Steyn

Sie wurde in Südafrika geboren und hat einen Bachelor in Cultural Project Management. Sie ist Direktorin und Koordinatorin von Stop the Traffik Niederlande. Die Organisation ist im Bereich  Prävention von Menschenhandel tätig und versucht Individuen, Communities und Organisationen zu mobilisieren und auszubilden, damit sich diese lokal, national und global aktiv gegen Menschenhandel einsetzen. Stop the Traffik versteht sich als globale soziale Bewegung, die sich durch breite Kampagnen zur Bewusstseinsbildung, kommunale Initiativen sowie Länderbüros organisiert. Zuvor war Frau Steyn in der Jugendarbeit und als Projektkoordinatorin für diverse Organisationen tätig. Ihr persönlicher Leitsatz lautet: “The Only Thing Necessary for the Triumph of Evil is that Good Men Do Nothing” (Edmund Burke).

Irene Brickner

Frau Brickner ist Journalistin bei der Tageszeitung der Standard, Bloggerin, Buchautorin und Moderatorin. Ihr Schwerpunkthema sind Menschenrechte. Für ihre Artikel zu Fragen des Asyl- und Fremdenrechts hat sie eine Reihe von Journalist_innenpreisen gewonnen. 2012 hat sie das „Schwarzbuch Menschenrechte – worüber Österreich schweigt“ und 2007 das Buch „Heiße Zeiten“ zum Thema Klimawandel, gemeinsam mit ihrer Kollegin Johanna Ruzicka, publiziert.

Kooperationen