Zeit und Ort

Montag, 20. März 2017, 19:00 - 21:00 Uhr
C3 - Centrum für Internationale Entwicklung, Alois Wagner Saal
Sensengasse 3, 1090 Wien

Programm

Präsentation der VIDC Studie “The perception of gender relations and gender-based violence of Afghans living in Austria” (auf Englisch)
Ali Ahmad, Forscher und Konsulent des VIDC

Erfahrungen und Lessons Learned aus den interkulturellen Genderkompetenz-Trainings
Philipp Leeb, Obmann, poika - Verein zur Förderung gendersensibler Bubenarbeit in Erziehung und Unterricht
Shokat Ali Walizadeh, Obmann, Verein Afghanische Jugendliche - Neuer Start in Österreich

Eröffnung: Madga Seewald, Genderreferentin, VIDC

Moderation: Nadja Schuster, Genderreferentin, VIDC

Veranstaltungssprachen: Deutsch und Englisch (ohne Dolmetschung)

Anmeldung erbeten: schuster@remove-this.vidc.org

Eis auftauen, nicht brechen - Genderkompetenz in der afghanischen Community

© Shokat Walizadeh, Montage: sanja.at
© Shokat Walizadeh, Montage: sanja.at


Hintergrund

Gendersensibilisierung von Männern ist unerlässlich für das Erreichen von Geschlechergerechtigkeit und Gewaltfreiheit. Das VIDC entwickelte gemeinsam mit “poika - Verein zur Förderung gendersensibler Bubenarbeit in Schule und Unterricht” und dem Verein “Afghanische Jugendliche - Neuer Start in Österreich" die Idee, interkulturelle Genderkompetenz-Workshops für männliche afghanische Flüchtlinge anzubieten. Im Rahmen dieser Workshops werden Maskulinitäten, geschlechtsspezifische Gewalt, eigene und fremde Stereotypen und Geschlechterrollen reflektiert. Die Erweiterung der Genderkompetenz ermöglicht den Teilnehmern, Geschlechterdemokratie in ihrem Alltag zu leben und eine Identität zu entwickeln, die auf Gleichberechtigung basiert. Unter Anwendung kultursensibler Methoden werden auch tabuisierte Themen wie Sexualität und sexuelle Diversität aufgegriffen. Durch ein Trainer-Tandem, bestehend aus einem Afghanen und einem Österreicher, kann ein respektvoller und vorurteilsfreierer Umgang etabliert werden. Die Workshops werden seit 2016 mittels Spiel-, Theater- und Bewegungspädagogik, vorwiegend in Flüchtlingsbetreuungseinrichtungen, durchgeführt.
Parallel zu den Workshops wurde 2016 eine kleine mikrosoziologische Studie zum Geschlechterverhältnis in der afghanischen Community in Österreich durchgeführt. Die Studie enthält auch Empfehlungen in Form von Integrationsmaßnahmen.
Welche Gewalterfahrungen haben die Teilnehmer_innen in ihrer Kindheit gemacht, und wie haben diese ihre Auffassung von Geschlechtergerechtigkeit und –rollen geprägt? Welchem gesellschaftlichen und familiärem Druck sind afghanische Männer im allgemeinen und Flüchtlinge im Besonderen ausgesetzt? Wie können afghanische Männer feministische Akteure der Veränderung werden? Welchen Nutzen haben die Männer und ihr soziales Umfeld – auch im Hinblick auf Integration – von erweiterten Genderkompetenzen?

Podium

Ali Ahmad

studierte in Afghanistan Medizin und absolvierte ein Masterstudium der Friedens- und Konfliktforschung an der European Peace University. Derzeit macht er sein Dokorart zu Radikaliserungsprozessen in von Konflikt betroffenen Gesellschaften am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Ahmad hat in Afghanistan als Journalist und Forscher gearbeitet. Seit 2014 ist er als freier Konsultent für das VIDC tätig und publiziert in internationalen Medien. Im Rahmen der VIDC Studie war Ahmad als Forschungsleiter für die Durchführung und Analyse der Fokusgruppen mit afghanischen Männern zuständig.

Philipp Leeb

arbeitete von 1996 bis 2010 als ausgebildeter Sonderschul- (Schwerpunkt Integrative und Reformpädagogik) und Sprachheillehrer mit Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Er ist Gründer und Obmann von “poika - Verein zur Förderung für gendersensible Bubenarbeit in Erziehung und Unterricht” und bietet Gendersensibiliserungsworkshops für Kinder und männliche Jugendliche an. Ausserdem ist Leeb als zertifizierter Gender-Experte für Schulungen von Lehrpersonen sowie für das Bundesministerium für Bildung, das Arbeitsmarktservice (AMS) und die Pädogogische Hochschulen in Wien und Salzburg tätig. Er ist auch Kulturarbeiter, Journalist, Sachtext-Autor und Clown.

Shokat Ali Walizadeh

flüchtete 2008 von Afghanistan nach Österreich und gründete 2010 den Verein “Afghanische Jugendliche - Neuer Start in Österreich". Der Verein verfolgt das Ziel, zum Aufbau einer friedlichen Atmosphäre zwischen allen afghanischen ethnischen Gruppen beizutragen, die Vereinszusammenarbeit zu stärken und junge Flüchtlinge bei der Integration in die österreichische Gesellschaft zu unterstützen. Walizadeh arbeitete von 2015 bis 2016 als Flüchtlingsbetreuer für den Arbeiter-Samariter Bund und seit Oktober 2016 als Integrationsberater für “Context - Impulse am Arbeitsmarkt”, ein Partnerprojekt des AMS. Im Rahmen der interkulturellen Genderkompetenz-Workshops ist er als Koordinator und Gender Trainer tätig.

Nadja Schuster

ist Soziologin, Feministin und beim VIDC für die Bereiche Gender, Gendersensiblisierung von Männern und Bekämpfung von Menschenhandel zuständig. Sie war für die Konzeption der Forschung und die Erstellung der Interviewleitfäden und Fragebögen hauptverantwortlich. Magda Seewald, ebenso Genderreferentin am VIDC, hat sie dabei tatkräftig unterstützt. Schuster hat im Rahmen der VIDC Studie drei Interviews mit afghanischen Frauen durch geführt. Von 2002 - 2007 hat sie umfassende Erfahrung im Bereich qualitativer soziologischer Forschung in nicht-europäischen Ländern (Sri Lanka, Indien) gesammelt.


Kooperationen