Zeit und Ort

Donnerstrag, 25. September 2014, 9:15 - 15:30 Uhr
VIDC, Möllwaldplatz 5/3, 1040 Wien

Programm

Begrüßung: Margit Scherb,  ADA
 
Die neusten Erkenntnisse der Männer- und Geschlechterforschung
Michael Tunç, Projekt Praxisforschung für nachhaltige Entwicklung interkultureller Väterarbeit in Nordrhein-Westfalen, Köln

Good Practice Beispiele zu Bubenarbeit im Bildungsbereich mit Übungsteil
Philipp Leeb, poika – Verein gendersensibler Bubenarbeit

Two wheels of a cart, two sides of a coin: Lessons learned from CARE International’s Engaging Men and Boys Global Learning Project
Janine Wurzer, Program and Policy Advisor: Psychosocial Programming, CARE Österreich

Präsentation des Engaging Men and Boys for Gender Equality Manuals mit  Übungsteil
Barbara Kühhas, Trainerin für Gendermainstreaming und Diversity Management

Vorstellung der Organisation Sonke Gender Justice aus Südafrika und Präsentation der Lessons Learned für die OEZA
Nadja Schuster, Magda Seewald, VIDC

Detailprogramm

Geschlechtergerechtigkeit: Männer und Burschen als Change Agents im nationalen und internationalen Kontext


Hintergrund

Obwohl in internationalen Abkommen und Resolutionen bereits seit der Pekinger Aktionsplattform von 1995 die Einbindung von Männern in Gleichstellungsprogramme und -projekte gefordert wird, beschränkt sich eine Vielzahl der Programme/Projekte auf Frauen. Auch die Evaluierung der Genderpolitik der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) hat gezeigt, dass Genderprogramme bisher vielfach als reine Frauenförderprogramme verstanden wurden. Um Geschlechterverhältnisse (= Machtverhältnisse) nachhaltig zu verändern, müssen sowohl Frauen wie Männer aktiv in diese Programme eingebunden werden. Die damit verbundene kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen ist auch im Hinblick auf eine Einbeziehung von LGBTIQ in die Entwicklungszusammenarbeit notwendig.

Das VIDC setzt sich seit einigen Jahren mit Genderverhältnissen in Konfliktregionen, Maskulinitätskonzepten und geschlechtsspezifischer Gewalt auseinander und hat 2012 die Studie „Männer als Täter und Opfer in kriegerischen Konflikten. Innovative Projekte zur Überwindung männlicher Gewalt“ von Rita Schäfer heraus gegeben. In diesem Workshop soll mittels Inputs, Diskussion und interaktiven Übungen einerseits ein stärkeres Bewusstsein und ein gemeinsames Verständnis über das Thema geschaffen und andererseits ein Studientag zum Thema vorbereitet werden. Ausgehend von den neuesten Erkenntnissen im Rahmen der Männer- und Geschlechterforschung – auch in Verbindung mit postkolonialer Theorie, dem intersektionalen und dem LGBTIQ-Ansatz, alten/neuen Maskulinitätskonzepten – soll der in der internationalen Zusammenarbeit vorherrschende Ansatz „Engaging Men“ vorgestellt und diskutiert werden.  

Auf internationaler Ebene gibt es zahlreiche Organisationen, die sich für die Einbindung von Männern und Buben vor allem im Gesundheitsbereich und bei der Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt einsetzen. Das globale Netzwerk MenEngage Alliance - boys and men for gender equality mit über 300 Mitgliedsorganisationen (darunter auch das VIDC) ist ein wichtiger Stakeholder in diesem Bereich. Wichtig an dieser Stelle fest zu halten ist, dass die Projekte zur Einbindung von Männern/Buben keinesfalls zu Lasten der Mädchenförderung bzw. der Frauenförderprogramme gehen dürfen, sondern eine Komplementierung im Rahmen der Geschlechtergleichstellungsprogramme darstellen sollten. Für die Bubenförderung bzw. die Arbeit mit Männern sollten zusätzliche Mittel bereit gestellt werden. Von zentraler Bedeutung ist auch die Stärkung des Dialogs und der Kooperation zwischen Männer- und Frauenorganisationen, um dem gemeinsamen Ziel der Geschlechtergleichstellung näher zu kommen.

Podium

Michael Tunç

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung (http://www.zfti.de) im Projekt "Praxisforschung für nachhaltige Entwicklung interkultureller Väterarbeit in Nordrhein-Westfalen". Er forscht und arbeitet zu den Themen Männlichkeit/Väterlichkeit und Migration sowie Diversität. Er engagiert sich für die Entwicklung interkultureller Männer- und Väterarbeit im bundesweiten Netzwerk Männlichkeiten, Migration und Mehrfachzugehörigkeit (http://www.netzwerk-mmm.de).
Ausgewählte Publikationen
Tunç, Michael (2012): Männerpolitiken und Diversität. Von Kulturdifferenz zu Rassismuskritik und Intersektionalität. In: Theunert, Markus (2012): Männerpolitik. Was Jungen, Männer und Väter stark macht. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften (im Erscheinen).
Farrokhzad, Schahrzad/ Ottersbach, Markus/ Tunç, Michael/ Meuer-Willuweit, Anne (2011): Verschieden – Gleich – Anders? Geschlechterarrangements im interkulturellen und intergenerativen Vergleich. Wiesbaden: VS-Verlag. ISBN: 978-3-531-17690-1


Philipp Leeb

arbeitete als ausgebildeter Sonderschul- (Schwerpunkt Integrative und Reformpädagogik) und Sprachheillehrer mit Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Derzeit schult und unterstützt er als zertifizierter Gender-Experte u.a. für das BMBF Lehrpersonen, ist Obmann von poika - Verein für gendersensible Bubenarbeit und arbeitet immer noch mit Kindern und Jugendlichen. Er ist außerdem Kulturarbeiter, Journalist und Sachtext-Autor (Publikationen u.a. für das BMBF) und Clown (in Ausbildung).
Ausgewählte Publikationen
Leeb, Philipp/ Tanzberger, Renate/ Traunsteiner, Bärbel (2007): Gender. Gleichstellung. Geschlechtergerechtigkeit. Texte - Unterrichtsbeispiele - Projekte. Hg. v. Zentrum polis - Politik lernen in der Schule. Wien. (http://bit.ly/1njUPrs)
Leeb, Philipp/ Tanzberger, Renate(2012): Eine Handreichung für Lehrkräfte entstanden im Rahmen von MÄGI - Mädchengesundheit inspiriert. Im Auftrag vom Verein Sprungbrett. (http://bit.ly/1nX8dNG)


Janine Wurzer

ist seit über 15 Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit, zunächst in Lateinamerika und nun auch in Afrika und Asien tätig. Ihre Expertise liegt vor allem in den Bereichen Women’s Empowerment und Social Protection. Sie war maßgeblich an der Konzeptualisierung des CARE-Rahmenvertrag-Programms beteiligt, das einen holistischen Ansatz von Frauen Empowerment mit einem strategischen Engagement von Männern und Buben beinhaltet. Sie ist aufgrund ihrer Ausbildung als Advisor für die Integration psychosozialer Aktivitäten, insbesondere im Bereich „Gewalt gegen Frauen“, in diesem Programm tätig.


Barbara Kühhas

ist promovierte Kultur- und Sozialanthropologin, arbeitete seit 1993 weltweit an Frauen- Gleichstellungsthemen, vorrangig in der Entwicklungszusammenarbeit und in Nachkriegsgebieten. Zu ihren Arbeitgeber_innen zählten NGOs, die Vereinten Nationen oder auch die Europäische Kommission oder das österreichische Innenministerium. In letzter Zeit erwarb sie zusätzliche Zertifikate vom Institut für Arbeits- und Sozialrecht (Rechtswissenschaften Wien) im Bereich des Gleichbehandlungsrechts „Diversity-Equality: Management von Vielfalt“; sowie von der Internationalen Labor Organisation (ILO) als „Gender Audit Facilitator“. Seit April 2014 ist sie freiberufliche Unternehmensberaterin für Gendermainstreaming und Diversity Mangement, sowie Trainerin.
Ausgewählte Publikationen
Martins, Sonja (CARE UK), Langehauge, Ellen (CARE Norge), Kühhas, Barbara (CARE Austria) as CIGN co-chairs &Möller, Marie (2011): First Consolidated CARE International Gender Report on the Implementation of the CARE Gender Policy, London-Oslo-Vienna.
UNDP (Ed) (2006): Toolkit on how to integrate a Human Rights Based Approach and Gender Mainstreaming in Local Governance (Kühhas, Barbara, Lukas, Karin and Ruiz, Elena) – Draft, Bratislava December 2006. (http://hrba.undp.sk/)


Nadja Schuster

ist seit 2011 Referentin am VIDC und beschäftigt sich mit Gender, Gendersensibilisierung von Männern und Burschen, Menschenhandel, Migration und Entwicklung. Ihre letzen Forschungstätigkeiten konzentrierten sich auf die Förderung von Diaspora Engagement und die Implementierung von Policy Coherence for Development. Zudem arbeitet sie im Projekt Parlamentarischer NordSüdDialog mit und ist für den VIDC Online-Newsletter zuständig. Sie hat in Wien Soziologie, Internationale Entwicklung und Gender Studies studiert und in Antwerpen einen Master of Development Evaluation and Management absolviert.


Magda Seewald

ist seit 2005 Projektreferentin am VIDC. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Gender, Gendersensibilisierung von Männern und Burschen sowie Gender und bewaffnete Konflikte. Ihr regionlaer  Focus liegt im Nahen Osten, insbesondere Palästina, wo sie auch lokale Projekte koordiniert. Sie studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien.

Kooperationen