Zeit und Ort

Donnerstag, 19. Nov. 2009
18:30 - 21:00 Uhr 
Albert Schweitzer Haus
Schwarzspanierstr. 13, 1090 Wien

Programm

Referentinnen:
Shahra Razavi, Forschungskoordinatorin bei UNRISD (UN Research Institute for Social Development), Schweiz
Brigitte Young, Professorin für Internationale Politische Ökonomie, WWU Münster

Begrüßung:
Renate Semler, VIDC

Moderation:
Gerda Daniel, Moderationstrainerin

Wer (ver-)sorgt in Zeiten der Krise? Feministische Blicke auf die Finanzkrise und Care-Ökonomie


Hintergrund

Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise hat - zumindest kurzfristig - das vorherrschende Wirtschaften, das auf Wachstum und Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, in Frage gestellt. Feministische Kritik fordert schon seit langem ein Umdenken, weil die Basis des Wirtschaftens vor allem auf dem Prinzip der Sorge (Care) beruhen sollte. Wenn dies ernst genommen wird, muss sich Wirtschaften von Grund auf verändern und erneuern und von einem „sorglosen zu einem sorgsamen Wirtschaften“ werden! (Uta von Wintersfeld).
Der Begriff der Care-Ökonomie bezieht sich auf die Frage, wie eine Gesellschaft die alltägliche Versorgung für ihre Mitglieder organisiert. Stärker als jedes andere Wirtschafts- und Arbeitsfeld ist die Care-Ökonomie, also die Ökonomie des (Ver-)Sorgens und Pflegens, von asymmetrischen Geschlechterverhältnissen geprägt. Drei Viertel der Frauen weltweit leisten diese Versorgungsarbeit (Care-Arbeit), zu Hause und auf dem globalen Arbeitsmarkt. Mehrheitlich ist die Care-Arbeit unbezahlt, jedoch zeigt eine Studie des UNO-Forschungsinstitutes UNRISD, dass die bezahlte Versorgungsarbeit die am schnellsten wachsende Wirtschaftsbranche und im Zusammenhang mit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ein brisantes Thema ist.
Obwohl Care-Ökonomie einer der bedeutendsten Wirtschaftssektoren ist, wird sie vorwiegend als Kostenproblem angesehen. Nicht zufällig stehen die kritische Analyse der geschlechtsspezifischen Verteilung und Bewertung von Arbeit sowie die Entwicklung alternativer ökonomischer Konzeptionen von Wohlfahrt, Arbeit und Zeitökonomie und den damit verbundenen sozialen Beziehungen und Institutionen seit den 1970er Jahren im Zentrum feministischer Forschung, Theoriebildung und Politik.

Am Podium

Shahra Razavi

Sie ist leitende Forschungskoordinatorin bei UNRISD (United Nations Research Institute for Social Development) und betreut das Programm „Gender und Entwicklung“. Shahra Razavi konzeptualisierte und koordinierte umfassende vergleichende Forschungsprojekte in den Bereichen Agrarwandel, Gender und Landrechte, Gender und Gesellschaftspolitik sowie politische und soziale Care-Ökonomie. Neben zahlreichen Publikationen koordinierte Shahra Razavi die Erstellung des UNRISD-Berichts zu Gender Equality: Striving for Justice in an Unequal World, the Institute’s contribution to the “Beijing +10” process.

Brigitte Young

Sie ist seit 1999 Professorin für Internationale Politische Ökonomie am Institut für Politikwissenschaft der WWU Münster. Sie ist Mitglied des seit 2005 von der EU geförderten Forschungsnetzwerkes „GARNET - Network of Excellence (NoE) - Global Governance, Regionalisation and Regulation: The Role of the EU", leitet die Projekte „Gender in Political Economy“, das „Virtual Network“ und ist Vorstandsmitglied im Management Komitee von GARNET. Ihre Arbeitsgebiete umfassen ökonomische Globalisierung, Weltwirtschaft, Global Governance und Multilateralismus, globale Handels- und Finanzmärkte, sowie Feministische Makroökonomie/Heterodoxe Ökonomie. Sie hat zahlreiche Publikationen verfasst, die in mehreren Sprachen übersetzt wurden.

Gerda Daniel

Sie war 15 Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit als Projektreferentin für Lateinamerika und als Geschäftsführerin von HORIZONT3000 tätig. Sie arbeitet zur Zeit als selbständige Beraterin für entwicklungspolitische und soziale Projekte sowie als Moderatorin und Moderationstrainerin und ist Mitglied bei WIDE und Joan Robinson.

Renate Semler

Sie ist Politologin und seit 1999 Mitarbeiterin des VIDC. Sie ist Referentin im Bereich Genderfragen in der EZA und Kleinprojekte.

Kooperationen