Zeit und Ort

Dienstag, 13. Oktober 2009
19:30 Uhr
Odeon Theater
Taborstraße 10, 1020 Wien

Programm

Festvortrag:
"Türkei 2009: Frauen in Bewegung" 
Pinar Selek, Soziologin und Journalistin, Istanbul

In türkischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung

Türkei 2009: Frauen in Bewegung

Pinar Selek


Hintergrund

Das Bild der österreichischen Öffentlichkeit gegenüber der Türkei ist geprägt von Vorurteilen und Abwehrverhalten, das Wissen über die gesellschaftlichen Verhältnisse jedoch ist marginal. Zumeist wird das Bild einer rückständigen Gesellschaft gezeichnet, deren EU-Beitritt unbedingt zu verhindern ist. Wobei weniger die Demokratiedefizite der Türkei, insbesondere bei den Rechten der KurdInnen und ArmenierInnen, im Vordergrund stehen, als die Mobilisierung der Angst von einer vermeintlich islamischen oder gar islamistischen Gesellschaft.

Doch die Türkei ist wesentlich vielfältiger, wie Pinar Selek in ihrem Vortrag zeigen wird. Nach dem Ende der Militärdiktatur 1982 formierte sich beispielsweise nach und nach eine lebendige Frauenbewegung, deren Ziel die Thematisierung und Überwindung der männlichen Gewaltverhältnisse war und ist. Mittlerweile ist diese Bewegung so vielseitig wie die türkische Gesellschaft selbst: Linke Feministinnen, muslimische Frauen, kurdische Aktivistinnen, kemalistisch geprägte Verbände … Trotz aller Differenzen verständigen sich die Gruppen immer wieder auf gemeinsame Forderungen und Ziele und bilden somit eine der wenigen existierenden und funktionierenden Foren in der türkischen Gesllschaft.


Pinar Selek

Geboren 1971 in Istanbul, ist Soziologin und eine der führenden feministischen Friedensaktivistinnen der Türkei. Pınar Selek hat ihr Leben einer klaren Haltung gegen Krieg und einem aktiven Kampf gegen alle Arten von Gewalt gewidmet. Sie hat an zahlreichen Konferenzen, Workshops und Seminaren zum Thema Gender, Militarismus, Gewalt, Ökologie, Medien, Straßenkinder und marginalisierte Gruppen teilgenommen und in diversen Medien Artikel zu diesen Themen veröffentlicht. 2001 war sie eine der Gründerinnen der Amargi Frauen Co-op und organisierte Frauentreffen in Diyarbakır, Istanbul, Batman und Konya, seit 2006 arbeitet sie als Redakteurin und Koordinatorin des Amargi Feminist Journals in Istanbul.

Pınar Selek war gerade dabei ihre Forschungen über die Konsequenzen und Auswirkungen des Bürgerkriegs in der Türkei abzuschließen, als sie mit dem Verdacht konfrontiert wurde, 1998 eine Bombe in einem Bazar in Istanbul gelegt zu haben. Sie hat in der Folge 2,5 Jahre im Gefängnis verbracht und mittlerweile 11 Jahre in Gerichtsräumen. Obwohl sie zwei Mal freigesprochen wurde, musste sie immer wieder dagegen ankämpfen als „Bombenlegerin“ kriminalisiert zu werden. Mehr als 2000 Personen und Organisationen, darunter Nobelpreisträger Orhan Pamuk und Yaşar Kemal (Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1997), haben ihre Solidarität mit Pınar Selek erklärt: „Wir bezeugen die Haltung von Pinar Selek gegen Gewalt“.

Kooperationen