Zeit und Ort

Dienstag, 18. Mai 2010
18:30 - 21:00 Uhr
Hauptbücherei Wien - Am Gürtel
Veranstaltungssaal, Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Programm

Buchpräsentation und Diskussion:
Pinar Selek, Soziologin und Schriftstellerin, Berlin

Moderation:
Ilker Ataç, Forschungsgruppe IN:EX - Politics of inclusion and exclusion
Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien

Begrüßung:
Jessica Beer, Hauptbücherei Wien
Michael Fanizadeh, VIDC

Simultanübersetzung: Türkisch/Deutsch

Um Anmeldung wird gebeten: fanizadeh@remove-this.vidc.org

Zu Männern gedrillt! Militarismus und Männlichkeit in der Türkei

Pinar Selek


Hintergrund

Pinar Selek präsentiert ihr aktuelles Buch „Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt. Männliche Identitäten“, welches im März 2010 im Orlanda-Verlag auf Deutsch erschienen ist. Ihre zentrale Frage: Wie wird man zum Mann? Dazu braucht es fünf einschneidende Erlebnisse: 1. Beschneidung, 2. Militärdienst, 3. Arbeit finden, 4. Heirat und 5. Vater (eines Sohnes) werden. Der Militärdienst ist ein besonders anschauliches Beispiel: eine Prüfung, die nur bestanden ist, wenn der Mann „gebrochen“ wurde und seinen Platz in der Autoritätshierarchie eingenommen hat. Über Interviews mit 58 Männern, die ihren Militärdienst, ihre Sozialisation und ihre Empfindungen während dieser Zeit schildern, beschreibt Selek, wie junge Männer in der Türkei die Zeit ihrer Identitätsfindung erleben. Die Gespräche zeigen einen Querschnitt durch die ganze Gesellschaft der Türkei. Unter den Männern sind unter anderem auch Kurden und Armenier. Selek beleuchtet nicht nur die Erfahrungen in der Türkei, sondern fordert auf, das „Mannsein“ auf universeller Ebene zu hinterfragen und darüber nachzudenken, wie die sexistisch-patriarchale Kultur auch die Männer unterdrückt.

Am Podium

Pinar Selek

Pinar Selek, 1971 geboren, ist eine der führenden antimilitaristischen und feministischen Friedensaktivistinnen der Türkei. Sie ist Mitbegründerin der

Frauenkooperative Amargi und organisierte Frauentreffen für einen Dialog und Austausch in kurdischen Städten. Derzeit lebt sie aufgrund politischer Verfolgung in Deutschland im Exil, denn die Soziologin und Schriftstellerin soll in der Türkei wieder einmal vor Gericht gestellt werden, obwohl sie bereits vor 12 Jahren freigesprochen worden ist. Ihr wird vorgeworfen, im Auftrag der PKK einen Bombenanschlag auf einen Basar in Istanbul verübt zu haben. Die Strafkammer des Obersten Gerichtshofes der Türkei will sie nun aufgrund derselben Anklage zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilen. Pinar Selek ist in der Türkei in den vergangenen zehn Jahren zu einer Ikone der Demokratiebewegung geworden. Während ihres Prozesses haben sich Persönlichkeiten wie Orhan Pamuk, Noam Chomski und Yasar Kemal für sie eingesetzt. In der Türkei wurde sie 2009 mit dem Duygu-Asena-Preis des türkischen PEN-Zentrums geehrt.

Ilker Ataç

Er hat in Wien und London Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft studiert. Ab 2002 hat er am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Frankfurt/Main mit einem Stipendium der Rosa Luxemburg Stiftung zum Thema „Transformation der Staatlichkeit in der Türkei im Kontext des Strukturanpassungsprogramms“ promoviert. Er hat in Projekten zur Regulation des Kopftuchs in den europäischen Ländern (VEIL) und zur sozialen Integration von migrantischen Jugendlichen in Wiener Schulen gearbeitet. Er ist derzeit Assistent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.
 

Kooperationen