Zeit und Ort

Donnerstag, 13. Oktober 2011, 19:00 - 21:30 Uhr
Diplomatische Akademie, Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Vortrag und Diskussion
Udo Steinbach

Diskussion und Moderation
Helmut Krieger, Universität Wien, VIDC/Wiener Institut

Begrüßung
Norbert Ehrlich, Salam.Orient
Fritz Edlinger, GÖAB

Umbrüche, Aufstände, Interventionen – Perspektiven der arabischen Epochenwende

Udo Steinbach


Hintergrund

Die oftmals als ‚arabischer Frühling‘ oder ‚arabische Revolutionen‘ bezeichneten gesellschaftlichen Auf- und Umbrüche in der arabisch-islamischen Welt haben zweifellos einschneidend politische und soziale Landschaften verändert. Sie markieren den Beginn einer Epochenwende, auch wenn die grundlegenden Forderungen der verschiedenen Massenbewegungen umkämpft bleiben und selbst mannigfachen Widersprüchen unterworfen sind.

Bestimmt wird diese epochale Wende auch von einer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen: gestürzte autoritäre Regime wie in Tunesien und Ägypten, Reformen ‚von oben‘ wie in Jordanien und Marokko, blutige Repressionen wie in Bahrain und Syrien und multinationale militärische Interventionen wie in Libyen. Im eigentlichen Sinn ist das politische Feld zu einem gesellschaftlich umkämpften Terrain geworden, dessen Zukunft noch nicht geschrieben ist.  

Zugleich arbeiten ‚westliche‘ ökonomische und politische Eliten nach dem ersten Schock der  Demokratisierung daran, ehemals stabile (geo-)politische und (geo-)ökonomische Sichtweisen auf den arabisch-islamischen Raum zu aktualisieren. Unter dem Stichwort der‚ Unterstützung der Demokratiebewegungen‘ werden finanzielle Zuwendungen versprochen, ökonomische Projekte lanciert, politisch-diplomatische Vorgangsweisen koordiniert oder aber im Rahmen der NATO militärisch interveniert.

Wie ist also dieses ‚westliche‘ Engagement zu bewerten und welche Un/Möglichkeiten ergeben sich zukünftig daraus? Wie können überhaupt all die Umbrüche trotz ihrer Unterschiedlichkeiten in ihren wechselseitigen Verknüpfungen analysiert werden? Was könnte diese Epochenwende für die Zukunft bedeuten?

Das Podium

Udo Steinbach

Er ist Islamwissenschafter, leitete von 1971 bis 1974 das Nahostreferat der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und war anschließend von 1976 bis 2006 Direktor des Deutschen Orient-Instituts. Bis zu seiner Pensionierung Anfang 2008 leitete er das GIGA-Institut für Nahoststudien in Hamburg. Seit 1991 ist er überdies Honorarprofessor an der Universität Hamburg und lehrt gegenwärtig auch noch am Centrum für Nah- und Mittelost-Studien an der Philipps-Universität Marburg. Sein Forschungsfeld umfasst unter anderem: Politischer und gesellschaftlicher Wandel in den arabischen Ländern, der Türkei, Afghanistans und Pakistans, der Nahe Osten im internationalen System und Erscheinungsformen des politischen Islam. Seine Publikationstätigkeit samt Download von vielen Texten kann hier eingesehen werden.

Helmut Krieger

Helmut Krieger ist Sozialwissenschafter und Konsulent am VIDC/Wiener Institut für den Themenkomplex Israel/Palästina. Zudem ist er Lehrbeauftragter am Institut für Internationale Entwicklung sowie am Institut für Politikwissenschaft der Uni Wien. Neben einem Forschungsprojekt zum palästinensischen Staatsformierungsprozess arbeitet er gegenwärtig in einem von der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit finanzierten Hochschulkooperationsprojekt mit dem Centre for Development Studies an der BirZeit University in der Westbank. Seine Forschungsschwerpunkte sind: der israelisch-palästinensische Konflikt, Bewegungen des politischen Islam in der arabischen Welt, kritische Staatstheorien und Postkoloniale Theoriebildung.

Kooperationen

Unterlagen zur Veranstaltung