Zeit und Ort

Dienstag, 16. Oktober 2012, 19:00 - 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie, Festsaal, Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Vortrag und Diskussion
Sabah Alnasseri
Department of Political Science, York University, Toronto

Moderation
Helmut Krieger
Institut für Internationale Entwicklung, Universität Wien

Begrüßung
Norbert Ehrlich, Festival Salam.Orient
Magda Seewald, VIDC/Wiener Institut

Veranstaltungssprache: Deutsch

Westliche Interventionen in die arabische Epochenwende

Sabah Alnasseri
Sabah Alnasseri


Hintergrund 

Nach beinahe zwei Jahren seit Beginn der Umbrüche in arabischen Ländern ist man mit einer Vielzahl unterschiedlicher Entwicklungen konfrontiert: die Wahlsiege von Bewegungen des politischen Islams in Tunesien und Ägypten, Reformen von oben in Jordanien und Marokko, ein prekärer institutioneller und ökonomischer (Wieder-) Aufbau in Libyen, der Krieg in Syrien, instabile Machtkompromisse der politischen Eliten im Irak oder etwa eine vermeintliche Stabilität in Saudi Arabien. Die gesellschaftlichen Aufbrüche haben sich zweifelsohne ausdifferenziert und bleiben zugleich überall beständig umkämpft – im eigentlichen Sinn wird die epochale Wende im arabischen Raum von einer Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen bestimmt.   

Es sind genau diese unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und Verlaufsformen, mit denen auch westliche Staaten umzugehen haben und in die sie zugleich auf vielfältigen Ebenen intervenieren. Ökonomische Kooperationen oder etwa Projekte auf zivilgesellschaftlicher Ebene werden dabei zwar als Unterstützung demokratischer Entwicklungen präsentiert, offene militärische Interventionen wie in Libyen oder verdeckte wie gegenwärtig in Syrien führen jedoch auch zur Frage, ob westliche Interventionen nach wie vor von geopolitischen und geoökonomischen Parametern bestimmt sind und nun lediglich flexibler angewandt werden.
Inwiefern lassen sich also neue strategische Dimensionen westlicher Interventionslogiken in den arabischen Raum jenseits neoliberaler ökonomischer Auflagen und imperialer Gewalt erkennen? Können angesichts der Dynamiken der Umbrüche und Aufstände überhaupt noch kohärente Strategien entwickelt werden? Wie sind die verschiedenen Interventionen mit den jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen im Inneren der einzelnen Länder verknüpft? Welche zukünftigen Entwicklungen müssen erwartet bzw. befürchtet werden?  

Am Podium

Sabah Alnasseri

Er wurde 1961 in Basra im Irak geboren und musste 1981 ins Exil gehen. Davon verbrachte er 15 Jahre in Frankfurt am Main, wo er an der Goethe-Universität Politikwissenschaft studierte und mit einer regulationstheoretischen Arbeit zu Algerien promovierte. 2009 wurde er an die York University in Toronto berufen, wo er seitdem als Associate Professor am Department of Political Science lehrt. Neben vielen Veröffentlichungen zum arabischen Raum im Allgemeinen und zum Irak im Besonderen ist er unter anderem Redaktionsmitglied des links-netz.de. Jüngste Veröffentlichung: Revolutionäre ernten die Früchte selten: Der 17. Bouazizi 2010, in: PROKLA, 163, 2011, 273-294

Helmut Krieger

Er ist Sozialwissenschafter und Lehrbeauftragter am Institut für Internationale Entwicklung der Uni Wien. Gegenwärtig arbeitet er in einem von der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit finanzierten Hochschulkooperationsprojekt mit dem Centre for Development Studies an der Birzeit University in der Westbank. Seine Forschungsschwerpunkte sind: der israelisch-palästinensische Konflikt, Bewegungen des politischen Islam in der arabischen Welt, kritische Staatstheorien und Postkoloniale Theoriebildung.

Kooperationen

Unterlagen zur Veranstaltung