Zeit und Ort

Mittwoch, 23. Oktober 2013
19:00 - 21:00 Uhr
Hauptbücherei Wien - Am Gürtel, Veranstaltungssaal
Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Programm

Diskussion: 
Demet Ş. Dinler, Sozialwissenschaftlerin, Istanbul
Ece Kocabiçak, Department of Sociology, University of Lancaster
Ayşe Dursun, Universität Wien
Ilker Ataç, VIDC, Universität Wien

Begrüßung: 
Michael Fanizadeh, VIDC

Veranstaltungssprachen: Türkisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Um Anmeldung wird gebeten: hochauer-kpoda@remove-this.vidc.org

Aufbruch in eine neue Türkei?

Ece Kocabiçak

 

Hintergrund

Was auf dem Istanbuler Gezi-Park mit der Besetzung eines Parks begann, entwickelte sich in der Folge zu einer breiten Protestbewegung in der Türkei. Sie entstand spontan und konnte binnen weniger Tage Hunderttausende auf die Straße bringen. Die kreativen Mobilisierungsstrategien führten zu neuen Partizipationsformen und hatten den Anspruch eine neue Form der Kritik der Politik zu entwickeln. Dabei war es nicht voraussehbar, dass die Protestbewegung dieses Ausmaß annahm, obwohl sie sich auf bereits bestehende Bewegungen stützten konnte. Auch aktuell werden die Proteste fortgesetzt. Zum Beispiel finden lokale Versammlungen, Straßenproteste sowie Diskussionen über Wahlbündnisse für kommende lokale Wahlen statt, während die Regierung weiterhin repressiv gegen die Bewegung vorgeht.

In unserer Veranstaltung möchten wir eine (Zwischen-) Bilanz der Gezi-Park-Bewegung ziehen, insbesondere mit einem Blick auf die Frauenbewegung und die Istanbuler Stadtbewegung. Was waren die Gründe für die Entstehung der Protestbewegung? Welche Formen der Begegnung und Proteste haben stattgefunden? Welche Folgen haben die Proteste für das politische System der Türkei?

Am Podium werden die Teilnehmerinnen aus einer aktivistischen und sozialwissenschaftlichen Perspektive erzählen, was die unterschiedlichen Bewegungen zusammenhält, wofür sie kämpfen und welche Zukunftsperspektiven sie erwarten.

Am Podium

Demet Ş. Dinler

Sie hat in der Türkei Politikwissenschaft und Soziologie an der Technischen Universität des Nahen Osten (ODTÜ) studiert und ist Doktorandin in Development Studies an der Londoner School of Oriental and African Studies (SOAS). Sie beschäftigt sich mit der politischen Ökonomie von Entwicklung, der wirtschaftlichen Anthropologie globaler Märkte, der Ethnographie der Arbeiterklasse mit kreativen und neuen Strategien der politischen Organisierung. Beruflich war sie zuletzt an einer Gewerkschaftskampagne in der Logistikbranche für die International Transport Workers'
Federation (ITF) sowie an einem Bildungsprojekt zur Stärkung von Frauen-Kooperativen in mehreren Städten in der Türkei beteiligt.
Sie arbeitet derzeit freiwillig für die „Vereinigung der Solidarität mit Hausangestellten“ und die Gewerkschaft der Bauarbeiter in Istanbul. An den Gezi-Park Protesten nahm sie sowohl als Aktivistin als auch als Reporterin teil, die verschiedene Gruppen (Ärzte, Fußball-Fans,  Jugend und Gewerkschaften) für eine türkische Monatszeitschrift interviewt hat. Ihr ging es bei den Interviews darum, die Heterogenität und dialogische Natur der Bewegung aufzuzeigen. In Anschluss an die Gezi-Park Proteste hat sie bei mehreren Gemeindeversammlungen in Arbeitervierteln teilgenommen, welche sich im Kontext der Stadterneuerungsprojekte gebildet haben.

Ece Kocabiçak

nahm an den Gezi-Park-Protesten als Mitglied des Sozialistischen Feministischen Kollektivs teil. Zunächst war sie an den Aktivitäten, Demonstrationen, Foren und Treffen auf dem Gezi-Park vom 12.–16. Juni beteiligt. Nach der polizeilichen Räumung der Parks beteiligte sie sich am Frauenforum im Yoğurtçu Park sowie bis zum 9. September an zahlreichen weiteren Demonstrationen und Protesten in Kadıköy und am Taksim Platz in Istanbul.
Danach ist sie wieder nach Manchester zurückgekehrt und hat ihre Studien am Institut für Soziologie der Universität Lancaster aufgenommen. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen u.a. die Frage der Beziehung und wechselseitigen Beeinflussung von Patriarchat und Kapitalismus in der Türkei. Ihre Artikel zur Gezi-Park Bewegung können in den Magazinen Amargi und Onbirinci Tez (demnächst) sowie auf den Websites des Sozialistischen Feministischen Kollektivs und Sendika.org nachgelesen werden.

Ayşe Dursun

Doktorandin und Projektmitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien. Zu Ihren Forschungsinteressen zählen soziale Bewegungen mit Fokus auf die Protagonistinnen der islamischen Bewegung in der Türkei. Sie schreibt ihre Dissertation über politische Überschneidungen von islamischen Frauen und anderen sozialen Bewegungen in der Türkei im Prozess politischer Mobilisierung und leitete am vergangenen Wintersemester am Institut für Politikwissenschaft einen Kurs zum Thema islamischer Feminismus. Sie studierte Politikwissenschaft und Anglistik an der Goethe Universität, Frankfurt am Main.

Ilker Ataç

Er hat in Wien und London Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft studiert. Er hat an der Universität Frankfurt/Main im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte sind Migrationspolitik, Internationale Politische Ökonomie und türkische Politik. Er hat derzeit eine Vertretungsprofessur im Bereich "Politik der Arbeitsmigration" im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel in Deutschland. Seine letzten Veröffentlichungen sind: „Politik der Inklusion und Exklusion“, „Ökonomische und politische Krisen in der Türkei. Die Neuformierung des Neoliberalismus“ und „Politik und Peripherie: Eine politikwissenschaftliche Einführung“.

Unterlagen zur Veranstaltung

Kooperationen