Zeit und Ort

Montag, 3. November 2014, 19:00 - 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie Wien, Festsaal, Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Vortrag und Diskussion

Salwa Ismail
School of Oriental and African Studies, University of London

Razan Ghazzawi
Syrian Women’s Network

Moderation
Helmut Krieger
Institut für internationale Entwicklung der Universität Wien

Begrüßung
Magda Seewald, VIDC

Veranstaltungssprachen: Deutsch und Englisch mit Simultandolmetschung

Anmeldung an: seewald@remove-this.vidc.org

Syrien – Von der Revolte zum regionalen Krieg?

© iStock
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Hintergrund

Mehr als drei Jahre nach Beginn des Protestes gegen ein autoritäres Regime kann der Krieg in Syrien in seiner essenziellen Dimension schwerlich in Worte gefasst werden. Bei mehr als 150.000 Toten, der umfassenden Zerstörung lebenswichtiger Infrastruktur, der aktuell weltweit größten Fluchtbewegung, dem Überleben in Flüchtlingslagern in angrenzenden Staaten oder dem Versuch in ein abgeschottetes Europa zu gelangen, lässt sich nur ansatzweise ermessen, was dieser Krieg für die Zivilbevölkerung bedeutet. Soziale Verwüstungen und millionenfache Traumatisierungen sind dabei nicht nur unmittelbare Folgen des Krieges, sondern werden auch auf Jahre hinaus die Zukunft des Landes bestimmen.
 
Auf politischer und geostrategischer Ebene ist der Krieg längst zu einem regionalen geworden. Die jihadistische Gruppe Islamischer Staat (IS) nutzt den Nordosten des Landes als regionale Machtbasis. US-amerikanische Kampfjets bombardieren mittlerweile Stützpunkte des IS in Syrien und dem Irak. Kurdische Organisationen wiederum sind dazu gezwungen sich gegen den Ansturm des IS zu erwehren. Die libanesische Hizbullah unterstützt dagegen militärisch das Assad-Regime und westliche wie auch arabische Staaten liefern Waffen an verschiedene Gruppen einer Aufstandsbewegung im Land.

Zu befürchten ist, dass der Krieg in Syrien zu einem umfassenden wird, der die gesamte Region mit sich reißt. Umso dringender stellen sich folgende Fragen, zu denen die beiden ReferentInnen Stellung nehmen werden:
Wer sind die verschiedenen (Kriegs-)Parteien und welche Vorstellungen von der Zukunft des Landes haben sie? Können angesichts der Entwicklungen in Syrien überhaupt noch demokratische Perspektiven jenseits von autoritärer Herrschaftssicherung und geopolitischem Machtkalkül entwickelt werden? Wie könnten diese Perspektiven für Syrien aussehen und wer könnte sie innerhalb des Landes anstoßen?

Am Podium

Salwa Ismail

ist Professorin für Politikwissenschaft an der School of Oriental and African Studies, University of London. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Stadtentwicklung, die Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft in den Staaten des Nahen Ostens, Islamismus und islamistische Bewegungen, politische Ethnographie sowie arabisches und islamisches Denken. Zu ihren Publikationen zählen u.a. “Producing 'Reformed Islam': A Saudi Contribution to the US Projects of Global Governance”. In: al-Rasheed, Madawi (ed.): Kingdom Without Borders (2009), “Urban Subalterns in the Arab Revolutions: Cairo and Damascus in Comparative Perspective”. In: Comparative Studies in Society and History (2013), “The Syrian Uprising: Imagining and Performing the Nation”. In: Studies in Ethnicity and Nationalism (2013).

Razan Ghazzawi

ist feministische Aktivistin und Bloggerin aus Syrien. Sie wurde zweimal aufgrund ihrer politischen Aktivitäten inhaftiert. Zurzeit lebt Razan Ghazzawi in der Türkei und ist Kampagnenleiterin des Syrian Women’s Network.

Helmut Krieger

ist Sozialwissenschafter und wissenschaftlicher Projektmitarbeiter am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien sowie Konsulent des VIDC.  Seine Forschungsschwerpunkte sind: der israelisch-palästinensische Konflikt, Bewegungen des politischen Islam in der arabischen Welt, kritische Staatstheorien und Postkoloniale Theoriebildung. Eine seiner aktuellsten Veröffentlichung ist: Investitionen in den Konflikt. Die politische Ökonomie palästinensischer Staatsformierung (2013).