Zeit und Ort

Montag, 9. März 2015, 19:00 - 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie Wien, Festsaal
Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Mahbouba Seraj
Frauenaktivistin und Journalistin, Afghanistan

Ali Ahmad
Wissenschaftler und Journalist, Afghanistan/Österreich

Moderation
Martin Staudinger
Journalist, Österreich

Eröffnung:
Michael Fanizadeh, VIDC
Ayoob Erfani, Botschafter der islamischen Republik von Afghanistan in Österreich

Veranstaltungsprachen: Englisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: fanizadeh@remove-this.vidc.org

Afghanistan. Von den Taliban zur Demokratie?

© Lizette Potgieter/ Shutterstock.com
© Lizette Potgieter/ Shutterstock.com


Hintergrund

Am 7. Oktober 2001 starteten die USA und ihre Verbündeten den „Krieg gegen den Terror“ als Antwort auf die Anschläge vom 11. September in New York und Washington. Zuvor hatte sich das afghanische Taliban Regime geweigert, Osama bin Laden als Drahtzieher der Anschläge an die USA auszuliefern. Die Offensive erreichte am 13. November 2001 mit der kampflosen Besetzung von Kabul ihren Höhepunkt. Diese Auseinandersetzung wurde auch „als Kampf um die Rechte und Würde der Frauen“ geführt (First Lady Laura Bush in der Los Angeles Times, 18.11.2001). Unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen wurde Hamid Karzai am 4. Dezember bei der ersten Petersberger Afghanistan-Konferenz zum Präsidenten der Übergangsregierung ernannt. Parallel zu den politischen Strukturen wurde eine langfristige militärische Intervention unter UN Mandat gestartet und ausländische Truppen (ISAF) unter NATO Oberbefehl in Afghanistan stationiert.

Mit dem Fall der Taliban begann in Afghanistan ab 2002 eine Phase des Wiederaufbaus, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft weckte und auch massiv finanziell vom Ausland unterstützt wurde. Die Meinungsfreiheit und -vielfalt erblühten, es kam zu etlichen Neugründungen von Fernseh- und Radiostationen, Printmedien und Nachrichtenagenturen. 2004 wurde in Afghanistan eine demokratische Verfassung verabschiedet, das Land wurde dadurch offiziell zur „Islamischen Republik Afghanistan“, bei der die Gleichheit von Mann und Frau und die Meinungsfreiheit in der Verfassung festgeschrieben wurden. 2009 trat zudem ein Gesetz in Kraft, das verschiedene Formen von Gewalt an Frauen unter Strafe stellt. Erstmals gilt seitdem Vergewaltigung in Afghanistan als Straftatbestand, ebenso wird Gewalt in der Familie ausdrücklich als Straftat anerkannt.

14 Jahre nach der Besetzung steht die afghanische Gesellschaft heute vor neuen Herausforderungen. Am 1. Jänner 2015 wurde Afghanistan wieder in die Unabhängigkeit entlassen. Dies ging einher mit einem Machtwechsel von Hamid Karzai zur neuen Einheitsregierung unter Präsident Aschraf Ghani im September 2014, die nur mit erheblichen Schwierigkeiten zustande kam. Trotz der rechtlichen Gleichstellung in der Verfassung hat sich jedoch die Situation der Frauen nicht grundlegend verändert. Ebenso stehen Afghanistans Medien vor erheblichen Problemen, die in der Verfassung garantierte Medienvielfalt wird nämlich wieder von konservativen Kreisen (nicht nur den Taliban) bedroht.

Podium

Mahbouba Seraj

Mahbouba Seraj wurde in Kabul geboren und kehrte nach 26 Jahren im Exil gegen Ende 2003 nach Afghanistan zurück. Seither engagierte sie sich für die Rechte von Frauen und Kindern, unter anderem als Vorsitzende des größten afghanischen Frauennetzwerkes (AWM).
Aktuell gestaltet sie ein populäres landesweites Radiomagazin speziell für Frauen mit dem Titel „Unser geliebtes Afghanistan von Mahbouba Seraj“. Zusätzlich organisiert sie Gesprächsrunden mit Frauen im ländlichen Raum, um mit ihnen die Inhalte des Radiomagazins zu diskutieren. Frau Seraj ist eine unermüdliche Fürsprecherin für die Rechte der Frauen im öffentlichen Leben Afghanistans und fordert insbesonders auch als Korrespondentin der Huffington Post die vermehrte Einbeziehung von Frauen in die politischen Ratversammlungen (Loya Jirga) des Landes und deren Repräsentanz bei internationalen Konferenzen zur Zukunft Afghanistans.

Ali Ahmad

Ali Ahmad ist ein Forscher mit einem Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung und hat zudem ein Medizinstudium abgeschlossen. Seine Forschungsinteressen sind nichtstaatliche Sicherheitsakteure, gewaltfreie Strategien, die Außenpolitik Afghanistans und Friedensjournalismus. Momentan absolviert er ein Doktorratsstudium an der Universität Wien mit dem Dissertationsthema  „Deradicalization processes adopted in conflict-affected societies“. Als Journalist hat er in zahlreichen internationalen Medien zu Afghanistan publiziert. Vor seinem Umzug nach Wien lebte und arbeitete er in Kabul, Afghanistan.

Martin Staudinger

Er ist seit 2004 bei profil (Wirtschaft, Außenpolitik), davor bei Format (Innenpolitik, 1998-2003) und Falter (Innenpolitik, 1994-1998)
Leitet heute gemeinsam mit Robert Treichler das Auslands-Ressort des Profil.
Berichtete für profil bereits aus Afghanistan, Libyen, Syrien, Tschad, Kongo, Mexiko, Venezuela, der Ukraine und anderen Kriegs- und Krisengebieten. Prälat-Leopold-Ungar-Preisträger 2008
Veröffentlichungen in: Der Spiegel, Die Zeit, Financial Times Deutschland, Capital, diverse Buchbeiträge.


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