Zeit und Ort

Mittwoch, 19. Oktober 2016, 19:00 – 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie Wien, Festsaal, Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Helena Malikyar
Journalistin und Historikerin, Kabul, Afghanistan

Haseeb Humayoon
Publizist und Mitbegründer der afghanischen Jugendorganisation 1400, Kabul, Afghanistan

Moderation
Sibylle Hamann
Journalistin, Österreich

Eröffnung
Michael Fanizadeh, VIDC

Veranstaltungsprachen: Englisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: fanizadeh@remove-this.vidc.org

Afghanistan – Raus aus der Gewalt!

© iStock/IndiaUniform
© iStock/IndiaUniform


Hintergrund

Afghanistans Bevölkerung gehört zu den jüngsten und am schnellsten wachsenden der Welt. Aufgrund der immer schlechter werdenden Sicherheitslage, ökonomischer und politischer Perspektivenlosigkeit, schlechter Regierungsführung und dem Wiedererstarken der Taliban und anderer islamistischer Gruppen, verlassen immer mehr Afghan_innen ihr Land. Laut UNHCR waren 2015 über 2,7 Millionen Afghan_innen auf der Flucht, das sind 10% der Einwohner_innen. Somit stellen die Afghan_innen nach den Syrer_innen die zweitgrößte Flüchtlingsgruppe weltweit dar, wobei sie in Österreich seit 2015 die größte Flüchtlingscommunity bilden: Allein seit Jänner 2015 haben mehr als 34.000 Menschen aus Afghanistan einen Asylantrag in Österreich gestellt.

Insbesondere die politische Radikalisierung sowie ethnisches und religiöses Sektierertum sind ein zentrales Problem in Afghanistan. Daran haben auch die US-geführte Invasion und der „Krieg gegen den Terror“ als Antwort auf die Anschläge vom 11. September 2001 in New York wenig geändert. Weiterhin sind die schlecht überwachten Religionsschulen (Madrassas) auf beiden Seiten der afghanisch-pakistanischen Grenze ein idealer Nährboden für gewalttätigen Extremismus. Gerade die afghanische Jugend bleibt anfällig für radikale Ideologien. Islamistische Gruppen wie die Taliban, Hizb-e Islami und in jüngster Zeit auch der sogenannte Islamische Staat (IS), haben kein Problem damit, neue Kämpfer zu rekrutieren. Mit dem Abzug westlicher Kampftruppen aus Afghanistan seit 1. Jänner 2015 hat sich das Kräfteverhältnis zugunsten der Salafist_innen noch einmal verschoben.

Wie kann der Teufelskreis aus Gewalt und Gegengewalt durchbrochen werden? Gibt es Wege aus der Radikalisierung? Was sind die Alternativen zum radikalen Extremismus in Afghanistan? Kann der Einfluss der Madrassas reduziert werden? Welche Möglichkeiten hat die internationale Gemeinschaft? Welche Rolle spielen die Nachbarländer Iran und Pakistan?

Podium

Helena Malikyar

lebt in Kabul und ist eine politische Analystin und Historikerin. Sie hat in den USA an der New York University (NYU) sowie an der University of Arizona Nahoststudien, Islamwissenschaft und Orientalistik betrieben, bevor sie 2004 in Auftrag des UNDP nach Afghanistan gezogen ist. Malikyar hat zahlreiche Artikel und Kommentare zur Situation in Afghanistan und zum afghanischen Verhältnis zu Pakistan verfasst. U.a. arbeitet sie heute als Kolumnistin für Al Jazeera, das Online Magazin Al-Majalla und Radio Free Europe. Malikyar ist zudem Gründungsmitglied der afghanischen Women’s Charter, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Frauenrechte und die politische Teilhabe von Frauen in Afghanistan zu verbessern.

Haseeb Humayoon

lebt in Kabul und ist Publizist und Mitbegründer der afghanischen Jugendorganisation 1400. Afghanistan 1400 ist eine zivile und politische Bewegung mit dem Ziel, eine politische Plattform für die jüngeren Menschen in Afghanistan jenseits von Sektierertum und Gewalt zu schaffen. Die Jugendbewegung versteht die Vielfalt Afghanistans als etwas Positives und möchte als eine starke und einflussreiche Stimme an der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Afghanistans teilnehmen: Mehr Informationen über 1400 finden Sie hier.

Sibylle Hamann

seit 2006 freie Journalistin und Autorin in Wien. Wöchentliche Kolumnistin für „Die Presse“, ständige Autorin für „Falter“ und „Emma“, Chefredakteurin der „Liga. Zeitschrift für Menschenrechte“, Lektorin am Journalismuslehrgang der FH Wien, Moderatorin und Vortragende.