Zeit und Ort

Mittwoch, 21.September 2016, 19:00 - 21:00 Uhr
Hauptbücherei Wien - Am Gürtel, Veranstaltungssaal, Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Programm

Pınar Bedirhanoğlu
Assistenzprofessorin am Department für Internationale Beziehungen der Middle East Technical University, Ankara

Rıza Türmen
Diplomat, ehem. Richter am Europäischen Menschenrechtsgerichtshof, ehem. Abgeordneter der Republikanischen Volkspartei CHP, Ankara

Moderation
Ilker Ataç
Politologe, Universität Wien/VIDC

Eröffnung
Michael Fanizadeh
VIDC

Veranstaltungssprachen: Türkisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: fanizadeh@remove-this.vidc.org

Die Türkei nach dem Putsch

© Tolga Sezgin/NarPhotos/laif
© Tolga Sezgin/NarPhotos/laif


Hintergrund

Für Außenstehende völlig überraschend, für Kenner_innen der türkischen Politik weniger, putschte am 15. Juli das türkische Militär. Mit dem Militärputsch erreichte nicht nur der Machtkampf zwischen der regierenden AKP-Partei und der bis 2013 mit ihr verbündeten Fethullah Gülen-Bewegung den bisherigen Höhepunkt. Der Putsch zeigte auch die Achillesferse der politischen Macht der AKP-Regierung. Seither wurden der Ausnahmezustand, die Aussetzung von Teilen der Europäischen Menschenrechtskonvention und massenhafte Entlassungen aus dem öffentlichen Dienst sowie Verhaftungen durchgesetzt. Mit einem Schlag wurde nicht nur die sensible Lage der Türkei klar, sondern auch das komplizierte Verhältnis zur Europäischen Union offenbar.

Welche Rolle hatte also die Gülen-Bewegung beim Putsch, was macht ihre Bedeutung aus, wie konnte sie wichtige strategische Positionen im Staatsapparat besetzen? Was sind die Folgen des Putsches sowie der Verhaftungswelle und der Kündigungen im Staatsapparat? Was heißt es für das politische System und die Demokratie, für Justiz und Armee? Welche Bedeutung haben nun die anderen politischen Parteien CHP, MHP und HDP? Was bedeutet es für die kurdische Politik und die Beziehungen zu den Nachbarn, insbesondere Syrien und dem Kampf gegen den IS? Welche Rolle spielt die europäische Politik, und wie steht es um die österreichisch-türkischen Beziehungen?

Podium

Pınar Bedirhanoğlu

ist Assistenzprofessorin am Department für Internationale Beziehungen der Middle East Technical University Ankara. Sie promovierte (PhD) an der University of Sussex über Internationale Beziehungen. Sie hat zahlreiche Aufsätze auf Türkisch und Englisch publiziert, u.a. über die Umstrukturierung des neoliberalen Staates und Privatisierungen in der Türkei sowie über die politische Ökonomie der Korruption und Anti-Korruptionspolitiken. Momentan forscht sie zur Politik der kapitalistischen Transformation Russlands, über die staatlichen Sicherheitsstrukturen in der Türkei und die Kritik am Finanzmarkt-Kapitalismus.

Rıza Türmen

ist Diplomat und ehemaliger Richter am Europäischen Menschenrechtsgerichtshof (1998 - 2008) sowie ehemaliger Abgeordneter der Republikanischen Volkspartei CHP im türkischen Parlament (2011 – 2015). Er graduierte 1964 an der Rechtsfakultät der Universität Istanbul. Seinen Master erhielt er an der McGill University in Montreal, bevor er seine Doktorarbeit an der Fakultät für Politikwissenschaften der Universität Ankara verfasste. Türmen hatte seit 1966 verschiedene Posten im türkischen Außenministerium inne. U.a. war er Botschafter in Singapur und der Schweiz, sowie Ständiger Vertreter der Türkei im Europarat. Zudem ist er Autor zahlreicher Aufsätze und Bücher über Menschenrechte und Demokratie in der Türkei, zuletzt erschien von ihm: „Die Macht der Ohnmächtigen“ (Gücsüzlerin Gücü).

Ilker Ataç

arbeitet als Konsulent für das VIDC. Er unterrichtet und forscht derzeit am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, für das er bereits von 2009 bis 2015 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. 2013 hatte er eine Vertretungsprofessur „Politik der Arbeitsmigration“ an der Universität Kassel inne. Von August 2015 – April 2016 war er am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück beschäftigt. Seine Forschungsschwerpunkte sind Migrationspolitik und Citizenship, soziale Bewegungen und türkische Politik.

Unterlagen zur Veranstaltung

Kooperationen