Zeit und Ort

Donnerstag, 13. Oktober 2016, 19:00 - 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie, Festsaal, Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Elham Manea
Assoziierte Professorin am Institut für Politikwissenschaft, Universität Zürich

Hisham Al-Omeisy
politischer Analyst und Aktivist, Jemen

Safa Al-Ahmad
Journalistin und Filmemacherin, Saudi-Arabien

Moderation
Helmut Krieger
Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien/VIDC

Begrüßung: Magda Seewald, VIDC

Veranstaltungssprachen: Englisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: seewald@remove-this.vidc.org

Jemen - Krise, Revolte, Krieg

© 2016 Belkis Wille/Human Rights Watch
© 2016 Belkis Wille/Human Rights Watch


Hintergrund

Als im Jahr 2011 eine breite Bewegung als Teil der Revolten in der arabischen Welt das damalige autoritäre und korrupte Regime von Ali Abdullah Saleh zur Abdankung zwang, schien der Weg zu einer demokratischen, inklusiven und gerechten Gesellschaft im Jemen für einen Moment lang offen zu sein. Der politische Transformationsprozess scheiterte jedoch und führte zu einem Krieg, den wir kaum (mehr) wahrnehmen.
Eineinhalb Jahre nach Beginn der von Saudi Arabien geführten Militärintervention im Jemen lassen sich die Auswirkungen des Krieges auf die Zivilbevölkerung schwerlich in Worte fassen: Laut UN-Organisationen benötigen von den 21 Millionen Einwohner_innen des Landes mehr als 80 Prozent humanitäre Hilfe, 14 Millionen Menschen sind nicht mehr in der Lage, ihre Ernährung sicherzustellen, an die 10 Millionen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, und beinahe drei Millionen wurden durch den Krieg zu Flüchtlingen innerhalb des Landes.

Auf politischer und medialer Ebene wird der Krieg oftmals als eine Fortsetzung regionaler Spannungen zwischen Saudi Arabien und dem Iran erzählt: hier die Luftangriffe, der Einmarsch von Bodentruppen und eine Seeblockade einer Militärallianz um Saudi Arabien, die von den USA, Großbritannien und Frankreich unterstützt wird und den entmachteten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi wieder einsetzen möchte, dort eine Allianz von Ansar Allah (gemeinhin ‚die Huthis‘) mit Teilen der jemenitischen Armee, die loyal zum ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh stehen und – so der Vorwurf – vom Iran unterstützt werden. Dass dieses allzu einfach gezeichnete Bild in den Medien nicht den politischen Entwicklungen im Jemen entspricht, ist Gegenstand der Veranstaltung.

Welche Entwicklungen haben zur heutigen Situation geführt? Welche politischen Vorstellungen über die Zukunft des Jemen haben die verschiedenen Kriegsparteien? Welche zivilgesellschaftlichen Perspektiven lassen sich unter den Bedingungen des Krieges überhaupt noch entwickeln?

Podium

Elham Manea

ist eine jemenitisch-schweizerische Autorin, Menschenrechtsverteidigerin und Politologin mit Schwerpunkt arabischer Raum. Sie ist assoziierte Professorin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich sowie Beraterin der Schweizer Regierung und internationaler Menschenrechtsorganisationen. 2010 wurde Dr.in Manea vom Schweizer Bundesrat zum Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen ernannt – eine Position, die sie bis heute inne hat.
Zu ihren Publikationen zählen neben zwei Novellen in arabischer Sprache auch zahlreich akademische sowie Sachbücher, die in Englisch, Deutsch und Arabisch erschienen sind. Elham Maneas Forschungsschwerpunkte sind Politischer Islam, Politik der Arabischen Halbinsel, insbesondere Rechtspluralismus und Islamisches Recht im Jemen, sowie Gender und Politik in der arabischen Welt. Mehr Informationen unter www.elham-manea.com.

Hisham Al-Omeisy

ist politischer Analyst und Journalist in Sana’a, Jemen und ein international gefragter Kommentator zur Politik im Jemen. Er studierte International Relations (BA) an der University of Calgary, Canada. Anschließend arbeite er als Berater für unterschiedliche lokale und internationale Akteure zu Fragen der Diplomatie, Politik und Sicherheit im Jemen. Hisham Al-Omeisy ist ein kritischer Denker und Menschenrechtsaktivist und war in der Protestbewegung von 2011 und in der darauffolgenden Transitionsphase (2012-2015) aktiv engagiert. Er ist Mitbegründer der 2012 gegründeten Al Watan Partei.

Safa Al-Ahmad

ist saudi-arabische Journalistin und Filmemacherin. Sie arbeitet sowohl für Print- wie auch für TV-Medien. Seit den Aufständen 2011 und den darauf folgenden Kriegen fokussiert sie ihre Arbeit auf Saudi-Arabien und den Jemen.
2015 erhielt Safa Al-Ahmad den Index on Censorship Freedom of Expression Award for Journalism und war 2014 und 2012 Finalistin für den Sony Impact Award für ihren Film „Al Qaeda in Yemen“, für den sie auch eine Nominierung für den News and Documentary Emmy Award erhielt. Ihr Essay zu den arabischen Aufständen und Saudi-Arabien „Wishful Thinking“ wurde 2013 in der Anthology Writing Revolutions veröffentlich, die mit dem englischen Pen Award ausgezeichnet wurde.
Zurzeit arbeite Safa Al-Ahmad an einen Buch und einer Dokumentation über die saudi-arabische Außenpolitik in der Region.
Weitere Dokumentationen von Safa Al-Ahmad zum Jemen: Rise of the Houthis (2015), Yemen under Siege (2016).

Helmut Krieger

ist Sozialwissenschafter und wissenschaftlicher Projektmitarbeiter am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien sowie Konsulent des VIDC. Seine Forschungsschwerpunkte sind der israelisch-palästinensische Konflikt, Bewegungen des politischen Islam in der arabischen Welt, kritische Staatstheorien und postkoloniale Theoriebildung. Eine seiner aktuellsten Veröffentlichung ist „Umkämpfte Staatlichkeit. Palästina zwischen Besatzung, Entwicklung und politischem Islam“ (2015).