Zeit und Ort

Dienstag, 26. April 2016, 19:00 - 21:00 Uhr
Hauptbücherei Wien - Am Gürtel, Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Programm

Pınar Selek
Publizistin und Soziologin, Universität Straßburg

Yüksel Taşkın
Politikwissenschaftler, Marmara Universität, Istanbul

Bülent Küçük
Soziologe, Boğaziçi Universität, Istanbul

Moderation
Ilker Ataç
Politologe, Universität Osnabrück/VIDC

Begrüßung: Michael Fanizadeh, VIDC

Podiumsdiskussion und Präsentation des im Mandelbaum-Verlages erschienenen gleichnamigen Buches, das in seinen 16 Beiträgen den politisch-wissenschaftlichen Diskurs vermittelt, den das VIDC im Rahmen seiner Vortragsreihe zur Türkei in den letzten Jahren initiiert hat. Mehr Informtionen zum Buch finden Sie hier.

Veranstaltungssprachen: Türkisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: fanizadeh@remove-this.vidc.org

Türkei. Kontinuitäten, Veränderungen, Tabus

© Raimund Appel
© Raimund Appel


Hintergrund

Seit dem Ende der Friedensverhandlungen mit der kurdischen PKK im Sommer 2015 ist eine Polarisierung der Politik und der Gesellschaft in der Türkei feststellbar. Nach der Wahl am 1. November 2015, bei der die AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) nach vier Monaten wieder ihre absolute Mehrheit zurückgewann, nahmen die Repressalien gegen Journalist_innen sowie gegen die kurdischen und sozialen Bewegungen weiter zu. Das Vorgehen der türkischen Sicherheitskräfte gegen militante kurdische Jugendliche und die PKK in Städten wie Cizre, Diyarbakır, Lice und Şırnak im Osten der Türkei kostete bisher hunderte Menschenleben. Zudem werfen die Bombenanschläge von Ankara, Diyarbakır, Suruç und Istanbul sowie die umstrittene Syrienpolitik der türkischen Regierung viele Fragen auf. Wie steht es um die Zivilgesellschaft in der Türkei? Wie kann der Friedensprozess mit den Kurd_innen wieder in Schwung kommen? Welche Rolle spielt die türkische Außenpolitik bei den Konflikten in der Region? Warum kann sich die AKP, allen politischen und sozialen Krisen zum Trotz, so lange und erfolgreich an der Macht halten?

Yüksel Taşkın spricht in diesem Kontext vom Konzept eines mehrheitsorientierten Autoritarismus der AKP-Regierung, der durch ein Präsidialsystem mit Recep Tayyip Erdoğan an der Spitze noch verfestigt werden soll. Bülent Küçük wiederum richtet seinen Blick auf die Transformation der kurdischen Politik. Er verdeutlicht, dass bei der kurdischen Bewegung keineswegs von einem monolithischen Block ausgegangen werden kann. Mit der HDP (Demokratische Partei der Völker) und der proletarischen kurdischen Jugend in den Städten sind neue Akteure entstanden, die die heutige Politik der Kurd_innen in der Türkei mitbestimmen. Pinar Selek erläutert, wie es zu einer Stärkung der zivilgesellschaftlichen Kräfte in der Türkei gekommen ist und welche Rolle sie unter den aktuellen Umständen spielen. Neben der Gezi-Park-Bewegung waren es vor allem die unterschiedlichen Frauenbewegungen, die als neue und bedeutsame Akteur_innen hervortraten.

Podium

Pınar Selek

ist Publizistin und Soziologin sowie eine der führenden antimilitaristischen und feministischen Friedensaktivistinnen der Türkei. Sie ist Mitbegründerin der Frauenkooperative Amargi und organisierte Frauentreffen für einen Dialog und Austausch in kurdischen Städten. Heute lebt Selek in Frankreich und forscht am Laboratoire SAGE (Sociétés, Acteurs, Gouvernement en Europe) der Universität von Straßburg.

Yüksel Taşkın

ist Professor am Institut für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der Marmara Universität in Istanbul. Seine Forschungsschwerpunkte sind die politische und intellektuelle Geschichte der Türkei, Islamismus sowie die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen im Nahen Osten.

Bülent Küçük

ist Assistenzprofessor am Institut für Soziologie der Boğaziçi Universität in Istanbul. Seine primären Forschungsschwerpunkte beinhalten Theorien des öffentlichen Bereichs, Postkolonialismus, Popkultur, Citizenship und Studien zur kurdischen Frage.

Ilker Ataç

unterrichtet und forscht derzeit am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück und arbeitet als Konsulent für das VIDC. Zwischen 2009 und 2015 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.

Kooperationen

Unterlagen zur Veranstaltung