Zeit und Ort

Montag, 6. März 2017, 19:00 – 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie Wien, Festsaal
Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Horia Mosadiq
Berichterstatterin für Amnesty International in Afghanistan

Timor Sharan
Senior Analyst der International Crisis Group, Afghanistan

Moderation
Sibylle Hamann, Journalistin, Österreich

Eröffnung
Michael Fanizadeh, VIDC

Veranstaltungsprachen: Englisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: fanizadeh@vidc.org

Afghanistan. Abgeschoben hoffnungsfroh.

© iStock/Constantinis
© iStock/Constantinis


Hintergrund

Von Jänner 2015 bis Ende 2016 haben mehr als 37.000 Menschen aus Afghanistan um Asyl in Österreich angesucht, wobei 2016 laut Bundesministerium für Inneres 48% der Asylanträge positiv beschieden wurden (inkl. subsidiärem Schutz und humanitärem Aufenthalt). Mehr als die Hälfte der afghanischen Flüchtlinge verbleibt bis auf weiteres ohne Status. Ähnlich sieht die Situation in anderen europäischen Ländern aus, in Deutschland etwa lag die Gesamtschutzquote afghanischer Asylwerber_innen 2016 bei lediglich 55 %. Zur Abschiebung der abgelehnten Asylwerber_innen hat die EU im Oktober 2016 ein Rückübernahmeabkommen mit Afghanistan als Bedingung für weitere milliardenschwere Entwicklungshilfeprojekte beschlossen. Afghanistan verpflichtete sich darin, abgelehnte afghanische Asylsuchende zurückzunehmen; kolportiert wurde die Zahl von 80.000 Menschen, die von der EU nach Afghanistan abgeschoben werden sollen.

Doch wie sieht die Situation für abgeschobene Flüchtlinge in Afghanistan aus? Oft haben sie ihr gesamtes Hab und Gut verloren bzw. für die Flucht veräußert, und sie müssen sich nun in die Heerschar derer einreihen, die ihr Dasein unter sehr schwierigen sozialen und politischen Lebensbedingungen fristen müssen. Offizielle Zahlen gehen davon aus, dass in Afghanistan derzeit allein 1,2 Mio. intern Vertriebene leben, dazu kommen noch abgeschobene Afghan_innen aus Pakistan und dem Iran. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mussten alleine vom 1. bis 14. Jänner 2017 251.411 Menschen aus Pakistan nach Afghanistan zurückkehren.

Podium

Horia Mosadiq

ist eine afghanische Menschenrechtsaktivistin und Journalsitin mit einer 23-jährigen Arbeitserfahrung in Afghanistan und der Region. Seit 2008 arbeitet sie für das internationale Büro von Amnesty International als Expertin zu Afghanistan. Zuvor war sie für zahlreiche staatliche und nicht-staatliche Institutionen in Afghanistan tätig, u.a. repräsentierte sie Afghanistan 2007 bei der 51. UNO-Kommission für die Stellung der Frauen. 2007 gewann Mosadiq den Afghanischen Menschenrechtspreis und 2011 wurde sie vom britischen Glamour-Magazin als eine der 50 mutigsten Frauen der Welt gewürdigt. Amnesty International bedachte sie 2012 und 2015 mit ihrem Women Rights Defender Award und die Open Asia/Armanshahr Foundation ehrte sie 2015 für ihr herausragendes menschenrechtliches Engagement. 2013 gründete Mosadiq die Safety and Risk Mitigation Organization (SRMO), welche die Arbeit von Menschenrechts- und Frauenrechtsverteidiger_innen in unsicheren Provinzen in Afghanistan unterstützt.

Timor Sharan

hat an der Universität von Exeter (UK) zur Politischen Ökonomie von internationalen Interventionen und Staatenbildung dissertiert. Er ist Senior Analyst der International Crisis Group für Afghanistan mit Sitz in Kabul und verfasst regelmäßig Analysen und Berichte über die Konflikte Afghanistan und die regionalen Dynamiken. Sharan war Direktor der Abteilung für Programmmanagement der Asia Foundation in Kabul und polit-ökonomischer Berater des britischen Departments für internationale Entwicklung (DfID). 2015 gründete er das Khedmat Lern-Institut, eine gemeinnützige Organisation, die benachteiligte Jugendliche in Afghanistan als Führungskräfte ausbildet. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in den Magazinen Foreign Policy und Politico sowie in der New York Times, dem Wall Street Journal und The Guardian.

Sibylle Hamann

seit 2006 freie Journalistin und Autorin in Wien. Wöchentliche Kolumnistin für „Die Presse“, ständige Autorin für „Falter“ und „Emma“, Chefredakteurin der „Liga. Zeitschrift für Menschenrechte“, Lektorin am Journalismuslehrgang der FH Wien, Moderatorin und Vortragende.

Michael Fanizadeh

ist Politologe und arbeitet seit 1997 am VIDC. Seine Arbeitsbereiche sind Migration & Entwicklung, Menschenrechte und Antirassismus. Sein regionaler Schwerpunkt liegt auf dem Mittleren Osten und der Schwarzmeerregion.