Zeit und Ort

Donnerstag, 12. Jänner 2017, 19:00 - 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie Wien, Festsaal, Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Hamit Bozarslan
Historiker und Politologe, EHESS - École des Hautes Études en Sciences, Paris

Moderation
Ilker Ataç, Politologe, Universität Wien/VIDC

Begrüßung
Madga Seewald, VIDC

Veranstaltungsprachen: Türkisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: fanizadeh@remove-this.vidc.org

Ausnahmezustand! Zum Verhältnis von Staat und Minderheiten in der Türkei

© Sadik Güleç/shutterstock.com
© Sadik Güleç/shutterstock.com


Hintergrund

Seit dem gescheiterten Putschversuch am 15. Juli 2016 befindet sich die Türkei im Ausnahmezustand und entwickelt sich mehr und mehr zu einem autoritären Staat. Von der Einschränkung der Rechte und Freiheiten sind insbesondere auch kurdische Akteur_innen betroffen, wobei bereits das Ende der Friedensgespräche zwischen der kurdischen Arbeiterpartei PKK und dem türkischen Staat im Sommer 2015 massive negative Auswirkungen mit sich brachte. Mit der Verhaftung der beiden Co-Vorsitzenden der Oppositionspartei HDP (Demokratische Partei der Völker) Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ hat sich die Situation noch einmal zugespitzt.

Die kurdische Frage bildet aktuell sowie aus einer historischen Perspektive eine der zentralen Herausforderungen in der Türkei. Sie ist zudem ein Schlüsselfaktor, um das Verhältnis von Nationalstaaten und Minderheiten im Nahen Osten zu verstehen. Hamit Bozarslan wird über die kurdische Frage in ihren historischen, aktuellen und regionalen Bezügen sprechen. Welche politischen Entwicklungen im Nahen Osten waren seit Ende der 1990er Jahre in Bezug auf die kurdische Frage prägend? Wie hat sich die Situation seit dem Krieg in Syrien verändert? Welche Interessen und Strategien verfolgen die Türkei und andere „big player“ in der Region in Bezug auf die kurdische Frage? Welche Konsequenzen hat dies für die kurdischen Akteur_innen? Wie könnte eine zukünftige und friedliche Lösung der kurdischen Frage aussehen?

Podium

Hamit Bozarslan

wurde 1958 in Lice (Türkei) geboren und ist Historiker sowie Politologe mit einem Schwerpunkt auf den Nahen Osten, die Türkei und die kurdische Frage. Er ist Studiendirektor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris. Seine Doktorarbeit als Historiker hat er zu den intellektuellen Strömungen im späten Osmanischen Empire verfasst, während er als Politologe zum Thema der Regionalisierung der kurdischen Sache promovierte.

Publikationen (Auswahl):
Qu’est-ce une révolution ? Etats-Unis, France, Monde arabe. (gemeinsam mit G. Demelmestre. Paris. Cerf, 2016);
Révolution et état de violence. Moyen-Orient 2011-2015. (Paris. CNRS Editions, 2015);
Le luxe et la violence. Domination et contestation chez Ibn Khaldûn. (Paris. CNRS Editions, 2014, übersetzt in Türkisch und Polnisch);
Histoire de la Turquie. De l’Empire à nos jours. (Paris. Tallandier, 2013, übersetzt in Türkisch);
Une histoire de la violence au Moyen-Orient. De la fin de l’Empire ottoman à al-Qaida. (Paris. übersetzt in Türkisch, Spanisch und Arabisch);
From Political Struggle to Self-Sacrifice: Violence in the Middle East. (Princeton. 2004);
La question kurde: Etats et minorités au Moyen-Orient. (Paris. Presses de Sciences-Po, 1997).

Ilker Ataç

arbeitet als Konsulent für das VIDC. Er unterrichtet und forscht derzeit am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, für das er bereits von 2009 bis 2015 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. 2013 hatte er eine Vertretungsprofessur „Politik der Arbeitsmigration“ an der Universität Kassel inne. Von August 2015 – April 2016 war er am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück beschäftigt. Seine Forschungsschwerpunkte sind Migrationspolitik und Citizenship, soziale Bewegungen und türkische Politik.

Magda Seewald

ist seit 2005 Projektreferentin am VIDC. Ihr regionaler Focus liegt im Nahen Osten, insbesondere Palästina. Zudem betreut sie die VIDC-Reihe zu den Umbrüchen in der arabischen Welt. Zu ihren weiteren Arbeitsschwerpunkten zählen „Gender“, „Gendersensibilisierung von Männern und Burschen“ sowie „Gender und bewaffnete Konflikte“. Sie studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien.