Zeit und Ort

Mittwoch, 29. März 2017, 19:00 - 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie Wien, Festsaal
Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Asli Odman
Historikerin und Urbansoziologin, Mimar Sinan Fine Arts University, Istanbul

Fikret Ilkiz
Medienanwalt und früherer Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet

Moderation
Ilker Ataç, Politologe, Universität Wien/VIDC

Begrüßung
Michael Fanizadeh, VIDC

Veranstaltungssprachen: Türkisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: fanizadeh@vidc.org

Für Recht und Freiheit!

© Morteza Mohammadi
© Morteza Mohammadi


Hintergrund

Seit dem gescheiterten Putsch im Sommer 2016 wurden in der Türkei der Ausnahmezustand ausgerufen und in der Folge massenhafte Entlassungen aus dem öffentlichen Dienst sowie Verhaftungen durchgesetzt. Wurde anfangs verlautbart, dass „nur“ Anhänger_innen der Gemeinde von Fethullah Gülen von den Verfolgungen betroffen seien, gerieten immer mehr missliebige Oppositionelle, Journalist_innen und Akademiker_innen unter Generalverdacht und wurden entlassen oder inhaftiert. Laut der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ sitzen momentan allein rund 150 Journalist_innen in türkischer Haft (Zeit online 23.2.2017). In der Rangliste der Pressefreiheit 2016 von „Reporter Ohne Grenzen“ rangiert die Türkei von 180 untersuchten Staaten auf Platz 151.

Von der Repression in der Türkei sind auch immer mehr Wissenschaftler_innen betroffen. Aufgrund der Notstandsverordnungen wurden bis jetzt allein 383 Unterzeichner_innen der Friedenspetition „Wir werden nicht Teil dieses Verbrechens sein!“ entlassen. Die Petition erhebt Einspruch gegen den Krieg in den kurdischen Städten und wurde Anfang 2016 im türkischen Parlament mit 2.212 Unterschriften eingereicht. Den entlassenen Wissenschaftler_innen wird nun untersagt, ihre akademischen Titel zu führen, ihre Reisepässe wurden annulliert, und sie wurden von einer weiteren wissenschaftlichen Laufbahn ausgeschlossen.

Podium

Asli Odman

ist eine Unterzeichnerin der Friedenspetition und Mitglied der Gewerkschaft für Bildung und Bildungswerktätige (Eğitim-Sen). Seit Februar 2013 arbeitet sie als Universitätsassistentin an der Minar Sinan Fine Arts University in der Abteilung für Stadt- und Regionalplanung. Zuvor war sie von 2003 - 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte an der Bilgi Universität. Ihre Dissertation verfasste sie an der Bosporus Universität über die Gründung der Automobilfabrik Ford im Jahr 1930 in Istanbul. Sie ist Mitbegründerin der Istanbuler Kommission für Arbeitergesundheit und Arbeitersicherheit Yangın Kulesi (www.yanginkulesi.org). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Arbeits- und Stadtgeschichte, spät osmanische/früh republikanische Wirtschaftsgeschichte, vergleichende politische Ökonomie und Lateinamerika-Studien.

Fikret Ilkiz

studierte an der Universität Istanbul Rechtswissenschaften. In den Jahren 1982 - 2004 arbeitete er als Rechtsanwalt und Rechtsberater der Tageszeitung Cumhuriyet, wobei er von 1997 - 2002 auch als ihr Chefredakteur tätig war. Von 1992 - 2003 hatte er zudem unterschiedliche Funktionen in der Istanbuler Rechtsanwaltskammer inne. Heute arbeitet er als Koordinator der juristischen Monatszeitschrift „Güncel Hukuk“ und seit 2016 als deren Chefredakteur. Ilkiz ist Mitbegründer des Solidaritätsvereins für den türkischen Presserat und der Stiftung für Menschenrechte. Er ist Ehrenmitglied der Vereinigung der Journalist_innen in der Türkei und hat 1998 deren Preis für die Pressefreiheit und 2013 den Ehrenpreis für Meinungsfreiheit erhalten.

Ilker Ataç

arbeitet als Konsulent für das VIDC. Er unterrichtet und forscht derzeit am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, für das er bereits von 2009 bis 2015 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. 2013 hatte er eine Vertretungsprofessur „Politik der Arbeitsmigration“ an der Universität Kassel inne. Von August 2015 – April 2016 war er am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück beschäftigt. Seine Forschungsschwerpunkte sind Migrationspolitik und Citizenship, soziale Bewegungen und türkische Politik.

Michael Fanizadeh

ist Politologe und arbeitet seit 1997 am VIDC. Seine Arbeitsbereiche sind Migration & Entwicklung, Menschenrechte und Antirassismus. Sein regionaler Schwerpunkt liegt auf dem Mittleren Osten und der Schwarzmeerregion.

Unterlagen zur Veranstaltung