Zeit und Ort

Montag, 12. März 2018, 19:00 - 21:00 Uhr
Hauptbücherei Wien - Am Gürtel, Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Programm

Anthony Keedi
Abaad – Resource Center for Gender Equality, Beirut

Nikolas Kosmatopoulos
American University Beirut

Moderation: Magda Seewald, VIDC


Veranstaltungsprachen: Englisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: seewald@remove-this.vidc.org

Libanon - am Rande des Krieges

© Frank Schultze/Alamy Stock Photo
© Frank Schultze/Alamy Stock Photo


Hintergrund

Während in westlichen Medien der Krieg in Syrien beinahe aus den Schlagzeilen verschwunden ist, sind dessen Auswirkungen im Libanon allgegenwärtig. Mit der Aufnahme von mehr als 1,5 Millionen Geflüchteten aus Syrien wurde der Libanon bereits seit längerem ein Teil der Konflikt- und Kriegszonen in der arabischen Welt. Angesichts dieser Fluchtbewegung verschärfen sich auch soziale und gesellschaftliche Auseinandersetzungen im Land. Sie bilden einen Teil dessen, was eine umfassende Krisenentwicklung im Libanon bedeutet.
Auf politischer Ebene war der Druck Saudi Arabiens auf den libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri gegen Ende des letzten Jahres so groß, dass er zurücktreten musste. Auch wenn Hariri mittlerweile wieder im Amt ist, verdeutlicht diese Episode, wie instabil das politische System im Land nach wie vor ist. Damit verknüpft ist die direkte militärische Beteiligung der libanesischen Hizbullah am Krieg in Syrien als Verbündeter des Regimes sowie ihr politisches Gewicht im Libanon. Dies führte im Laufe der letzten Monate in israelischen Medien vermehrt zu Spekulationen über einen baldigen Krieg Israels gegen den Libanon.      
Zugleich hat in den letzten Jahren eine vielfältige soziale Bewegung eindrücklich unter Beweis gestellt, dass politische, soziale und ökonomische Krisenentwicklungen nicht einfach hingenommen werden.
Was also kann unter den heutigen Bedingungen soziales und politisches Engagement im Libanon bedeuten? Wie lassen sich aus einer geschlechterkritischen Perspektive die verschiedenen Konfliktlinien deuten?
Der Libanon war im Laufe der letzten Jahrzehnte mit verschiedenen Krisen und Kriegen konfrontiert. Was waren deren wesentliche politische und gesellschaftliche Auswirkungen? Inwiefern lässt sich hier auch von einem neoliberalen Umbruch des Landes durch Krise und Krieg sprechen? Wie wirkt diese Entwicklung der letzten Jahrzehnte auf die heutige Situation ein?

Podium

Anthony Keedi

arbeitet seit acht Jahren als Fachberater für Männlichkeiten bei ABAAD- Resource Center for Gender Equality in Beirut, Libanon. Er führte dort das Konzept "Engaging Men in Ending Violence Against Women" ein. Im Rahmen dieser Tätigkeit haben er und seine Kolleg_innen lokale Männerforen geschaffen, um geschlechtsspezifische Gewalt zu beenden. Zudem betreuten sie die erste White Ribbon Kampagne im Nahen Osten. Zurzeit arbeitet Abaad mit irakischen und syrischen Flüchtlingen zu Themen wie Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Gewalt, Gleichstellung, Männlichkeit sowie Stress- und Wutmanagement. Abaad war auch an der Gründung der ersten psychologischen Rehabilitationsklinik für Männer mit missbräuchlichen Verhaltensweisen im Nahen Osten beteiligt. Darüber hinaus hat Anthony Keedi zu verschiedenen Politik- und Kapazitätsentwicklungsprojekten beigetragen.

Nikolas Kosmatopoulos

ist Assistenzprofessor für Internationale Beziehungen und Anthropologie und Mitglied des Graduiertenprogramms für Public Policy und International Affairs am Department of Political Studies and Public Administration der American University Beirut (AUB). Davor lehrte er an der Freien Universität Berlin, der Universität Zürich (UZH), der Columbia University in New York, der Sciences Po in Paris und der École Polytechnique Fédérale de Lausanne. In den Jahren 2014-15 war Nikolas Kosmatopoulos Gastwissenschafter am Institut für Umweltwissenschaften und Technologie an der Universitat Autònoma de Barcelona.
Seine Forschung verbindet globale Politik, kritische Entwicklungsstudien und politische Anthropologie mit einem Fokus auf Fragen von Expertenmacht, politischer Expertise und globalen Institutionen. Gegenwärtig arbeitet Nikolas Kosmatopoulos an einem Manuskript, das vorläufig den Titel "Master Peace: Governing Violence in post-Civil War Lebanon" trägt.

Magda Seewald

ist seit 2005 Projektreferentin am VIDC mit einem regionalen Fokus auf die arabische Region, insbesondere Palästina. Zudem betreut sie die VIDC-Reihe zu den Umbrüchen in der arabischen Welt. Als eine der Genderreferentinnen am VIDC betreut sie zum einen den Bereich Gendersensibilisierung von Männern sowie das Mentoringprojekt für geflüchtete Frauen "Willkommen Freundin". Magda Seewald ist eine der Mitbegründer_innen des Netzwerks "REloading Feminismus". Ihre letzte Veröffentlichung als Mitherausgeberin ist der Sammelband "Krise, Revolte und Krieg in der arabischen Welt" (2017).

 

 

Kooperationen

Unterlagen zur Veranstaltung