Zeit und Ort

Montag, 15. Oktober 2018, 19:00 - 21:00 Uhr
Hauptbücherei Wien - Am Gürtel, Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Programm

Safa Belghith
freie Journalistin, Tunesien

Lena Meari
Institute of Women's Studies, Birzeit University, Palästina

Omaima Abou-Bakr
Cairo University und Women and Memory Forum, Ägypten

Moderation: Helmut Krieger, Universität Wien/VIDC
Begrüßung: Sybille Straubinger, VIDC


Veranstaltungssprachen: Englisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: seewald@remove-this.vidc.org

Unerhört? Frauenbewegungen in der arabischen Welt

"Don't categorize me" Foto © Mona Abaza
"Don't categorize me" Foto © Mona Abaza


Hintergrund

Während die arabische Welt in Europa vorwiegend mit Jihadismus, Krieg und Flucht assoziiert wird, werden ihre Aktivist_innen, Intellektuelle und Künstler_innen hier kaum mehr gehört.  Noch stärker gilt das für feministische und geschlechterkritische Initiativen aus dem arabischen Raum. Mit Stereotypen über patriarchale Gesellschaften und antimuslimischem Rassismus werden vielfältige frauen*bewegte Standpunkte, alternative Erzählungen und differenzierte Perspektiven aus arabischen Gesellschaften oft zum Schweigen und die damit verbundenen Hoffnungen, Zweifel, Einschätzungen und Analysen zum Verschwinden gebracht.

Diese Vielfältigkeit von feministischen und geschlechterkritischen Initiativen in Zeiten von Krise und Krieg bildet den Ausgangspunkt der Podiumsdiskussion. Mit Aktivistinnen und Akademikerinnen aus unterschiedlichen Generationen werden folgende Fragen diskutiert: Wie schätzen verschiedene feministische und geschlechterkritische Initiativen die Entwicklungen der letzten Jahre ein? In welchem Verhältnis stehen diese Akteur_innen zu den jeweiligen autoritären, repressiven Staaten? Wie ist das Verhältnis von islamischen zu so genannten säkularen Frauen*initiativen? Wie wichtig ist diese Trennlinie überhaupt? Inwiefern kann eine gemeinsame Basis für grundlegende politische Forderungen für den gesamten Raum gefunden werden? Welche Auseinandersetzungen mit feministischen, frauen- und geschlechterpolitischen Akteur_innen in Europa sind nötig und welche Kooperationen möglich?

Podium

Safa Belghith

studierte internationale Beziehungen am Higher Institute of Human Sciences der Al-Manar University in Tunis. Der Fokus ihrer Abschlussarbeit umfasst Medien, öffentliche Meinung und Politik. Zudem hat sie einen Abschluss in Englischer Linguistik, Literatur und Zivilisation der University of Manouba. Safa Belghith ist Co-Leiterin des Programms „The Tunis Exchange“, bei dem Teilnehmer*innen aus der ganzen Welt zusammenkommen, um über Schlüsselthemen zu diskutieren, mit denen Tunesien und die weitere Region konfrontiert sind.
Sie arbeitet auch als freiberufliche Journalistin, Dolmetscherin und wissenschaftliche Beraterin zu Fragen der tunesischen Politik, Frauenrechten und Transitional Justice. Zurzeit absolviert sie eine journalistische Ausbildung beim openDemocracy's Middle East Forum Team.

Lena Meari

ist Assistenzprofessorin für Kulturanthropologie am Department of Social and Behavioral Sciences und Direktorin des Institute of Women’s Studies an der Birzeit University in Palästina. Ihre Forschungsinteressen sind Geopolitik der Wissensproduktion, Subjektbildung in kolonialen Kontexten, Dekolonisierungsmethoden, kritische feministische Theorie und revolutionäre Bewegungen. Ihre Publikationen umfassen „Sumud: A Palestinian Philosophy of Confrontation in Colonial Prisons“ (2011), „Re-signifying `Sexual` Colonial Power Techniques: The Experiences of Palestinian Women Political Prisoners” und als Mitherausgeberin “Rethinking Gender in Revolutions and Resistance: Lessons from the Arab World” (2015).

Omaima Abou-Bakr

ist Professorin für Englische und Vergleichende Literaturwissenschaft am Department of English Language and Literature der Cairo University und  Gründungsmitglied des „The Women and Memory Forum“ sowie Vorstandsmitglied von „Musawah“. Zu ihren Forschungsinteressen zählen Frauenmystik und weibliche Spiritualität in Christentum und Islam, feministische Theologie sowie muslimische Frauengeschichte und Genderfragen in islamischen Diskursen. Eine ihrer Publikationen ist ein Band mit arabischen Übersetzungen grundlegender Artikel der christlichen feministischen Theologie und der islamischen feministischen Forschung: „Al-niswiyyah wa-al-dirasat al-diniyah: Feminism and Religious Studies“ (2012). Neuere Publikationen sind zwei Sammelbände von gesammelten Artikeln: „Feminist and Islamic Perspectives: New Horizons of Knowledge and Reform“(2013) und  „al-Niswiyyah wa-al-manzur al-islami“ (2013).

Helmut Krieger

ist Sozialwissenschafter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien sowie Konsulent des VIDC. Seine Forschungsschwerpunkte sind: der israelisch-palästinensische Konflikt, Bewegungen des politischen Islam in der arabischen Welt, kritische Staatstheorien und postkoloniale Theoriebildung. Aktuelle Veröffentlichungen sind unter anderem als Herausgeber „Food Sovereignty and Alternative Development in Palestine“ (2018) sowie „Krise, Revolte und Krieg in der arabischen Welt“ (2017, gemeinsam mit Magda Seewald und dem VIDC), sowie die Aufsätze „Syrien – Aufstand, Krieg und Flucht“ (2016) und „Das Ende der Hoffnung: Revolten in der arabischen Welt als diskontinuierlicher Prozess“ (2015). Des Weiteren ist er der österreichische Projektleiter des APPEAR-Projekts „Rooting Development in the Palestinian Context“, einer Hochschulkooperation zwischen der Universität Wien, der Birzeit University in der West Bank und der Al-Azhar University im Gazastreifen.



Kooperationen

Unterlagen zur Veranstaltung