Zeit und Ort

Montag, 21. Jänner  2013, 19:00 – 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie, Festsaal, Favoritenstraße 15a, 1040 Wien 

Programm

Podiumsdiskussion

Ghada Karmi, Institute for Arab and Islamic Studies, University of Exeter

Adam Hanieh, Department of Development Studies, SOAS, University of London

Moderation: Helmut Krieger, Insitut für Internationale Entwicklung, Universität Wien

Begrüßung: Magda Seewald, VIDC/Wiener Institut

Veranstaltungssprachen: Englisch und Deutsch mit Simultandolmetsch.

Jenseits von Neoliberalismus, Besatzung und Krieg

© OCHA


Hintergrund

Als Palästina vor wenigen Wochen in der UNO einen Beobachterstatus zugesprochen erhielt, schien knapp 20 Jahre nach Unterzeichnung des Osloer Abkommens die Zwei-Staaten Lösung in den Grenzen von 1967 Realität geworden zu sein – wenn auch nur für einen Moment. Zwar wurde die diplomatische Offensive der Autonomiebehörde bzw. der PLO unter Mahmoud Abbas mit überwältigender Mehrheit in der UN-Generalversammlung unterstützt, an der faktischen Situation der Besatzung und einer ökonomischen Eindämmung der palästinensischen Gebiete durch den israelischen Staat änderte sich allerdings nichts. Zugleich hatte wenige Tage vor der Abstimmung in der UNO der Gaza-Krieg einmal mehr verdeutlicht, wie sehr Krise und Krieg im israelisch-palästinensischen Konflikt präsent sind.
 
Wiewohl das Westjordanland und der Gazastreifen sehr unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen – hier eine begrenzte und nach wie vor prekäre Stabilisierung mithilfe einer neoliberalen Entwicklungsagenda westlicher Geberstaaten, dort Blockade und Krieg –, bleiben beide doch aufeinander bezogen und umfassen das, was als Palästina in der UNO formell anerkannt wurde. Zugleich ist evident, dass allein mit Milliardenstützungen der politischen und ökonomischen Eliten im Westjordanland bzw. mit der versuchten Abschnürung des Gazastreifens kein unabhängiger palästinensischer Staat entstehen kann.

Vor diesem Hintergrund sollen im Rahmen dieser Veranstaltung folgende Fragen diskutiert werden:

  • Was bedeutet ‚neoliberale Entwicklung‘ in den besetzten palästinensischen Gebieten? Was sind deren Widersprüche und Begrenzungen? Wie sind derartige Entwicklungen mit den Umbrüchen im arabischen Raum verknüpft?
  • Was sind grundsätzliche Voraussetzungen für eine gerechte Lösung? Wie kann eine solche Lösung aus polit-ökonomischer Perspektive konzeptualisiert werden?

Podium

Ghada Karmi

Sie ist zurzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute of Arab and Islamic Studies an der University of Exeter. Von 1999 bis 2001 leitete Ghada Karmi ein israelisch-palästinensisches Aussöhnungsprojekt am Royal Institute of International Affairs. Davor war die ausgebildete Ärztin in zahlreichen Projekten zum Thema Gesundheit von MigrantInnen und Flüchtlingen tätig und führte zahlreiche Forschungsaufträge zum Thema Kultur und Politik des Nahen Ostens für die School of Oriental and African Studies sowie die Universitäten von Durham und Leeds durch.

Zu ihren Veröffentlichungen zählen u.a. 'In Search of Fatima: a Palestinian Story' (2002), 'Married to another man: Israel’s dilemma on Palestine' (2007), 'The One-state solution' in Journal of Palestine Studies, vol XL, No.2, 2011, 62-77.

Adam Hanieh

Er ist Dozent für Internationale Entwicklung am Department of Development Studies an der SOAS in London. Davor unterrichtete er an der Zayed University in den Arabischen Emiraten. Von 1997-2003 arbeitete Adam Hanieh sowohl im NGO-Bereich als auch im öffentlichen Sektor in Ramallah, Palästina. 2009 schloss er sein Doktoratsstudium in Politikwissenschaft an der York University in Kanada ab. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. 'Capitalism and Class in the Gulf Arab States' (2011), 'International Financial Institutions and Egypt.’ In: African Awakening: The Emerging Revolutions (2011) und 'Finance, Oil and the Arab Uprisings: the Global Crisis and the Gulf States.’ In: Socialist Register, 48 (2012).

Helmut Krieger

Er ist Sozialwissenschafter und Lehrbeauftragter am Institut für Internationale Entwicklung der Uni Wien. Gegenwärtig arbeitet er in einem von der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit finanzierten Hochschulkooperationsprojekt mit dem Centre for Development Studies an der Birzeit University in der Westbank (siehe cds-ie.univie.ac.at/en/home.html). Seine Forschungsschwerpunkte sind: der israelisch-palästinensische Konflikt, Bewegungen des politischen Islam in der arabischen Welt, kritische Staatstheorien und Postkoloniale Theoriebildung.