Zeit und Ort

11. November 2009
18.00 – 21.00
Podiumsdiskussion im Albert Schweitzer Haus
Schwarzspanierstr. 13, 1090 Wien

12. November 2009
9.00 – 12.30
Workshops im C3-Centrum für internationale Entwicklung
Sensengasse 3, 1090 Wien

Einladung als PDF

Programm

11. November 2009

Heiner Flassbeck, UNCTAD-Chefökonom, Genf
Anuradha Mittal, The Oakland Institute, Kalifornien
(Absage)


Diskussion mit
Helene Schuberth, Oesterreichische Nationalbank
Thomas Wieser, Bundeministerium für Finanzen

Moderation: Elfriede Schachner, vidc

Veranstaltungssprachen: Englisch und Deutsch (Simultandolmetschung)

Programm

12. November 2009

9.00-10.30 Uhr
Von der Nahrungsmittelkrise zu einem nachhaltigen Rohstoffregime

Anuradha Mittal, The Oakland Institute
Kunibert Raffer, Universität Wien

11.00-12.30 Uhr
Vom Weltcasino zu einem neuen Bretton Woods?

Heiner Flassbeck, UNCTAD
Stephan Schulmeister, WIFO

Moderation: Karin Küblböck, ÖFSE

Internationale Tagung: Wege zu einer neuen Weltfinanzordnung

Systemische Antworten auf die Nahrungsmittel- und Finanzkrise

Hintergrund

Die Finanzkrise, die als Subprime-Krise in den USA ihren Ausgang genommen hat, hat in einer bisher nicht dagewesenen Weise weltweit die Realwirtschaft erfasst. Entwicklungsländer sind durch Einbrüche des Außenhandels und der Auslandsinvestitionen, durch Rückgang der Remittances und schlechteren Zugang zu internationalen Kapitalmärkten betroffen.

Neben einem drastischen Rückgang der Wachstumsraten von 8 % im Jahr 2007 auf geschätzte 1,6 % im Jahr 2009 kommt es – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt - auch zu einem drastischen Anstieg von Armut und Hunger. Vor Ausbruch der Krise waren insbesondere die Lebensmittel importierenden Länder mit explodierenden Nahrungsmittelpreisen aufgrund spekulativer Transaktionen konfrontiert. Die Weltbank schätzt, dass allein aufgrund der erhöhten Nahrungsmittelpreise vor Ausbruch der Krise die Anzahl der absolut Armen um 130 Millionen Menschen gestiegen ist. Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise werden zusätzlich 90 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze fallen.

Bei der aktuellen Diskussion über eine Regulierung der Finanzmärkte auf G20-Ebene werden wesentliche systemische Fragen, die insbesondere für Entwicklungsländer von Bedeutung sind, ausgespart: Die Rolle und der Reformbedarf des internationalen Weltwährungssystems sowie die Frage eines neuen Rohstoffpreisregimes. Diesen Fragen widmet sich diese Tagung.

Wie sind die Menschen insbesondere in den ärmsten Ländern von der Nahrungsmittel- und Finanzkrise betroffen? Wie wirkt sich die Rohstoff- Spekulation auf Nahrungsmittel importierende Länder aus? Wie müsste eine entwicklungsfreundliche Finanz- und Währungsordnung beschaffen sein, damit Entwicklungsländer ihre eigene Entwicklung gestalten können? Welche Rolle spielen die internationalen Finanzinstitutionen wie IWF und Weltbank, die UNO und G20?  Diese Fragen und mögliche Wege aus der Krise, entwicklungspolitische Strategien und Lösungsvorschläge werden bei der Tagung diskutiert.

In den Workshops wurden die Vorschläge für ein neues Währungsregime sowie Rohstoffpreisregime genauer vorgestellt, sowie Übergangsszenarien und politische Umsetzungsfragen diskutiert.

 

Podium

Heiner Flassbeck, UNCTAD, Genf

Flassbeck ist seit 5 Jahren Chefökonom der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) und Direktor der UNCTAD-Abteilung „Globalization and Development Strategies“ in Genf. Er leitet die 2008 gegründete UNCTAD-Taskforce zur Finanzkrise. Flassbeck hat maßgeblich am UNCTAD-Bericht zur globalen Wirtschaftskrise mitgearbeitet: Der Bericht geht vor allem auf Finanzregulierung, Handel von Rohstoffen und Währungsfragen ein. Der deutsche Wirtschaftswissenschaftler hat im März seine neue Publikation vorgestellt: „Gescheitert. Warum die Politik vor der Wirtschaft kapituliert“.

Karin Küblböck

Küblböck ist Ökonomin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) im Bereich Internationale Entwicklungspolitik und Weltwirtschaft und Lektorin am Projekt Internationale Entwicklung an der Universität Wien.

Anuradha Mittal

Die Inderin Mittal leitet das Oakland Institute, einen politischen Think Tank  in Kali­fornien und ist Expertin im Bereich Nahrungsmittelkrise, Handel, Landwirtschaft, Ent­wicklung und Menschenrechte. Sie war Co-Direk­torin des Institute for Food and Development Policy/Food First. 2004 gründete sie das Oakland Institut. Sie ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher Artikel, hat regelmäßig Auftritte in Fernsehen und Rundfunk und nahm an vielen internationalen Tagungen teil.

Kunibert Raffer

Raffer ist Professor am Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien mit den Forschungsschwerpunkten Internationaler Handel, Internationale Finanzen und Entwicklungshilfe. Er hat unzählige Artikel und Bücher verfasst. Er arbeitet derzeit am Buch “Debt Management for Development. Protection of the Poor and the Millennium Development Goals“, das nächstes Jahr erscheinen wird.

Elfriede Schachner

Schachner ist seit 1991 im entwicklungspolitischen Bereich tätig: zuletzt Geschäftsführerin der AGEZ, des Dachverbands entwicklungspolitischer NGOs in Österreich. Seit 2008 ist sie im vidc entwicklungspolitische Expertin und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit.

Helene Schuberth

Die Wirtschaftswissenschaftlerin ist Senior Advisor in der Abteilung Volkswirtschaft der Oesterreichischen Nationalbank. Sie ist Verfasserin zahlreicher Publikationen.

Stephan Schulmeister

Schulmeister ist Ökonom und Jurist und seit 1972 wissenschaftlicher Mitarbeiter im WIFO, dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung. Er ist vor allem für längerfristige Wirtschaftsentwicklung, internationalen Handel und Finanzmärkte zuständig. Seine Forschungsbereiche umfassen Industrieökonomie, Innovation und internationaler Wettbewerb.

Thomas Wieser

Der Ökonom und Finanzexperte ist seit 1999 Sektionsleiter der Sektion III - Wirtschaftspolitik und Finanzmärkte im Bundesministerium für Finanzen. In dieser Funktion ist er unter anderem Mitglied im Wirt­­schafts- und Finanzausschuss der EU, seit April 2009 dessen Vorsitzender.