Zeit und Ort

Montag, 21. Jänner 2019, 19:00 - 21:00 Uhr
Hauptbücherei Wien - Am Gürtel, Veranstaltungssaal
Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Programm

Dimitré Dinev
Literaturpreisträger der edition-exil 2000, aufgewachsen in Bulgarien, lebt heute in Wien

Barbi Marković
Literaturpreisträgerin der edition-exil 2015, aufgewachsen in Serbien, lebt heute in Wien

Sahel Rustami
Literaturpreisträger der edition-exil 2018, aufgewachsen in Afghanistan, lebt heute in Klosterneuburg

Moderation: Karoline Thaler, ORF-Journalistin, Wien
Begrüßung: Sybille Straubinger, VIDC

Anmeldung: fanizadeh@remove-this.vidc.org

Arrived!? Reading and talk with Dimitré Dinev, Barbi Marković and Sahel Rustami


Hintergrund

Regrettably, this information is only available in German.

Sie mussten aus unterschiedlichsten Gründen ihre Herkunftsländer verlassen. Krieg, Armut, religiöser Extremismus, Nationalismus und ideologische Enge sind die immer gleichen Begleiter auf dem Weg ins Exil, das manchmal auch zur neuen Heimat werden darf. In ihren Werken verarbeiten die Autor*innen eigene und fiktive Erlebnisse des Ankommens in Österreich. Sie veröffentlichen Geschichten über die anhaltende Präsenz der Fluchterfahrung, über Gewalt, Ausbeutung und Rassismus. Im Mittelpunkt steht aber auch die Aneignung neuer Lebensrealitäten, Freundschaften und Möglichkeiten.

Mit Dimitré Dinev, Barbi Marković und Sahel Rustami präsentiert das VIDC drei Preisträger*innen des Literaturpreises „Schreiben zwischen den Kulturen“ der Wiener edition-exil und diskutiert mit ihnen über ihre Erfahrungen mit dem „Ankommen“.

Textausschnitte

„Arbeit war ein magisches Wort. Alle anderen waren ihm unterworfen. Es allein bestimmte alles. Arbeit war mehr als ein Wort, es war die Rettung. „Ich suche Arbeit“, war der erste Satz, den Spas auf Deutsch gelernt hatte. „Hast du schon Arbeit gefunden?“ „Hast du von einer Arbeit gehört?“ fragten die Flüchtlinge einander jeden Tag. Spas entdeckte, daß die Flüchtlinge sich untereinander, egal, was sie vorher gewesen waren, in zwei Gruppen teilten: in solche, die Arbeit hatten, und in solche, die keine hatten. Man traf sich lieber mit solchen, die eine hatten.“
(Aus der Erzählung „Spas schläft“ von Dimitré Dinev)

„Der Polizist nimmt deinen Namen auf: XY
Es ist sehr schwer zu beweisen, dass man derjenige ist, für den man sich ausgibt. Vor allem, wenn man keine Familie, kein Haus und keinen Arbeitsplatz hat.
* Beweise, dass du derjenige bist, für den du dich ausgibst.
Dass du transsexuell bist, glauben sie dir sofort. Wegen deiner Art, und vor allem wegen deiner Unterwäsche. Eine Frau, die für dich zuständig ist, macht einen administrativen Fehler und versperrt dir alle Wege.“
(Aus der Erzählung „Walkthroughs“ von Barbi Marković)

„Der letzte Berg wird für viele von uns nie kommen. Vielleicht schaffen es einige in ein sicheres Leben. Aber für den Großteil werden die Schwierigkeiten nie aufhören. Es wird immer wieder Leute wie unseren Schlepper geben, die aus dem Leid anderer Profit schlagen. Sie machen den Menschen Hoffnungen und lassen sie doch im Stich. Sie türmen immer neue Berge vor ihnen auf. Wo ist der letzte Berg?“
(Aus der Erzählung „Berge“ von Sahel Rustami)

Podium

Dimitré Dinev

geboren 1968 in Bulgarien, besuchte das Bertolt-Brecht-Gymnasium in Plovdiv; ab 1986 erste Veröffentlichungen in bulgarischer, russischer und deutscher Sprache. 1990 Flucht nach Österreich, Studium der Philosophie und der russischen Philologie in Wien. Sein erster Roman, „Engelszungen“ (Deuticke, 2003), wurde mehrfach ausgezeichnet und zu einem großen Erfolg bei Kritik und Publikum. Dinev lebt als freier Schriftsteller in Wien.
Bücher:
Die Inschrift (Erzählungen), Edition Exil, Wien 2001
Engelszungen (Roman), Deuticke Verlag, Wien 2003 
Ein Licht über dem Kopf (Erzählungen), Deuticke Verlag, Wien 2005
Barmherzigkeit (Essays, Burgtheaterrede), Residenzverlag, St. Pölten 2010 
Theater (Auswahl):
Topalovic & Söhne (Operette) UA 2014, Eggenfelden
Alice im Wunderland (Neubearbeitung des Stoffes), UA 2015 Sommerspiele Melk
Whatever Works (Oper, Libretto) UA 2015 Rabenhof, Wien (im Rahmen von „Wien Modern“)

Barbi Marković

geboren 1980 in Belgrad, studierte Germanistik in Belgrad und Wien. In Belgrad arbeitete sie als Lektorin im Rende-Verlag. Sie lebt seit 2009 in Wien, 2011/2012 war sie Stadtschreiberin in Graz, die Ergebnisse aus dieser Zeit erschienen 2012 als „Graz Alexanderplatz“. 2009 machte sie mit dem Thomas Bernhard-Remix-Roman „Ausgehen“ (Izlazenje, 2006) als Popliteratin einer neuen Generation Furore. Es folgen Kurzgeschichten, Theaterstücke, Hörspiele sowie zahlreiche Preise und Stipendien. „Superheldinnen“ (Residenz Verlag) ist der erste Roman, den Barbi Marković teilweise auf Deutsch und teilweise auf Serbisch geschrieben hat. Für „Superheldinnen“ erhält sie 2016 den Alpha Literaturpreis, 2017 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert Bosch Stiftung.

Sahel Rustami

wurde 1999 in Logar/Afghanistan geboren. Im Alter von 16 Jahren flüchtete er mit seiner Familie vor den Taliban. An der iranischen Grenze wurde er von seiner Familie getrennt. Er kam als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling im Dezember 2015 nach Österreich. Sahel Rustami lebt heute bei einer Familie in Klosterneuburg. Er erhielt im Sommer 2017 eine Aufenthaltsberechtigung und besucht erfolgreich die 3. Klasse der HTL für Bautechnik „Camillo Sitte“. Von seiner Familie hat er seit der Trennung auf der Flucht nichts mehr gehört.

Karoline Thaler

Geboren 1983 in Klagenfurt. Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Studium der Germanistik. Seit 2010 Redakteurin in der ORF Kulturredaktion. Beiträge für die aktuelle Berichterstattung Zeit im Bild, die wöchentliche Kulturmatinee, das wöchentliche Kulturmagazin Kulturmontag (ORF2) und die Kulturzeit (3Sat). Seit 2018 auch Beiträge für die Magazine Feierabend, Orientierung und Kreuz und Quer (ORF2).
Dokumentationen:
2014: Blitzgescheit, gut ausgebildet, weiblich; 34 Min. ORF2
2015: Vergesst uns nicht, erzählt es weiter – Die letzten Zeugen; 45 Min. ORF2
2018: Älter werden; 45 Min. ORF2

Sybille Straubinger

ist seit August 2018 die geschäftsführende Direktorin des VIDC. Seit 2004 ist sie Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin mit den Themenschwerpunkten Kultur und Wissenschaft. Von Juni 2016 bis März 2018 war sie Landesgeschäftsführerin der SPÖ Wien. Von 2001 bis 2005 hat sie im Bereich Public Relations gearbeitet. In den Jahren davor war sie als parlamentarische Mitarbeiterin und freie Journalistin tätig. Straubinger hat Politikwissenschaft an der Universität Wien und General Management (MBA) an der TU Wien/DU Krems studiert.

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