Zeit und Ort

Dienstag, 21. April 2015, 19:00 - 21:00 Uhr
Albert Schweitzer Haus, Schwarzspanierstraße 13
1090 Wien

Programm

Ala Al-Hamarneh
Zentrum für Forschung zur arabischen Welt, Universität Mainz

Charlotte Wiedemann
freie Journalistin, Berlin

Moderation
Helmut Krieger
Institut für internationale Entwicklung der Universität Wien

Begrüßung: Magda Seewald, VIDC

Veranstaltungssprache: Deutsch

Anmeldung an: seewald@remove-this.vidc.org

Jihadismus und Krieg

© istock/portishead1
© istock/portishead1


Hintergrund

Mit dem (Wieder-)Aufstieg jihadistischer Organisationen im Irak, in Syrien, in Libyen, in Ägypten und dem Jemen hat der Krieg vollends die ehemals hoffnungsfrohen Aufbrüche in der arabischen Welt erstickt. Formationen wie der Islamische Staat (IS) samt mit ihm verbündeten Gruppen bauen dabei lokale oder regionale Machtzentren auf, um ihre Vision einer Neuordnung des gesamten Raums durchsetzen zu können. Demgegenüber steht eine Allianz arabischer Staaten mit den USA und der EU, die – so das Argument – mit umfassenden Mitteln jihadistische Organisationen einzudämmen versucht. So flog allein die US-Luftwaffe in den letzten Monaten mehr als 2.300 Luftangriffe gegen (vermeintliche) Stellungen des IS in Syrien und dem Irak.

Krieg hinterlässt immer umfassende soziale Verwüstungen und Traumatisierungen. Wenn mittlerweile die Hälfte der syrischen Bevölkerung auf der Flucht ist und zu (intern) Vertriebenen wird, lässt sich ungefähr erahnen, wie sehr auf Jahrzehnte hinaus die gesellschaftliche Entwicklung in Ländern wie Syrien oder dem Irak vom Krieg bestimmt sein wird.
Kann der von den USA angeführte aktualisierte Krieg gegen den Terror, der kaum mehr Widerspruch provoziert, überhaupt zu einer Beruhigung der Lage führen? Wie lassen sich die komplexen Allianzen und geostrategischen Bruchzonen im gegenwärtigen Krieg in der arabischen Welt analysieren? Wer ist überhaupt der IS, was sind dessen ideologischen Fundamente, und wie lässt sich sein Aufstieg erklären?
Zugleich hat sich in westlichen Berichterstattungen über Jihadismus vielfach ein mediales Muster verankert, das paradoxerweise eben diesen Organisationen mehr als gelegen kommt: Dämonisierungen und orientalistische Deutungsmuster von dem, was als ‚Islam‘ verstanden wird. Wie lassen sich demgegenüber differenzierte Perspektiven einnehmen? Was beinhaltet eine grundlegende Kritik am Jihadismus, die sich jenseits antimuslimischer Rassismen ansiedelt?

Podium

Ala Al-Hamarneh

ist in Jordanien geboren und aufgewachsen und zurzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Forschung zur arabischen Welt (ZEFAW) und am Geographischen Institut der Universität Mainz tätig.  Zuletzt war er auch als Gastprofessor für „Moderne Arabische Gesellschaft“ an der Sharjah Universität in den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören neoliberale Urbanisierung, Geopolitik, Globalisierungsprozesse, internationale Migration und Tourismus. Al-Hamarneh ist Mitglied verschiedener internationaler akademischer Organisationen und berät als Experte diverse Forschungsinstitute und Nichtregierungsorganisationen, die in arabischen Ländern aktiv sind.
Zu seinen Publikationen zählen unter anderem: Islam and Muslims in Germany (Mitherausgeber mit Jörn Thielmann) 2008, Globalisierung von Hochschulbildung in der Arabischen Welt: Eine Chance für die internationale Expansion deutscher Hochschulen?“ in Maaß, Kurt-Jürgen, Bernd Tharun (Hg): Deutsche Hochschulen im Dialog mit der Arabischen Welt. – Wissensraum Europa-Mittelmeer (2009).

Charlotte Wiedemann

ist seit 35 Jahren politische Journalistin und arbeitet seit geraumer Zeit zum Schwerpunkt islamische Lebenswelten. Sie wohnte einige Jahre in Malaysia und unternahm danach von Deutschland aus regelmäßig Recherchereisen in muslimische Länder, von Saudi-Arabien bis Bosnien. Vor Ort untersuchte sie die Folgen der arabischen Aufstände in Jemen, Tunesien, Ägypten und hielt sich immer wieder in Mali auf. Daraus entstand ihr jüngstes Buch: „Mali oder das Ringen um Würde“ (München 2014). Gegenwärtig ist sie öfter in Iran.
Charlotte Wiedemann schreibt Reportagen für GEO, Analysen für die ZEIT, Essays für Le Monde Diplomatique und „qantara.de“, Kolumnen für die „Tageszeitung“. Ihr Buch „Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben. Oder: Wie Journalismus unser Weltbild prägt“ (Köln 2012) ist ein Plädoyer gegen eurozentrische Stereotype in den Medien. In diesem Sinne arbeitet auch „Sawasya“ (arab.: Gleichheit), ein von Wiedemann gegründeter Fond für interkulturelles Verständnis.

Helmut Krieger

ist Sozialwissenschafter und wissenschaftlicher Projektmitarbeiter am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien sowie Konsulent des VIDC. Seine Forschungsschwerpunkte sind: der israelisch-palästinensische Konflikt, Bewegungen des politischen Islam in der arabischen Welt, kritische Staatstheorien und postkoloniale Theoriebildung. Eine seiner aktuellsten Veröffentlichung ist: Umkämpfte Staatlichkeit. Palästina zwischen Besatzung, Entwicklung und Islam. Wiesbaden (erscheint im Frühjahr 2015).

Magda Seewald

ist seit 2005 Projektreferentin am VIDC. Ihr regionaler  Focus liegt im Nahen Osten, insbesondere Palästina, wo sie auch lokale Projekte koordiniert. Zudem  betreut sie die VIDC-Reihe zu den Umbrüchen in der arabischen Welt. Zu ihren weiteren Arbeitsschwerpunkten zählen Gender, Gendersensibilisierung von Männern und Burschen sowie Gender und bewaffnete Konflikte. Sie studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien.

Kooperationen

Unterlagen zur Veranstaltung