Zeit und Ort

Dienstag, 6. März 2018, 19:00 – 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie Wien, Festsaal
Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Setara Hassan
Sozialwissenschaftlerin und Journalistin bei Zan TV, dem ersten Fernsehsender von und für Frauen in Afghanistan

Sanaa Alimia
Politologin, derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz Zentrum Moderner Orient in Berlin, Deutschland/Pakistan

Jelena Bjelica
Publizistin, Afghanistan Analysts Network

Moderation
Ali Ahmad, VIDC

Eröffnung
Michael Fanizadeh, VIDC

Veranstaltungsprachen: Englisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: fanizadeh@vidc.org

Afghanistan in Pakistan

© Noorullah Shirzad
© Noorullah Shirzad


Hintergrund

Pakistan hat in den letzten vier Jahrzehnten Millionen afghanischer Flüchtlinge beherbergt. Nach der US-geführten Invasion im Jahr 2001 und dem darauf erfolgten Sturz des Taliban-Regimes sind viele dieser Flüchtlinge wieder nach Afghanistan zurückgekehrt. Dennoch leben derzeit immer noch an die drei Millionen afghanische Flüchtlinge in Pakistan, wobei mehr als eine Million Afghan_innen nicht vom UNHCR registriert wurden und daher ohne offiziellen Aufenthaltsstatus im Land leben. 2016 begann Pakistan, afghanische Flüchtlinge massenhaft zu vertreiben. Die NGO Human Rights Watch spricht von 600.000 Betroffenen und bezeichnete die Vertreibung afghanischer Flüchtlinge 2016 als „die größte rechtswidrige Massenabschiebung von Flüchtlingen in jüngster Zeit“. 2017 mussten weitere 100.000 Flüchtlinge aus Pakistan nach Afghanistan zurückkehren, und im Jänner 2018 hat die pakistanische Regierung die Gültigkeit von Aufenthaltsberechtigungen für afghanische Flüchtlinge nur für weitere 30 Tage verlängert. Wirtschaftliche und sicherheitspolitische Bedenken werden als Hauptgründe dafür angeführt und nähren die Befürchtung vor weiteren Massenabschiebungen.

Die abgeschobenen Afghan_innen kehren in ein Land zurück, dessen Sicherheitslage nach wie vor katastrophal ist. Das US-Außenministerium warnt daher auf seiner Homepage im Jänner 2018 wegen der hohen Zahl von „Entführungen, Geiselnahmen, Selbstmordattentaten, weitverbreiteten militärischen Kampfhandlungen, Landminen, terroristischen und aufständischen Angriffen“ vor Reisen in alle Teile des Landes.

Podium

Setara Hassan

wurde in Afghanistan geboren und wanderte als Teenagerin nach Dänemark aus. Sie machte ihren Master in Internationaler Wirtschaft und Politik an der Kopenhagener Business School und kehrte danach als Mitarbeiterin eines UNO-Programms wieder nach Afghanistan zurück. Seitdem ist sie in zahlreichen Entwicklungsprojekten und Diaspora-Programmen in Afghanistan tätig. Einen Schwerpunkt setzt sie bei ihren Aktivitäten auf die Förderung und Ermächtigung von Frauen. Derzeit ist sie Leiterin von Zan TV, einem Fernsehsender, der sich hauptsächlich mit Frauenfragen und -herausforderungen in Afghanistan befasst.

Sanaa Alimia

ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz Zentrum Moderner Orient in Berlin. Alimia besitzt einen PhD des Department für Politik and Internationale Studien der SOAS Universität in London, wo sie von 2011 – 2014 als Lehrbeauftragte tätig war. Sie war von 2013-2014 und wieder von 2016-2017 Gastprofessorin am Institut für Politikwissenschaft der Universität in Peshawar in Pakistan. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Situation afghanischer Flüchtlinge in Pakistan. 2018 erscheint ihr Buch „Afghan Refugees in Pakistan“.

Jelena Bjelica

ist Publizistin mit einem MA in Journalismus von der Cardiff University. Seit Oktober 2015 ist sie beim Afghanistan Analysts Network als Wissenschaftlerin engagiert. Zwischen 2010 und 2014 arbeitete sie im Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Afghanistan und später beim Afghanistan Center der Universität Kabul (ACKU). Bevor sie für die Vereinten Nationen tätig war, arbeitete sie als Journalistin und berichtete aus dem Kosovo, Mazedonien und Südserbien. 2003 wurde Bjelica für ihr journalistisches Engagement von Reporter ohne Grenzen mit dem Press Freedom Award geehrt.

Ali Ahmad

arbeitet am VIDC an einer Arbeitsmarktanalyse (mit Genderfokus) für Afghanistan. Er ist Arzt und Forscher mit einem Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Sicherheits- und Arbeitsbedingungen in Afghanistan, nichtstaatliche Sicherheitsakteur_innen, gewaltfreie Strategien, die Außenpolitik Afghanistans, Gender und Friedensjournalismus. Als Journalist hat er in zahlreichen internationalen Medien zu Afghanistan publiziert. Vor seinem Umzug nach Wien lebte und arbeitete er in Kabul, Afghanistan.

Michael Fanizadeh

ist Politologe und arbeitet seit 1997 am VIDC. Seine Arbeitsbereiche sind Migration und Entwicklung, Menschenrechte und Antirassismus. Sein regionaler Schwerpunkt liegt auf dem Mittleren Osten und der Schwarzmeerregion.