Zeit und Ort

Donnerstag, 17. Mai 2018, 19:00 - 21:00 Uhr
Diplomatische Akademie, Festsaal
Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Programm

Hazar Hijazi
Mitbegründerin der feministischen Bewegung Falastinyyat

Nidaa‘ Nassar
Baladna  Association for Arab Youth, Haifa

Tom Pessah
Vorstandsmitglied von Zochrot, Tel Aviv

Moderation
Helmut Krieger, Universität Wien/VIDC

Eröffnung
Magda Seewald, VIDC

Veranstaltungssprachen: Englisch und Deutsch mit Simultandolmetschung

Anmeldung: seewald@remove-this.vidc.org

Der lange Schatten von 1948. Die umkämpfte Geschichte Israels und Palästinas

©istock/joel carillet
©istock/joel carillet


Hintergrund

Mit den Ende März begonnenen Demonstrationen im Gazastreifen rückt der 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels am 14. Mai wieder ins Zentrum internationaler Aufmerksamkeit, da bei diesen Demonstrationen das Rückkehrrecht der Geflüchteten von 1948 und ihrer Nachkommen eingefordert wird. Bislang wurden dabei tausende Palästinenser_innen verletzt und mehr als 40 Menschen von der israelischen Armee erschossen.
Während das offizielle Israel das Datum der Staatsgründung feierlich begeht, erinnert die „Nakba“ (dt. Katastrophe) an die Vertreibung und/oder Flucht von mehr als 750.000 Palästinenser_innen aus dem historischen Palästina im Jahr 1948. Der Jahrestag stellt somit einen Eckpfeiler einer umkämpften Geschichte dar, die kaum Spielraum für die Entwicklung gemeinsamer Narrative bereithält. Damit stellt sich die Herausforderung, auf welche Weise jene Geschichte aus der Perspektive von Marginalisierten geschrieben werden kann.
Wie ist die Nakba in der gegenwärtigen israelischen Gesellschaft präsent? Inwiefern lassen sich die Ereignisse von 1948 mit der aufrechten Besatzung der palästinensischen Gebiete durch den israelischen Staat vereinbaren? Wie gehen heutige Aktivist_innen und Intellektuelle mit dieser umkämpften Geschichte um? Was wären grundlegende Elemente einer gemeinsamen Erzählung der Geschichte von 1948?

Podium

Hazar Hijazi

wurde in Akko (Acre) geboren. Sie ist eine feministische Aktivistin und Mitbegründerin der palästinensischen Initiative „Falastinyyat“. Falastinyyat (dt. „Palästinenserinnen“) versteht sich als eine feministische Bewegung, die Anfang 2013 gegründet wurde, um Palästinenser_innen bei der Bewältigung kultureller und psychologischer Folgen der israelischen Kolonisierung zu unterstützen. Die Grundidee dabei ist, dass Befreiung von Kolonisierung mit einem Prozess von innerer Befreiung beginnen müsse. Um das zu erreichen, nutzt Hazar Hijazi therapeutische Ansätze aus der Kunst- sowie Bibliotherapie. Hazar Hijazi hat einen MA-Abschluss in Expressiver Kunsttherapie und hat sich auf Bibliotherapie von Kindern und Jugendlichen mit speziellen Bedürfnissen spezialisiert.

Nidaa‘ Nassar

ist die Direktorin von „Baladna – Arab Youth Association“ mit Sitz in Haifa. Sie arbeitete bislang in verschiedenen palästinensischen zivilgesellschaftlichen Organisationen, darunter:
„Al-‎Manarah - Association for Persons with Disabilities in the Arab Community”, „Women Against Violence” (WAV), „Assiwar - The Feminist Arab Movement” und „Elhawakeer – Association for Society, Agriculture and Environment Development” (Nazareth). Darüber hinaus war Nidaa‘ Nassar in verschiedenen Forschungsprojekten am Mada al-Carmel Arab Center for Applied Social Research tätig und publizierte dabei unter anderem Leitfäden für die Arbeit mit Jugendlichen. 
Sie ist des Weiteren eine zentrale Person in verschiedenen Initiativen und Bewegungen, unter anderem in der Bewegung gegen den Prawer-Begin Plan, dem „Committee against Civil Service“ (für palästinensische Bürger_innen Israels) und dem „Committee against Murder of Women“. Daneben ist sie noch Vorstandsmitglied von „Balad“, dem „Nationalen Demokratischen Bündnis“.
Nidaa Nassar hat einen BA-Abschluss in Social Work und einen MA-Abschluss in Conflict Research der Hebrew University in Jerusalem.

Tom Pessah

ist ein israelischer Soziologe und Aktivist, geboren und aufgewachsen in Tel Aviv. Im Jahr 2014 promovierte er an der University of California, Berkeley. Das Thema seiner Dissertation war die Darstellung ethnischer Säuberungen in Siedlerkolonialgesellschaften. Pessah ist Vorstandsmitglied von „Zochrot“ („Erinnerung" auf Hebräisch), einer israelischen NGO, die im Jahr 2002 gegründet wurde. Zochrot sieht die Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge als unerlässliche Form der Entschädigung, die aus der Nakba folgt, und als Chance für ein besseres Leben für alle Bewohner_innen des Landes. Pessah hat viele Artikel in Hebräisch und in Englisch geschrieben, um das Bewusstsein für diese Ideen bei der jüdisch-israelischen Öffentlichkeit zu stärken.

Helmut Krieger

ist Sozialwissenschafter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien sowie Konsulent des VIDC. Seine Forschungsschwerpunkte sind: der israelisch-palästinensische Konflikt, Bewegungen des politischen Islam in der arabischen Welt, kritische Staatstheorien und postkoloniale Theoriebildung. Aktuelle Veröffentlichungen sind unter anderem als Herausgeber „Food Sovereignty and Alternative Development in Palestine“ (2018) sowie „Krise, Revolte und Krieg in der arabischen Welt“ (2017, gemeinsam mit Magda Seewald und dem VIDC), sowie die Aufsätze „Syrien – Aufstand, Krieg und Flucht“ (2016) und „Das Ende der Hoffnung: Revolten in der arabischen Welt als diskontinuierlicher Prozess“ (2015). Des Weiteren ist er der österreichische Projektleiter des APPEAR-Projekts „Rooting Development in the Palestinian Context“, einer Hochschulkooperation zwischen der Universität Wien, der Birzeit University in der West Bank und der Al-Azhar University im Gazastreifen.

Magda Seewald

ist seit 2005 Projektreferentin am VIDC mit einem regionalen Fokus auf die arabische Region, insbesondere Palästina. Zudem betreut sie die VIDC-Reihe zu den Umbrüchen in der arabischen Welt. Als eine der Genderreferentinnen am VIDC betreut sie zum einen den Bereich Gendersensibilisierung von Männern sowie das Mentoringprojekt für geflüchtete Frauen Willkommen Freundin. Magda Seewald ist eine der Mitbegründer_innen des Netzwerks „REloading Feminismus“. Ihre letzte Veröffentlichung als Mitherausgeberin ist der Sammelband „Krise, Revolte und Krieg in der arabischen Welt“ (2017).