Nachruf auf Horst Watzl


„Er war wie ein großer Bruder für mich.“ Diese Worte des äthiopischen Musikers Samuel Yirga fassen zusammen, was Horst für so viele von uns war: ein Mensch mit großer Empathie und Wärme. Vor 30 Jahren gründeten wir gemeinsam die Initiative „kulturen in bewegung“ mit dem Ziel, Kunst und Kultur – und damit andere Lebensentwürfe aus dem Globalen Süden – in österreichische Dörfer und Stadtteile zu tragen. Über 25 Jahre lang prägte Horst mit unermüdlicher Hingabe die Arbeit dieser Initiative am VIDC.

Horst war ein Träumer und Weltverbesserer, der nicht nur darüber sprach, sondern danach lebte und handelte. Er war ein aufmerksamer Zuhörer, der sich stets für sein Gegenüber interessierte und sich selbst nie in den Mittelpunkt stellte.

Wer mit Horst bei Festivals oder in Clubs unterwegs war, traf immer wieder Künstler*innen, die ihn mit einer spontanen Umarmung begrüßten. Viele von ihnen hatte er auf ihrem künstlerischen Weg mit enormem Engagement und kreativen Ideen begleitet. Diese Momente zeigten, wie sehr er geschätzt wurde – nicht nur als Förderer, sondern auch als Freund.

In Linz und Wels ging Horst zur Schule, bevor er 1980 nach Wien zog, um Publizistik und Politikwissenschaft zu studieren. Er setzte sich für ein multikulturelles Zentrum ein und begann 1994 seine Arbeit beim VIDC. Neben seiner kulturellen Tätigkeit blieb der Radsport seine große Leidenschaft. Mit Freund*innen unternahm er ausgedehnte Marathonfahrten durch zahlreiche mittel- und osteuropäische Länder. Doch Horst blieb stets ein Genussradler und Genussmensch. 2025 schrieb er über die von ihm mitgegründete Radrundfahrt „In Velo Veritas“: „Bei uns steht nicht die Höchstleistung, sondern Vergnügen und Freude im Mittelpunkt.“

Bei seiner Pensionierung war Horst voller neuer Ideen und Tatendrang – etwa für den Aufbau eines Radmuseums. Die Umsetzung all dieser schönen Pläne war ihm durch seine Erkrankung nicht mehr vergönnt.

Sein Verlust erfüllt uns mit tiefer Trauer. Wir werden Horst sehr vermissen. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Frau, seinen beiden Kindern und seinen Enkeln.

Franz Schmidjell für das Team des VIDC

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