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David Gamsjäger, gamsjaeger@vidc.org
Magda Seewald, seewald@vidc.org
Nadja Schuster, schuster@vidc.org

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Gender-TANDEM-Training

Gendersensibilisierung und Empowerment im Migrationskontext


VIDC Global Dialogue beschäftigt sich bereits seit 2010 mit Maskulinitäten im Migrationskontext und der Einbindung von Burschen* und Männer* in Gleichstellungsprogramme. Seit 2016 führt das VIDC in Kooperation mit verschiedenen afghanischen Vereinen Gender-TANDEM-Trainings für afghanische Männer* mit bisher rund 470 Teilnehmern* durch. Seit Anfang 2020 werden die Trainings auch für Frauen* und Mädchen* angeboten. Das Angebot wurde zunächst um Trainings für Afghaninnen* und anschließend um Trainings für Syrerinnen* erweitert. Bisher nahmen 260 afghanische und syrische Frauen* daran teil. Seit 2025 gibt es auch ein Angebot für syrische Männer*. 2026 erfolgt zum ersten Mal eine Zusammenarbeit mit einem somalischen Verein. Durchschnittlich sind 12-16 Teilnehmende ab 16 Jahren pro Trainingszyklus vorgesehen.

Zielsetzung

Das Gender-TANDEM-Training zielt darauf ab, Männer* und Frauen* aus migrantischen Communities für Geschlechtergerechtigkeit zu sensibilisieren, ihnen neue Perspektiven zu eröffnen und ihnen Werkzeuge in die Hand zu geben, um über Kosten und Nutzen von Geschlechterkonstruktionen zu reflektieren. In einem geschützten Raum (Safe Space) werden Tabuthemen, Ängste und Erfahrungen besprochen und Strategien zum Empowerment und zur Gewaltprävention entwickelt. Durch das Training wird ein Empowerment- und Sensibilisierungsprozess angestoßen, der über das Training hinauswirken soll.

Erfolgsfaktor TANDEM

Ein interkulturelles Tandem, das sich aus einem Trainer*/einer Trainerin* aus der Mehrheitsgesellschaft und einem Trainer*/einer Trainerin* aus der migrantischen Community zusammensetzt, arbeitet auf Augenhöhe bzw. gleichberechtigt zusammen. Dieses Tandem-Prinzip ist ein wichtiger Erfolgsfaktor und unterscheidet unser Training von anderen Angeboten. Es hat wesentlich zum Erfolg und zur großen Nachfrage der Trainings beigetragen.

Was sind die Vorteile des interkulturellen Tandems?

  1. Es wird keine externe Dolmetschung benötigt.
  2. Es kann schneller Vertrauen aufgebaut werden.
  3. Kultursensibles Arbeiten wird ermöglicht.
  4. Unterschiedliche Kompetenzen der Trainer* und Trainerinnen* werden eingebracht (Z.B. Gender- und Sprachkompetenzen, methodische und kulturelle Kompetenz, Trainingserfahrung).

Training of Trainers

Im Rahmen eines zweitägigen Training of Trainers werden Trainer* und Trainerinnen* aus der jeweiligen Community und der Mehrheitsgesellschaft ausgebildet und die Tandems gebildet, die in weiterer Folge die Trainings durchführen.

Gender-TANDEM-Training

Das Tandem Training umfasst vier aufeinander aufbauende Module (Workshops) zu jeweils vier Stunden zu den folgenden Themenbereichen:

Modul 1: Geschlechter(un)gerechtigkeit
Modul 2: Psychische, körperliche, reproduktive und sexuelle Gesundheit
Modul 3: Familie und Gewalt(-freiheit)
Modul 4: Existenzsicherung

Mit einem Methodenmix aus der emanzipatorischen, genderreflektierenden Pädagogik werden diese Themen mit den Teilnehmenden diskutiert und bearbeitet. Emanzipatorisch heißt bei den Erfahrungen und Handlungsoptionen der Geflüchteten anzusetzen. Genderreflektierend meint das Hinterfragen von Machtverhältnissen, Hierarchien, Privilegien und gleichzeitig die Anerkennung von Vulnerabilitäten und Diskriminierung.
Daher ist die Anerkennung von Diversität, sprich unterschiedlichen Erfahrungen, Lebensweisen und kulturellen Bezugsrahmen, innerhalb der Kategorie Männer* und der Kategorie Frauen*, sehr wichtig. Das Training verfolgt das Ziel, ein differenziertes Bild – ausgehend von einem Intersektionalitätsansatz – zu vermitteln.

Erfolgsfaktor Kooperation mit migrantischen Vereinen 

2026 und 2027 kooperiert VIDC Global Dialogue mit folgenden Vereinen:

1) Kultur- und Sportverein NEUER START: 
Der Verein verfolgt das Ziel, gesellschaftliche Teilhabe, Chancengleichheit und soziale Inklusion von Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung zu fördern. Zu den zentralen Aufgaben zählen Beratung und Orientierung, Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit, Jugend- und Community-Arbeit, Sport- und Freizeitangebote, kulturelle Aktivitäten sowie geschlechterreflektierte und gewaltpräventive Arbeit.

2) Afghanische Kultur, Integration und Sport Verein AKIS: 
Bei AKIS liegt der Schwerpunkt auf Frauenförderung durch internationale Vernetzung, Gewaltprävention, einem Veranstaltungsprogramm mit internationalen Menschenrechtsverteidiger:innen und der Herausgabe der Frauenzeitschrift Banu. 

3) Verein Solidarität mit afghanischen Flüchtlingen: 
Der Verein hat ebenso einen starken Frauenfokus, unterstützt Familien in Not und arbeitet eng mit der Frauensektion von AKIS zusammen. 

4) WASAT - Wien Arabischer Sozialer Austausch und Treffpunkt: 
Der Verein unterstützt arabischsprachige Menschen in Österreich durch Bildungs-, Sport-, Kultur- und Sozialangebote und bietet Arabisch- und Deutschkurse an. Er fördert junge Menschen und möchte Frauen* empowern. Das Motto des Vereins lautet: "Ein Ort, der uns verbindet".  

5) Souriat - Syrian Woman for Justice and Peace: 
Der Verein hat sich die Stärkung syrischer Frauen* zum Ziel gesetzt, damit sie sich für nachhaltigen Frieden in Syrien einsetzen und an öffentlichen Angelegenheiten gleichberechtigt teilhaben können. Die Gendersensibilisierung syrischer Männer* sowie die Auseinandersetzung mit Konflikttransformation und Staatsbildung in Syrien dient ebenso dieser Zielsetzung. Souriat sieht sich auch als Brückenbauerin zwischen der syrischen Community und der Aufnahmegesellschaft in Österreich. 

6) BKI – Bildung Kultur Integration: 
Der Verein wurde 2021 mit dem Ziel gegründet, der somalischen Community einen Raum zu geben und Bildung und Beratung für Kinder, Jugendliche, und Erwachsene anzubieten. Unter anderem organisiert BKI kultursensible Workshops und Vorträge in der Muttersprache Somali zu Themen wie Eltern-Kind-Beziehung, Mediennutzung, Prävention und Bekämpfung von Kindesmissbrauch, weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) und häuslicher Gewalt sowie zur Förderung von Sexueller und Reproduktiver Gesundheit und Rechten (SRGR). 

Im Jahr 2023 Jahr hatten wir eine gute Zusammenarbeit mit dem syrischen Verein MIA - Migration, Integration, Arbeitsmarkt und 2024 mit dem Afghanischen Jugendverein.
Neben den Trainings in Wien konnte 2025/2026 ein Gender-TANDEM-Training in Salzburg angeboten werden.

Erfolgsfaktor Kooperation mit Beratungseinrichtungen

Wir laden Beratungsstellen und Anlaufstellen für (migrantische) Frauen* und Männer* ein, in drei von vier Modulen Inputs über ihre Angebote und Dienstleistungen zu geben. In Modul 2 zu psychischer, physischer sowie sexueller und reproduktiver Gesundheit gibt es einen Input vom Frauengesundheitszentrum FEM Süd im Frauen*training und vom Männergesundheitszentrum MEN im Männer*training. 
Im Modul 3, wo es um Familie, Beziehungen und Gewalt(freiheit) geht, sind der Verein Autonomer Frauenhäuser Österreich, die Männerberatung und der Verein Elternwerkstatt Kooperationspartner. Im Modul 4 zu Existenzsicherung und soziale Sicherung wird ein Input vom Zentrum für Migranten und Migrantinnen angeboten.

Hinsichtlich dieser Inputs lautet das Motto: Wissen ist Macht! Je mehr die Teilnehmenden wissen, desto besser können sie ihre Rechte durchsetzen. Im Falle von hilfesuchenden Betroffenen von Gewalt findet eine Weiterleitung an geeignete Beratungsstellen/Fachstellen statt.

Multiplikatoreffekt und Nachhaltigkeit

Die Trainer*innen aus den Communities werden von den Teilnehmenden als Vorbilder wahrgenommen und wirken als solche in den migrantischen Vereinen und in den migrantischen Communities weiter. Die Trainings haben dadurch einen starken Multiplikatoreffekt und fördern in diesem Sinne die Nachhaltigkeit.
Seitens der Trainer*innen aus der Mehrheitsgesellschaft gibt es auch eine Vorbildfunktion. Sie können in ihrem Wirkungskreis die Tandem-Erfahrung bzw. die interkulturelle Genderkompetenz weitergeben und dadurch unbewusste, versteckte Stereotypen abbauen.

Zitat einer TANDEM-Trainerin*

„Durch meine Lebensgeschichte und meine persönlichen Erfahrungen ist mir die Problematik der Frauen* aus der Community und der Umgebung bekannt. In irgendeiner Art und Weise sind sehr viele Frauen* einem enormen Druck ihrer Männer*, Brüder* und Väter* ausgesetzt. Ich weiß es sehr zu schätzen, wie mir damals geholfen wurde und wie sich heute mein Leben zum Positiven gewendet hat. Genauso möchte ich anderen Frauen* helfen, sich aus ihrem Dilemma zu befreien. Es bedeutet mir sehr viel, wenn mich meine ehemaligen Teilnehmerinnen* anrufen und mir von ihrem neuen Leben, ihrer Arbeit, ihrer Unabhängigkeit und ihrem neuen Glück erzählen und ihre Dankbarkeit ausdrücken.“

Videos und Reels aus den Gender-TANDEM-Trainings

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