Podiumsdiskussion anlässlich der Österreichischen Mitgliedschaft in VN-Sicherheitsrat (2027-2028) am 18. November 2026 von 18:00 bis 20: 00 Uhr in der Diplomatischen Akademie Wien.
Hintergrund
Ab Jänner 2027 wird Österreich für zwei Jahre Nicht-ständiges Mitglied im VN-Sicherheitsrat sein – zu einem Zeitpunkt, in dem die Welt von multiplen Krisen geprägt ist und die Vereinten Nationen selbst eine tiefe Legitimationskrise durchleben. Der Sicherheitsrat, in seiner Handlungsfähigkeit durch die Veto-Macht seiner fünf ständigen Mitglieder eingeschränkt, kommt seiner zentralen Aufgabe – der Wahrung des Weltfriedens – immer weniger nach. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Vereinten Nationen: von mächtigen Staaten wie den USA, die durch finanzielle Kürzungen die Arbeit der VN gefährden; aber auch Länder des Globalen Südens prangern strukturelle Ungerechtigkeiten innerhalb der VN an.
Besonders deutlich wird diese Kritik aus Afrika: Der Kontinent steht oft auf der Tagesordnung des Sicherheitsrats, hat jedoch keinen ständigen Sitz dort.
Zivilgesellschaftliche und feministische Akteur*innen fordern, dass in einer Zeit mit einer Höchstzahl an bewaffneten Konflikten der Sicherheitsrat den Schutz der Zivilbevölkerung und die Einhaltung des Völkerrechts gewährleistet.
Welche Prioritäten hat sich Österreich für seine Mitgliedschaft im VN-Sicherheitsrat gesetzt? Welche Positionen und Forderungen vertreten afrikanische Staaten sowie zivilgesellschaftliche Akteur*innen des Globalen Südens – und welche Rolle kann und sollte Österreich einnehmen, um diese Stimmen strukturell einzubeziehen?
Podium
Caroline Bartel
wird im Bundesministerium für Europäische und Internationale Angelegenheiten die Mitgliedschaft Österreichs im VN-Sicherheitsrat koordinieren. Zuvor war sie unter anderem an der österreichischen Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York tätig. Von 2023-2024 war sie an die Schweizer Ständige Vertretung in New York sekundiert, um dort im Rahmen der Mitgliedschaft im VN-Sicherheitsrat mitzuarbeiten. Weitere Funktionen in der Vergangenheit: Österreichische Botschaft Peking sowie stellvertretende Europäische Korrespondentin im Bundesministerium für Europäische und Internationale Angelegenheiten.
Lina Abou-Habib
ist Direktorin des Asfari-Instituts for Civil Society and Citizenship an der American University in Beirut, wo sie zu den Themen Staatsbürgerschaft, zivilgesellschaftlicher Raum und demokratische Erneuerung in der MENA-Region arbeitet.
Derzeit ist sie Vorsitzende des Doria Feminist Fund und Teil des Vorstands des Urgent Action Fund. Von 2008 bis 2012 war sie im Vorstand, zum Teil als Vorsitzende, von AWID (Association for Women’s Rights in Development). Davor war Lina Abou-Habib Geschäftsführerin des Collective for Research and Training on Development–Action und der Women’s Learning Partnership
Sie hat zahlreiche Publikationen zu den Themen Care-Ökonomie, feministische Politikreformen, inklusive Entwicklung, feministische Bewegungen und Wiederaufbau nach Konflikten veröffentlich, die weltweit Beachtung in internationalen Medien, UN-Foren und akademischen Plattformen fanden.
Angela Muvumba Sellström
ist leitende Wissenschaftlerin am Nordic Africa Institute (NAI). Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Determinanten der afrikanischen Sicherheitspolitik sowie auf die geschlechtsspezifischen Dimensionen von Konflikten und Friedensprozessen. Mit über 25 Jahren Erfahrung hat sie mehrjährige Projekte zu sexueller Gewalt und dem Verhalten bewaffneter Gruppen in Kriegszeiten, zur afrikanisch-nordischen Zusammenarbeit in den Bereichen Frieden und Sicherheit sowie zur Rolle gewählter Mitglieder des UN-Sicherheitsrats geleitet. Derzeit untersucht sie, wie globale Governance und geopolitischer Wettbewerb die Dynamik von Frieden und Sicherheit prägen.
Dr. Muvumba Sellström ist außerdem Gastwissenschaftlerin am Institut für Friedens- und Konfliktforschung der Universität Uppsala, Vizepräsidentin des Vorstands des Life and Peace Institute (LPI), Non-resident Fellow am International Peace Institute (IPI) und assoziierte leitende Forscherin am Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI).
Botschafter Thomas Mayr-Harting
ist seit 2026 Direktor der Diplomatischen Akademie der Europäischen Union und des Diplomatischen Programms der Europäischen Union für die Erweiterungsregion.
Er trat 1979 in den österreichischen diplomatischen Dienst ein und war bis 2011 als österreichischer Diplomat tätig, von 2011 bis 2019 beim Europäischen Auswärtigen Dienst und von 2020 bis 2024 als Sonderbeauftragter der OSZE.
Im Laufe seiner diplomatischen Laufbahn war Botschafter Mayr-Harting auch als Ständiger Vertreter Österreichs bei den Vereinten Nationen in New York (2008 bis 2011). In seine dortige Amtszeit fiel Österreichs letzte Mitgliedschaft in VN-Sicherheitsrat (2009 bis 2010), somit war er der Vertreter Österreichs im UN-Sicherheitsrat, Im Anschluss war er EU-Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York (2011 bis 2015).
Moderation
Cathrin Kahlweit
studierte Politik und Russisch an der University of Oregon in den USA, in Tübingen, Göttingen und am Puschkin-Institut in Moskau.
Nach der Journalistinnenausbildung arbeitete sie einige Jahre als freie Journalistin, bis sie 1989 zur Süddeutschen Zeitung (SZ) wechselte, wo sie bis 2007 als innenpolitische Redakteurin tätig war. Von 2007 bis 2008 leitete Cathrin Kahlweit die Redaktion der Anne-Will-Talkshow der ARD. Im Anschluss kehrte sie zur SZ zurück, wo sie von 2012 bis 2024 als Korrespondentin u.a. in Wien für Österreich, Mittel- und Osteuropa und für das Vereinigte Königreich und Irland zuständig war. Seit ihrem Abschied von der SZ 2025, ist sie als freie Publizistin, Moderatorin und Vortragende tätig.
Cathrin Kahlweit wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Pressefreiheitspreis 2026 für Mut, Unabhängigkeit und professionelle Haltung im Journalismus, verliehen vom Bund Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und vom Medienverband der freien Presse (MVFP)


