Afghanistan Peace Talks. A Road to Nowhere?

Podiumsgespräch mit prominenten afghanischen Expert*innen

Zeit


Montag, 26. April 2021
15:30 - 17:00 Uhr, CET (Zoom)

Sprachen:

Englisch mit Simultanübersetzung in Dari und Pashto

Anmeldung:

Fanizadeh@remove-this.vidc.org

Live auf unseren Facebook-Kanal: https://www.facebook.com/VIDC.org

Podium


Fawzia Koofi

Friedensunterhändlerin aus der afghanischen Regierungsdelegation

Sima Samar

Ehemalige Leiterin der Unabhängigen Menschenrechtskommission Afghanistans

Bilal Sarwary

Afghanischer Journalist mit Sitz in Kabul

Rahela Sediqi

Frauenrechtsaktivistin aus der afghanischen Diaspora in Großbritannien

Moderation: Sana Safi

BBC-Journalistin,  London

Eröffnung: Ali Ahmad

Donau-Universität Krems/VIDC

Schlußbemerkung: Adrien Bory

Danish Refugee Council’s Diaspora Programme

Kuratiert von

Ali Ahmad, Donau-Universität Krems/VIDC und Michael Fanizadeh, VIDC

Kooperationen

Herat, Afghanistan © Ali Ahmad

Herat, Afghanistan © Ali Ahmad

Das Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) und das Danish Refugee Council’s Diaspora Programme (DRC) laden herzlich zu einer Podiumsdiskussion über den aktuellen Stand der Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierungsdelegation und den Taliban-Unterhändlern ein.

An der Diskussion nehmen Fawzia Koofi,  Friedensunterhändlerin aus der afghanischen Regierungsdelegation, Sima Samar, die ehemalige Leiterin der Unabhängigen Menschenrechtskommission Afghanistans, der afghanische Journalist Bilal Sarwary und Rahela Sediqi, Frauenrechtsaktivistin aus der afghanischen Diaspora in Großbritannien teil. Die Online-Veranstaltung wird von Sana Safi, BBC-Journalistin mit Sitz in London, moderiert. Eröffnungsworte von Ali Ahmad, Donau-Universität Krems/VIDC und Schlußbemerkung von Adrien Bory, DRC.

Hintergrund

Die türkische Regierung wird Gastgeber einer von den Vereinten Nationen geleiteten Konferenz über den Friedensprozess in Afghanistan sein, die voraussichtlich nach dem Ramadan im Mai in Istanbul stattfinden wird. Die bevorstehenden Friedensgespräche sollen als Plattform für die Taliban und die afghanische Regierung dienen, um eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges in Afghanistan zu erreichen. Mit dem Abzug der verbleibenden 2.500 US-Truppen und ihrer Verbündeten aus Afghanistan bis zum 11. September 2021 werden ein Waffenstillstand und eine Übergangsregierung zur Sicherung des Friedens als Hauptpunkte der Gespräche erwartet. Die Errungenschaften der letzten 20 Jahre, wie Demokratie, Meinungsfreiheit, die Teilnahme von Frauen am gesellschaftlichen und politischen Leben und die Rechte von Minderheiten, sind die Hauptanliegen vieler Afghan*innen, welche sie nun gefährdet sehen.

Aber wie können die USA, die UN und der Rest der internationalen Gemeinschaft garantieren, dass eine neue Übergangsregierung zu einem nachhaltigen Frieden führen wird? Wer kann garantieren, dass die afghanischen Frauen nicht verlieren, was sie in den letzten 20 Jahren gewonnen haben? Haben sich die Taliban seit den 1990er Jahren, als sie alle Frauen aus dem öffentlichen Leben verbannten, wirklich geändert? Welche Maßnahmen werden verhindern, dass Afghanistan nicht zum Schauplatz eines Stellvertreterkriegs von Pakistan und dem Iran wird? Und schließlich: Welche Rolle kann die afghanische Diaspora bei der Sicherung eines nachhaltigen und gerechten Friedens spielen?

Afghan Diaspora Engagement in Europe (ADEE)

Die Podiumsdiskussion ist Teil der ADEE-Initiative des DRC im Rahmen des Diaspora-Programms in Zusammenarbeit mit dem VIDC. Das Projekt zielt darauf ab, einen verstärkten Dialog und mehr Handlungsfähigkeit innerhalb der afghanischen Diaspora in Europa sowie zwischen der afghanischen Diaspora und der afghanischen Regierung zu ermöglichen. Dieses neue Projekt soll die Koordination verbessern, die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen verstärken und der afghanischen Diaspora in Europa ein höheres Maß an Beteiligung und Einfluss verschaffen.
Kommende Online-Veranstaltungen werden Themen behandeln wie: Asyl, Integration, Advocacy zur Situation in Afghanistan & Konsultationen zum  Diaspora-Engagement Programm der afghanischen Regierung.

Podium

Fawzia Koofi

ist Mitglied des Teams für die Friedensverhandlungen der Islamischen Republik Afghanistan und wurde kürzlich für den Friedensnobelpreis nominiert. Nachdem sie ihr Abitur gemacht hatte, schrieb sie sich an einer konkurrenzfähigen medizinischen Schule ein. Doch bald darauf übernahmen die Taliban im September 1995 die Macht und versperrten den Frauen den Zugang zu jeglicher Bildung! Da ihr die Türen zu einer universitären Ausbildung verschlossen blieben, konzentrierte Fawzia Koofi ihre Energie auf Frauenrechtsorganisationen und arbeitete eng mit einer der am meisten gefährdeten Gruppen wie Binnenflüchtlingen und marginalisierten Frauen und Kindern zusammen. Nach dem Sturz der Taliban begann sie ihr Jus-Studium, während sie sich weiterhin bei UNICEF Afghanistan für die Rechte von Frauen und Kindern einsetzte. Schließlich erwarb sie ihren Bachelor-Abschluss an der juristischen und politikwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kabul und ihren Master-Abschluss in internationalen Beziehungen an der Genfer Schule für Diplomatie.

Sima Samar

ist eine bekannte Verfechterin der Menschen- und Frauenrechte in Afghanistan. Im Juni 2002 wurde sie zur ersten Vorsitzenden der Unabhängigen Menschenrechtskommission Afghanistans (AIHRC) ernannt. Vor ihrer Ernennung zur Vorsitzenden der AIHRC wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der Emergency Loya Jirga gewählt und diente außerdem als stellvertretende Vorsitzende und Ministerin für Frauenangelegenheiten in der Post-Taliban-Übergangsregierung Afghanistans. Vor kurzem wurde sie zum neuen Mitglied des High-Level Advisory Board on Mediation des Generalsekretärs der Vereinten Nationen ernannt. Am 3. Dezember 2019 wurde sie außerdem zum Vorstandsmitglied des High-Level Panel on internal Displacement des Generalsekretärs der Vereinten Nationen ernannt. Sima Samar dient derzeit als Sondergesandte des afghanischen Präsidenten und Staatsministerin für Menschenrechte und internationale Beziehungen von Afghanistan. Sie ist außerdem Vorsitzende des Asien-Pazifik-Forums der nationalen Menschenrechtsinstitutionen (APF). Samar leitet außerdem die Nationale Kommission zur Verhinderung von Folter in Afghanistan.

Bilal Sarwary

ist ein afghanischer Journalist mit Sitz in Kabul. Er ist ein ehemaliger langjähriger Produzent und Reporter für BBC World Service, er ist auch regelmäßig auf France 24, Radio New Zealand, Turkish Radio and Television, CNN, CBC und Al Jazeera English erschienen. Er machte 2010 seinen Abschluss am Middleburry College in Vermont/USA mit dem Schwerpunkt auf den zentralen Zusammenhängen zwischen Kriegsführung, Drogen und Terrorismus.

Rahela Sidiqi

ist Gründungsdirektorin der Diaspora-Organisation Rahela Trust (früher Farkhunda Trust), Großbritannien. Der Rahela Trust wurde als Reaktion auf die vielen Angriffe auf Mädchen und junge Frauen, die in Afghanistan eine Ausbildung anstreben, gegründet. Ziel ist es, Frauen aus benachteiligten Verhältnissen mit Stipendien zu versorgen, um ihnen eine höhere Ausbildung zu ermöglichen und letztlich zur Gestaltung einer fortschrittlichen afghanischen Gesellschaft beizutragen. Frau Sidiqi ist außerdem Mitbegründerin und strategisches Mitglied des Afghan Women's Network (AWN). Sie erhielt ihren Master-Abschluss in Social Development and Sustainable Livelihoods von der University of Reading, UK.

Sana Safi

ist eine Hauptmoderatorin für die tägliche BBC News Pashto TV-Nachrichtensendung, BBC Naray Da Wakht (BBC World Right Now). Fast 1,5 Millionen Menschen sind mit ihr über soziale Medien (Facebook, Twitter und Instagram) verbunden. Sana Safi kam 2006 zum BBC World Service - zu dem auch BBC News Pashto gehört - als Vor-Ort-Reporterin in der ostafghanischen Stadt Jalalabad. Danach arbeitete sie als BBC Pashto Radio- und TV-Produzentin und Moderatorin mit Sitz in London. Als Moderatorin der BBC Pashto TV-Nachrichtensendung war Sana Safi die erste Rundfunkjournalistin, die die First Lady Afghanistans, Rula Ghani, nach dem Amtsantritt ihres Mannes, Ashraf Ghani, im Jahr 2014 interviewte.  Bevor sie zur BBC kam, arbeitete Sana Safi als einzige weibliche Journalistin beim staatlichen Radio- und Fernsehsender RTAJ in Jalalabad. Außerdem leitete sie eine Bildungseinrichtung in Jalalabad, Nangarhar, die Lese-, Schreib- und Rechenkurse für Frauen und Kinder anbot, denen unter dem Taliban-Regime Bildung vorenthalten wurde.

Ali Ahmad

ist Doktorand am Department für Migration und Globalisierung der Donau-Universität Krems . Zudem arbeitet er seit 2015 als Konsulent für das VIDC und hat Forschungsarbeiten über afghanische Flüchtlinge und Diaspora-Gemeinschaften in Europa verfasst.

Adrien Bory

ist Projektkoordinator im Diaspora-Programm des Danish Refugee Council. Er leitet die Initiative " Afghan Diaspora Engagement in Europa".