Sexuelle Bildung findet in einem Geflecht aus gesellschaftlichen Normen, Machtverhältnissen und unausgesprochenen Erwartungen statt. Gerade im Umgang mit Vielfalt werden Unterschiede häufig kulturalisiert, während dahinter liegende Rassifizierungs-, Diskriminierungs- und Migrationserfahrungen oder soziale Ungleichheit ausgeblendet.
Der Themennachmittag lädt dazu ein, sexuelle Bildung dekolonial, rassismuskritisch und diversitätssensibel zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sexuelle Bildung jenseits von Stereotypen, weißer Normativität und kulturellen Zuschreibungen gestaltet werden kann. Der Workshop setzt auf Selbstreflexion, Repräsentationskritik, Sichtbarmachung von Machtverhältnissen und die Entwicklung emanzipatorischer pädagogischer Räume. Teilnehmende erhalten Impulse, wie sie eigene Projektionen erkennen, kulturalisierende Erklärmuster vermeiden und Kinder, Jugendliche als auch Eltern aus vielfältigen Lebenswelten respektvoll und ressourcenorientiert begleiten können.
Der Themennachmittag findet im Rahmen der Arbeitsgruppe Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) statt.
Zielgruppen
Der Themennachmittag richtet sich an Personen der Entwicklungszusammen-, Bildungs- und Sozialarbeit sowie an Menschen, die in Österreich im Bereich Gender, Inklusion und Diversität tätig sind. Eingeladen sind insbesondere Vertreter*innen migrantischer Organisationen, Mitglieder von Diaspora-Communities und Trainer*innen des VIDC Gender-TANDEM Programms.
Mini-Workshop 1: Sexuelle Bildung im Kontext geflüchteter junger Männer* mit Stephan Hloch
In diesem Workshop stehen die Lebensrealitäten geflüchteter junger Männer* im Mittelpunkt, ohne stereotype Zuschreibungen zu reproduzieren. Die Teilnehmenden lernen Scham, Rückzug oder Zurückhaltung nicht vorschnell kulturell zu erklären, sondern als mögliche Ausdrucksformen traumatischer Erfahrungen oder struktureller Belastungen zu verstehen. Es wird der Frage nachgegangen, wie sexualpädagogische Räume geschaffen werden können, die Sicherheit geben, Respekt vermitteln und Handlungsspielräume eröffnen. Welche Herausforderungen gibt es hierbei? Welche Themen beschäftigen diese Männer* und wie können Sie professionell und achtsam bearbeitet werden?
Mini-Workshop 2: Interkulturelle Elternarbeit mit Selbstlaut
Dieser Workshop widmet sich der Frage, wie sexualpädagogische Angebote gestaltet werden können, damit Eltern aus unterschiedlichen sprachlichen, sozialen und kulturellen Lebenswelten Zugang finden. Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit der Bedeutung von Rahmenbedingungen, Sprachsensibilität, Mehrsprachigkeit und einem achtsamen Einstieg, der Vertrauen schafft und nicht belehrend wirkt. Sie lernen Strategien und Methoden kennen, um Projektionen abzubauen, Barrieren zu erkennen und Räume zu gestalten, die ein wertschätzendes und empowerndes Miteinander ermöglichen. Es werden praktische Anregungen für eine rassismuskritische, respektvolle Elternarbeit im Kontext sexueller Bildung vermittelt.
Expert*innen
Stephan Hloch
ist Psychologe, Sexualpädagoge, Leiter von First Love Mobil und Online-Berater bei der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF). Einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist die sexualpädagogische Arbeit bzw. Beratung mit Männern mit Migrationsbiographie bzw. Fluchterfahrung. Er schult auch Multiplikator*innen und Lehrpersonen, u.a. an der Universität Innsbruck.
Lilly Axster
ist Regisseurin, Autorin und langjährige Mitarbeiterin bei Selbstlaut. Selbstlaut ist eine Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Sie bietet Beratungen, Verdachtsbegleitung, Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Fortbildungen für Fachkräfte. Selbstlaut legt großen Wert auf diversitätsbewusste, traumasensible Haltung sowie Mehrsprachigkeit und unterstützt auch Einrichtungen beim Kinderschutz.
Marijana Gurabić
ist Mitarbeiterin bei Selbstlaut, Pädagogin, Erwachsenen- und Weiterbildnerin, Sexualpädagogin und Mediatorin (i.A.).
Moderation: Mara Elena Zöller
arbeitet als Referentin für politische Bildung mit den Schwerpunkten Geschlechtergerechtigkeit und intersektionale Klimagerechtigkeit. Sie beschäftigt sich darüber hinaus mit feministischen, dekolonialen Ansätze in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.
Einführung: Nadja Schuster
ist Soziologin und Gender-Expertin bei VIDC Global Dialogue. Sie leitet das Gender-TANDEM-Programm, koordiniert die SRGR Arbeitsgruppe und ist Ko-Autorin des VIDC Policy Papers Schlüsselstelle Sexuelle und Reproduktive Gesundheit sowie des VIDC SRGR Policy Briefs. 15 Jahre lang war sie für die Redaktion des VIDC Online Magazins Spotlight verantwortlich. Weiters ist sie als Sexualberaterin tätig.

