European Conference: #Diaspora Action for Afghanistan

VIDC organisiert Panel zu Diaspora & Development

© DRC

Afghanistan ist wieder in den europäischen Schlagzeilen gelandet. Denn was Menschenrechts- und Frauenaktivist*innen nach der Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 von Anfang an befürchtet haben, ist eingetreten.  Die neuen Machthaber drehen weiter an der Eskalationsschraube: Nachdem Mädchen ab der 7. Schulstufe nicht mehr in die Schule gehen oder Frauen ohne männliche Begleitung nicht mehr reisen dürfen, werden Frauen und Mädchen jetzt auch wieder unter die Burka gezwungen. Sie sind die Leidtragenden einer menschenverachtenden Politik, nachdem der Westen Afghanistan über Nacht aufgegeben und verlassen hat. Auch die ohnehin schon schwere humanitäre Krise Afghanistans hat sich im vergangenen Jahr noch einmal existenziell verschärft. Nach vier Jahrzehnten Konflikt, Unsicherheit, wiederkehrenden Naturkatastrophen sowie der globalen Pandemie und den damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen steht Afghanistan am Rande einer weiteren Katastrophe.

Die afghanische Diaspora in Europa hat auf diese politischen und sozialen Krisen reagiert, indem sie ihr Engagement noch einmal verstärkt hat. Diese starke Mobilisierung der Diaspora wird durch die mehr als 28.000 Afghan*innen, die vor kurzem aus Afghanistan allein nach Europa evakuiert wurden, noch forciert. Viele dieser kürzlich eingetroffenen Afghan*innen haben einen zivilgesellschaftlichen Hintergrund und haben der Diaspora ihr Fachwissen und ein besseres Verständnis für den Kontext in Afghanistan vermittelt.

Europäische Konferenz

Zur besseren Vernetzung der afghanischen Diaspora in Europa organisiert daher das Danish Refugee Council in Kooperation mit dem VIDC und weiteren Partnerorganisationen am 15. Und 16. Mai 2022 die European Conference: #Diaspora Action for Afghanistan. Bei der zweitägigen Konferenz in Brüssel werden über 100 Teilnehmer*innen aus ganz Europa erwartet. Der erste Tag der Konferenz dient vor allem der Vernetzung. Er wird sich darauf konzentrieren, wie sich die Diaspora besser koordinieren und zusammenarbeiten kann. Der zweite Tag steht unter dem Motto “A call to action” und wird auch externe Akteur*innen einbeziehen, um sich über die Rolle der Diaspora in Bezug auf das neue politische und operative Umfeld in Afghanistan auszutauschen. Die Diskussionen an diesen beiden Tagen werden auch dazu dienen, einen Aufruf der afghanischen Diaspora zum Handeln zu unterstützen, der bereits im Vorfeld der Konferenz erarbeitet wurde.

VIDC-Panel zu Diaspora & Entwicklungspolitik

Mit finanzieller Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit organisiert das VIDC bei der Diaspora Konferenz ein Panel zu Diaspora und Entwicklungspolitik: Welche Potenziale und Hindernisse gibt es für das Engagement der Diaspora seit der Machtergreifung der Taliban in Afghanistan. Denn zwischen dem Fall und dem Aufstieg der Taliban im Jahr 2001 bzw. 2021 wurde die afghanische Diaspora durch verschiedene Formen des Engagements zu einer wichtigen Kraft für die Entwicklung ihres Heimatlandes. Sie unterstützten Afghanistan durch finanzielle und soziale Rücküberweisungen (Remittances) und mittels größeren Projekten. In diesen zwei Jahrzehnten hat Afghanistan auch eine enge Beziehung zu seiner Diaspora aufgebaut, die jedoch nach der Machtübernahme durch die Taliban zur Diskussion steht.

Bei der Diskussion werden folgende Fragen behandelt:

  • Wie können wir die Diaspora und politische Entscheidungsträger zusammenbringen und die Zusammenarbeit verbessern?
  • Was sind die entwicklungspolitischen Instrumente der EU im Kontext von Migration und Diaspora-Engagement?
  • Wie sieht die afghanische Diaspora ihre Rolle bei der Umsetzung/Unterstützung von Entwicklungsprojekten? Welche (neuen) Herausforderungen gilt es zu berücksichtigen?
  • Welche guten Beispiele gibt es bei der Unterstützung von Projekten, insbesondere auch in ländlichen und abgelegenen Gebieten?
  • Welche Erfahrungen wurden bei der Durchführung von Projekten seit der Machtübernahme durch die Taliban gemacht?
  • Wie können vor allem Frauen in Afghanistan mit Projekten unterstützt werden, und wie kann die Diaspora hier einbezogen werden?
  • Was können Europa und die Diaspora tun, um die Rechte der Frauen unter den Taliban zu gewährleisten? Was können wir hier von anderen Diaspora-Gemeinschaften in Europa lernen?
  • Von anderen lernen: Welche bewährten Praktiken können wir von anderen Diaspora-Communities übernehmen, um Diaspora und Entwicklungspolitik zusammenzubringen?