Im Rahmen der Podiumsdiskussion reflektieren wir mit Aktivist*innen und Expert*innen die politischen Entwicklungen in Syrien seit dem Fall des Assad-Regims:
am 25. März 2026, 19:00-21:00 Uhr in der Diplomatische Akademie Wien, Favoritenstraße 25a, 1040 Wien.
Hintergrund
Im Dezember 2024 wurde das jahrzehntelange Herrschaftssystem der Assad-Familie gestürzt. Mit der Öffnung der Foltergefängnisse wurden die Verbrechen des alten Regimes weltweit sichtbar, während die neuen Machthaber einen politischen Neuanfang, wirtschaftlichen Aufschwung sowie Würde und Gerechtigkeit für alle versprachen. Doch das erste Jahr nach Assad war von anhaltender Gewalt, schweren Menschenrechtsverletzungen und ungelösten politischen Konflikten geprägt.
Auseinandersetzungen zwischen dem neuen Regime und verschiedenen Bevölkerungsgruppen, militärische Eskalationen in zahlreichen Regionen, sowie das Eingreifen externer Akteure wie Israel und der Türkei belasten die fragile Situation. Besonders Minderheiten, Frauen und marginalisierte Gruppen leiden weiterhin unter Unsicherheit, Repression und fehlender politischer Teilhabe. Trotz allem empfinden viele Syrer*innen Erleichterung über das Ende der Assad-Diktatur, zugleich wachsen Angst, Unsicherheit und der Wunsch nach Selbstbestimmung.
Wie lassen sich die politischen Entwicklungen seit dem Sturz Assads einordnen? Wer hat heute Macht und Repräsentation in Syrien – und auf welcher Grundlage? Sind die aktuellen Konflikte konfessioneller bzw. ethnischer Natur oder Ausdruck tieferliegender Macht- und Verteilungsfragen? Welche Perspektiven gibt es für Ausgleich, Selbstbestimmung und ein gemeinsames Syrien für alle seine Bewohner*innen? Und welche Verantwortung tragen regionale Akteure sowie die internationale Gemeinschaft?
Podium
Zozan Alloush
ist eine unabhängige politische und humanitäre Beraterin, die sich auf die Transformation des Syrienkonflikts und die Stärkung von Frauen spezialisiert hat. Sie ist Mitglied des UN-Frauenbeirats für den UN-Sonderbeauftragten für Syrien, des Mediterranean Women Mediators Network und Gründungsmitglied der Syrian Women's Initiative for Peace and Democracy.
Derzeit arbeitet sie als Senior Policy Advisor bei der DeFacto Platform for Dialogue and Development, wo sie Initiativen zu Governance, Dezentralisierung und inklusivem Dialog leitet, mit einem starken Fokus auf Mediation und dem Aufbau von Kommunikationskanälen zwischen verschiedenen syrischen Akteuren.
Von 2017 bis 2019 war sie Leiterin der Koordinations- und Entwicklungsabteilung in den vom IS befreiten Gebieten, wo sie humanitäre Einsätze im Flüchtlingslager Al-Hol leitete und Deradikalisierungsprogramme umsetzte.
Ahmad Helmi
ist ein syrischer Aktivist, der sich seit über 12 Jahren für Gerechtigkeit und Menschenrechte in Syrien und der Region einsetzt. Er erlitt schwere Menschenrechtsverletzungen, darunter drei Jahre Haft und Folter. Nach seiner Entlassung aus der Haft gründete Ahmad Helmi 2017 die TA’AFI Initiative, eine von Überlebenden geführte Organisation, die Überlebende von Verschleppungen und Folter nach ihrer Freilassung und Umsiedlung an sichere Orte unterstützt. Ahmad Helmi spielte eine entscheidende Rolle bei der Etablierung der Opferbewegung in Syrien und auf internationaler Ebene, unter anderem durch seinen Beitrag zur Gründung des IIMP (Independent Institution on Missing Persons in the Syrian Arab Republic) und als Mitbegründer von INOVAS, einem internationalen Netzwerk für Opfer.
André Bank
ist Senior Research Fellow am GIGA Institut für Nahost-Studien in Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Autoritarismus, politischen Transformationen, Konflikt- und Kriegsdynamiken sowie dem Wandel regionaler Ordnung. Geografisch liegt sein Fokus auf dem Nahen Osten, insbesondere Syrien und den Nachbarländern. Zuletzt war er im November 2025 in Syrien. Unter anderem war er Mitherausgeber des Sammelbandes „Syria after Assad“ (2025).
Moderation: Viola Raheb
ist Friedensaktivistin,Theologin und Schriftstellerin. Sie ist Mitglied in zahlreichen Initiativen, die sich für Frieden, Dialog und Frauenrechte einsetzen. Sie hat ihre Promotion zum Thema “Die syrischen Schulbücher unter der Baath-Partei und in den politischen Umbrüchen” geschrieben.


