Unerhört?! Afghanische Frauen in der Diaspora

25 Jahre Afghanischer Kulturverein AKIS

Zeit und Ort


14. August 2021, 16:00 – 17:15 Uhr

VHS Großfeldsiedlung, Kürschnergasse 9, 1210 Wien

Beschränkt auf 99 Besucher*innen. Es gelten die  COVID-19 Schutzmaßnahmen des Bundes und der Stadt Wien, insbesondere die 3G-Regel. Eine verbindliche Anmeldung ist erforderlich.

Anmeldung:

Leider sind bereits alle Plätze vergeben

Vortragende


Homa Abbas

Afghanischer Frauenverein in Deutschland

Shafiqa Razmenda

Vorsitzende der Afghan EU Women Coalition

Masomah Regl

FIVESTONES, Graz

Farzana Niazi

Verein Begegnung Arcobaleno, Linz

Asiye Sel

Arbeiterkammer Wien

Moderation:

Magda Seewald, VIDC

Kuratiert von


Michael Fanizadeh, VIDC

Kooperationen

Gender Tandem Workshops, Zertifikatsverleihung © VIDC

Hintergrund

Afghanistan und die afghanische Community in Österreich sind in diesem Sommer wieder ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit gerückt. Einerseits haben die USA und ihre Verbündeten ihre Truppen aus Afghanistan abgezogen und die Taliban gewinnen täglich neue Gebiete dazu. Andererseits hat die Tötung der 13jährigen Leonie erneut eine Asyl- und Abschiebungsdebatte angefacht und afghanische Männer in Österreich unter Generalverdacht gestellt. Afghanische Frauen werden bei all diesen Debatten wenig gehört. Daher organisiert das VIDC im Rahmen der Festveranstaltung „25 Jahre Afghanischer Kulturverein AKIS“ eine Podiumsdiskussion über das Engagement von afghanischen Frauen in der Diaspora. Denn afghanischen Frauen stehen vor vielfältigen Herausforderungen in Bezug auf ihre soziokulturelle Integration in die österreichische Gesellschaft. Tagtäglich setzen sie sich dafür ein, dass Frauen und Mädchen in Österreich ihr Leben selbst in die Hand nehmen können. Sie leisten Unglaubliches, sind laut und aktiv, und werden trotzdem oft nicht gehört. Ihre Arbeit ist unersetzlich, ihre Wirkung enorm und ihre Vorbildrolle ist sehr bedeutsam.

Entsprechend der Daten der Statistik Austria leben derzeit mehr als 14.500 afghanische Frauen in ganz Österreich, wobei Wien die größte Anzahl von ihnen beherbergt. Das Durchschnittsalter der afghanischen Frauen in Österreich liegt bei knapp unter 30 Jahren, was sie zu einer der jüngsten im Ausland geborenen Bevölkerung in Österreich macht. Die Arbeitslosenquote der afghanischen Frauen liegt laut Österreichischem Integrationsfonds bei etwa 54%.

Bei der Podiumsdiskussion werden folgende Fragen behandelt: Was sind die größten Herausforderungen für afghanische Frauen in Österreich und Europa? Welche Erfolge haben die Frauen in der Diaspora erreicht? Wie kann eine friedliche Entwicklung in Afghanistan nachhaltig unterstützt werden? Wie kann die Integration von afghanischen Frauen am österreichischen Arbeitsmarkt gelingen?

Podium

Homa Abbas

ist stellvertretende Vorsitzende des Afghanischen Frauenvereins (AFV) in Deutschland. AFV ist eine humanitäre Hilfsorganisation, die seit 1992 für den Wiederaufbau und Frieden in Afghanistan arbeitet. Mit ihren Projekten, die vorwiegend in ländlichen Gegenden in Afghanistan liegen, fördert der Verein gezielt Frauen und Kinder. Der Musiker und Schauspieler Herbert Grönemeyer ist seit 2017 Botschafter des Afghanischen Frauenvereins: „Tag für Tag arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Afghanischen Frauenvereins unter Einsatz ihres Lebens dafür, afghanischen Familien in ihrer Heimat eine Zukunft zu ermöglichen. Sie unterstützen Geflohene, Hungernde, Verletzte und ausgegrenzte Frauen und Mädchen in Not. Sie ermöglichen medizinische Hilfe, schenken Bildung und Ausbildung und versorgen ganze Dörfer mit sauberem Trinkwasser.“

Shafiqa Razmenda

wurde im Jahr 1960 in Afghanistan geboren. Sie ist zweifache Fachärztin und eine Veteranin der demokratischen Frauenbewegung in Afghanistan. Sie ist Gründerin und Vorsitzende der Afghan EU Women Coalition, die sich für einen nachhaltigen Frieden unter Einbeziehung von Frauen in Afghanistan einsetzt. Sie lebt und arbeitet in Deutschland.

Masomah Regl

Als gebürtige Afghanin, die in Österreich sozialisiert und ausgebildet wurde, gründete Masomah Regl FIVESTONES mit der Idee, ihrem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement im Integrationsbereich einen offiziellen Rahmen zu verleihen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Arbeitsmarktintegration von Afghan*innen in Österreich. Informationskampagnen über die afghanische(n) Kultur(en) sowie Jugendprojekte in Afghanistan gehören ebenso zu den Aufgaben des Vereins mit Sitz in Graz. "Feeding the good wolf" ist der Leitsatz, denn das Gute und Positive von diesem kriegsgerüttelten Land mit seiner in Österreich oft als problematisch wahrgenommenen Bevölkerung soll in den Vordergrund gerückt werden.

Farzana Niazi

ist Mitarbeiterin des Vereins Begegnung-Arcobaleno in Linz. Arcobaleno ist ein interkulturelles Begegnungszentrum mit Angeboten zur Begegnung von Einheimischen und Zugewanderten und zum Abbau von Vorurteilen. Das Hauptanliegen der Tätigkeit des Vereins ist die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Nationalität, Hautfarbe, Religion …: „Wir wollen der Ausgrenzung entgegenwirken sowie Vorurteile und Feindbilder abbauen helfen. Dazu wollen wir Möglichkeiten zum Kennenlernen und gemeinsamen Handeln schaffen und Barrieren, die dem im Weg stehen (z.B. Sprachprobleme, Informationsmängel …) reduzieren. (…) Unter Integration verstehen wir einen beidseitigen Lernprozess auf der Grundlage von Gleichberechtigung, Offenheit und Toleranz. Wirkliche Integration scheitert aber nicht an den Unterschieden zwischen den Menschen, sondern an den unterschiedlichen Rechten und Möglichkeiten. Daher spielt auch der Einsatz für Gleichberechtigung eine wichtige Rolle in unserer Tätigkeit.“

Asiye Sel

ist Soziologin und arbeitet seit 2008 als Referentin in der Frauenabteilung der Arbeiterkammer Wien. Ihr Aufgabengebiet ist die Arbeitsmarktpolitik für Frauen mit Fokus auf Migrations- und Integrationspolitik.

Magda Seewald

ist seit 2005 Projektreferentin am VIDC mit einem regionalen Fokus auf die arabische Region, insbesondere Palästina. Als eine der Genderreferentinnen von VIDC Global Dialogue betreut sie die Bereiche Gendersensibilisierung im Fluchtkontext sowie Gender & Konflikt.