Wie die Taliban die Rechte der Frauen zerschlugen

und warum die Welt dies zuließ

@ Canva

Fünf Jahre nach der Rückkehr der Taliban an die Macht ist aus den ersten Einschränkungen von Bildung und Beruf für Frauen ein umfassendes System der Ausgrenzung geworden, das ihre Rechte und Freiheiten in nahezu allen Bereichen des Lebens beschneidet. Taliban-Vertreter deuteten zunächst an, dass die Einschränkungen für Frauen und Mädchen nur vorübergehend sein würden. Doch die Schließung der weiterführenden Schulen für Mädchen im März 2022 signalisierte einen anderen Kurs. Die Folgen waren zutiefst persönlich. Die Studentin Atena erinnerte sich an die Schließung der Universitäten für Frauen und daran, wie sie von bewaffneten Taliban-Wachen abgewiesen wurde: „Die Universität ist geschlossen. Geh nach Hause!“ In diesem Moment, sagte sie, „sah ich das Ende meiner Freiheit, meiner Rechte und meines Lernens“. 

In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Einschränkungen weit über den Bildungsbereich hinaus ausgedehnt. Frauen wurden aus großen Teilen des Arbeitsmarktes verdrängt, aus Positionen in Regierung und Zivilgesellschaft entfernt und zunehmend strengen Vorschriften zu Kleidung und Bewegungsfreiheit unterworfen. 

Ein umfassendes System

Jüngste Dekrete verdeutlichen die weitere Verschärfung. 2024 verabschiedeten die Taliban ein umfassendes „Sitten- und Tugendgesetz“, das Verhalten, Erscheinungsbild und Bewegungsfreiheit von Frauen reguliert und ihre Sichtbarkeit im öffentlichen Raum weiter einschränkt. Hinzu kommt ein Dekret zur „gerichtlichen Trennung von Ehepartnern“, das von UN-Organisationen und Menschenrechtsgruppen scharf kritisiert wird. Es stärkt die männliche Vormundschaft bei Eheentscheidungen und wertet das Schweigen eines Mädchens nach der Pubertät faktisch als Zustimmung. In der Praxis kann ein Mädchen damit als einwilligend gelten, obwohl es keinen ausdrücklichen Willen geäußert hat.

Jedes dieser Dekrete betrifft einen bestimmten Lebensbereich. Zusammen ergeben sie jedoch ein umfassendes System, das nahezu alle Bereiche reguliert, in denen Frauen Autonomie ausüben könnten.

Afghanische Frauen, Juristen und Menschenrechtsaktivisten bezeichnen dies zunehmend als „Geschlechterapartheid“. Wie Malala Yousafzai betonte: „Die Taliban machen keinen Hehl aus ihrer Mission: Sie wollen Frauen und Mädchen aus jedem Aspekt des öffentlichen Lebens verbannen.“ Zwar ist Geschlechterapartheid bislang keine eigenständige Rechtskategorie, doch der Begriff wird immer häufiger verwendet, um den systematischen Charakter dieser Unterdrückung zu beschreiben.

Afghanische Frauen leisten weiterhin Widerstand

Fünf Jahre nach Beginn der Krise bleibt die internationale Reaktion jedoch fragmentiert. Regierungen, UN-Gremien und Menschenrechtsorganisationen haben Verstöße dokumentiert und einzelne Schutz- und Rechtsmaßnahmen ergriffen. Gemessen am Ausmaß der Krise bleiben diese Bemühungen jedoch unzureichend. Die Kluft zwischen der Schwere der Unterdrückung und der Wirksamkeit internationaler Maßnahmen besteht fort.

Trotz enormer Risiken leisten afghanische Frauen weiterhin Widerstand. Im Land organisieren sie geheime Bildungsinitiativen, informelle Unterstützungsnetzwerke und Formen zivilen Protests. Im Exil dokumentieren Frauenrechtsaktivistinnen Missbräuche, treiben die internationale Kampagne gegen die Geschlechterapartheid voran und sammeln Mittel für Lehrkräfte sowie digitale Bildungsangebote.

Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, ob afghanische Frauen systematischen staatlichen Einschränkungen ausgesetzt sind. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, ob die internationalen Reaktionen dem Ausmaß und der Struktur der Krise gerecht werden. Dazu gehören eine stärkere Unterstützung von Dokumentationsinitiativen afghanischer Frauen, die konsequentere Nutzung von Mechanismen zur Rechenschaftspflicht und ihre Einbindung in diplomatische Prozesse. Ebenso notwendig ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage, ob die Situation als Geschlechterapartheid anerkannt werden sollte.

Während Staaten weiterhin über den Umgang mit den Taliban debattieren, dürfen Frauenrechte nicht von Fragen politischer Anerkennung getrennt werden. Andernfalls droht sich ein System weiter zu verfestigen, in dem der Ausschluss von Frauen und Mädchen aus dem öffentlichen Leben zum festen Bestandteil staatlicher Herrschaft geworden ist. Fünf Jahre später geht es nicht nur darum, wie die Welt reagieren soll, sondern auch darum, sicherzustellen, dass afghanische Frauen und ihr Kampf um Würde, Gleichberechtigung und Freiheit nicht in Vergessenheit geraten.

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