Äthiopiens "Green Deal"

Ein afrikanisches Modell für eine kohlenstoffarme Entwicklung?

Zeit und Ort

Montag, 16. Mai 2022, 18.00 - 20.00 Uhr

Arbeiterkammer Wien, TGA Hörsaal, Plößlgasse 13, 1040 Wien, 4. Stock

Eine Anmeldung ist erforderlich: neuwirth@remove-this.vidc.org
Sprache: Englisch

Programm

Mahlet Eyassu Melkie

Expertin für Klimafinanzierung, Paris

Nafkote Dabi

Climate Change Policy Lead, Oxfam UK

Valentine Chukwu

Berater und Umweltforscher, Nigeria

Moderation: Karin Fischer, VIDC

Begrüßung und Einführung: Martina Neuwirth, VIDC

Kuratiert von

Karin Fischer und Martina Neuwirth, VIDC Global Dialogue

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Simien-Gebirge, Äthiopien © Shutterstock, Homo Cosmicos

Äthiopien hat sich lange vor der Europäischen Union zu einem "Green Deal" verpflichtet. Mit seiner ehrgeizigen Strategie für eine klimaresiliente grüne Wirtschaft aus dem Jahr 2011 will das Land, laut UNO eines der am wenigsten entwickelten Staaten, zu einem der "grünen Pioniere" Afrikas werden. Was ist seine Motivation? Wohlhabende Länder verursachen mit ihrem nicht nachhaltigen Konsum und ihrer fossil getriebenen Wirtschaft viel höhere Emissionen. Im Jahr 2022 hat Österreich bereits am 6. April seinen ‚Welterschöpfungstag‘ erreicht: Seither leben die Österreicher*innen auf Kosten künftiger Generationen. Darüber hinaus leben wir auch auf Kosten der ärmeren Länder, die von den ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels überdies stärker betroffen sind. In Äthiopien gibt es nicht einmal einen ‚Welterschöpfungstag‘, denn das Land gehört zu den 10 Ländern mit den geringsten CO2-Emissionen pro Kopf der Bevölkerung. Sollten nicht in erster Linie die reichen Länder ihre übermäßigen Emissionen und ihren massiven Verbrauch einschränken, bevor die am wenigsten entwickelten Länder ehrgeizige Anstrengungen unternehmen?

Mahlet Eyassu hat die Hintergründe der staatlichen äthiopischen Climate Resilient Green Economy-Strategie untersucht. Ihre neue VIDC-Studie "Green Industrialisation in Ethiopia - Challenges and Potentials on the Road to a Net Zero Green Economy" setzt die Auseinandersetzung des VIDC mit dem Thema grüne Industrialisierung und Strukturwandel in Afrika fort.

Mahlet Eyassu wird Äthiopiens Strategie der grünen Industrialisierung und deren Umsetzung vorstellen. Nafkote Dabi wird die Studienergebnisse vor dem Hintergrund der Ungleichheiten und Spannungen in der internationalen Klimapolitik diskutieren. Valentine Chukwu wird andere Strategien für eine grüne Wirtschaft und inspirierende Beispiele für Klimaschutzmaßnahmen in Afrika erörtern. Dazu gehören auch notwendige Kompensationen für afrikanische Volkswirtschaften, die stark vom Export fossiler Brennstoffe abhängig sind.

Was war die Motivation Äthiopiens für einen "Green Deal"? Welche Ursachen haben Erfolge, aber auch Misserfolge bei der Umsetzung? Welche un-/beabsichtigten Auswirkungen hatte der Aktionsplan? Bietet die äthiopische „grüne“ Strategie einen gangbaren Weg zu einer künftigen klimafreundlichen afrikanischen Wirtschaft? Welche anderen Beispiele und Erfahrungen gibt es in Afrika? Welche Art von internationalen Klimamaßnahmen sollten angesichts der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortlichkeiten ergriffen werden, um neue Klima-Ungerechtigkeiten zu vermeiden? Was sind geeignete Strategien im Globalen Norden und im Globalen Süden?

Podium

Mahlet Eyassu Melkie

ist Expertin für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zu dessen Eindämmung in Äthiopien. Sie verfügt außerdem über umfangreiche Erfahrungen mit den Verhandlungen zur Klimakonvention der Vereinten Nationen, dabei liegt ihr Fokus auf der Klimafinanzierung sowie dem Green Climate Fund. Mahlet hat einen Bachelor of Arts in Soziologie und Sozialverwaltung sowie einen Master of Arts in Umwelt und Entwicklung von der Universität Addis Abeba, Äthiopien. Ihren zweiten Master of Arts über Klima und Gesellschaft erwarb sie an der Columbia University in New York City, USA.

Nafkote Dabi

ist Leiterin der Klimaschutzpolitik von Oxfam UK. Sie hat in verschiedenen Funktionen für internationale (Wohltätigkeits-)Organisationen in ganz Afrika gearbeitet, unter anderem als Beraterin für Ernährungssicherheit im Südsudan, als Regional Policy Lead für das Tschadseebecken in Nigeria, als Senior Policy Advisor für Frieden, Sicherheit und Regierungsführung im Verbindungsbüro der Afrikanischen Union in Addis Abeba und als Politikberaterin gegen Dürre in Äthiopien. Nafkote hat einen Master-Abschluss in internationaler Sozial- und Politikwissenschaft von der London School of Economics and Political Science sowie einen Bachelor-Abschluss in Kulturanthropologie vom Mount Holyoke College in Massachusetts, USA.

Valentine Chukwu

ist Berater und Mitarbeiter am Institute for Development Research (Dataville Group). Er hat einen Bachelor- und Master-Abschluss in Waldressourcenmanagement der Universität Ibadan, Nigeria. Sein Fachgebiet ist die Waldzerstörung sowie natur- und gemeinschaftsbasierte Lösungen gegen die Entwaldung. Valentine arbeitete für die African Heritage Institution in Enugu sowie für Richflood International, einem Umweltunternehmen in Abuja, das u.a. Umweltschulungen, Monitoring und Folgenabschätzungen anbietet.