Afrika Club 2021

Diaspora Engagement und die somalische Community in Österreich

© VIDC

Der Afrika Club ist ein informelles Diskussionsforum von Afrika-Interessierten aus öffentlichen Institutionen, der afrikanischen Diaspora, Zivilgesellschaftlich, Wissenschaft und Medien. Themen sind aktuelle Entwicklungen in Afrika, EU-Afrika Beziehungen die Situation der Diaspora. Ziels sind der Informationsaustausch - aus unterschiedlichen Perspektiven - und der Aufbau von Wissensnetzwerke.

 

Bericht vom Afrika Club am 23. Februar 2021 zur Somalischen Diaspora

Suad Mohamed und Jamal Mataan präsentierten die Ergebnisse ihrer Studie zum Engagement der somalischen Gemeinden in Österreich. Mitglieder der somalischen und afrikanischen Community ergänzten die Erkenntnisse vor gut 50 Teilnehmer*innen.

Mit gut 7.100 Personen zählen die Somalis zu den drei größten Afrika-Communities in Österreich. Bislang war wenig über ihre Organisationsstrukturen und vielfältigen Aktivitäten in den Bereichen Integration, Bildung, Gesundheit, Sport und Kultur bekannt. Ebenso breit gefächert ist ihr Engagement im Herkunftsland. wie der Studienautor Jamal Mataan betonte. Dazu zählen Überweisungen, Katastrophenhilfe, Kleinprojekte und Diskussionen über die Entwicklungen in Somalia. Insbesondere während der COVID-19 Pandemie erbrachten sie wertvolle Leistungen, die von der Mehrheitsgesellschaft kaum wahrgenommen wurden. Finanzielle Förderungen für ihre Arbeit erhalten die Vereine und Aktivist*innen selten.

Die Mitautorin Suad Mohamedberichtete über die traditionellen Geschlechterrollen in der somalischen Gesellschaft. Diese würden den Aufstieg Frauen ebenso behindern wie die langjährigen Konflikte, die kaum eine durchgehende Ausbildung erlaubten. Frühverheiratung und weibliche Genitalverstümmelung (FGM) erschweren zudem die Gleichstellung. Dennoch sei vielen Somalier*innen durch viel Engagement eine berufliche Integration in Österreich gelungen, wie eine Teilnehmerin berichtete.

Die Kontakte zu österreichischen Institutionen sind wenig ausgeprägt. Über ein gelungenes Beispiel regionaler Vernetzung berichtete Frau Carmen Nardelli (Integrationsstelle Land Vorarlberg) genannt. Frau Umyma El Jelede lobte die Zusammenarbeit mit den Communities im Gesundheitsbereich mit FEM Süd in Wien.

Evelyn Koch von der Austrian Development Agency betonte die Wichtigkeit von  Stakeholder-Netzwerke und des regelmäßigen Dialoges, um einerseits den Bedarf der Diaspora Vereine und andererseits die Logiken der Verwaltungsebenen zu verstehen. Sonia Koul vom Österreichischen Integrationsfonds (OIF) botKooperationen im Rahmen von Seminaren für Frauen aber auch für Männer an. Die Zusammenarbeit mit Multiplikator*innen der jeweiligen Gemeinschaften sei ebenso erwünscht.

Groß war der Wunsch von somalischen Teilnehmer*innen, mehr über ihre Arbeit zu erzählen, Leider konnte dies aus Zeitmangel nur punktuell geschehen. Stellvertretend sei der Österreichisch-Somalische Sport- und Kulturverein genannt, der u.a. minderjährige Migranten betreut. Auf das Vereinslokal wurde im Mai 2020 ein Brandanschlag verübt. Mehr Raum für Austausch und Dialog wird eine europäische Diaspora Netzwerkkonferenz des VIDC vom 10. -12. Juni in Wien bieten.  

International findet das Diaspora Engagement der afrikanischen Gemeinden verstärkt Beachtung. Alexis Neuberg von Radio Afrika TV (ADEPT) wurde vor kurzem zum Präsidenten von ADEPT, dem Dachverband für afrikanische Diaspora-Initiativen in Europa mit Hauptsitz in Brüssel, gewählt.