Nie zuvor waren Exper*tinnen aus der Diaspora so präsent in der Migrationsforschung – doch immer noch klafft eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Das Panel fragt, wie die bereits geleisteten Beiträge zur Migrationsforschung – von der Analyse des Bildes des afrikanischen Kontinents in Schulbüchern über Diaspora-Forschung bis hin zu Indigenous Knowledge und dekolonialen Ansätzen in der Wissensproduktion – besser integriert werden können. Gleichzeitig werden Community-Perspektiven einbezogen: Wie bewerten diasporische Expert*innen die aktuelle Forschung, wo sehen sie Lücken und welche Unterstützung wünschen sie sich von der Wissenschaft?
Diskutiert wird auch, wie partizipative Forschung in Kooperation mit Diaspora-Organisationen und Expert*innen gelingen kann. Wie können migrantische Communities und Migrant Scholars stärker und auf Augenhöhe in Forschungsprozesse eingebunden werden – und welche konkreten Erfahrungen und Beispiele gibt es dafür bereits? Wie können wir erreichen, dass migrantische Perspektiven nicht nur Gegenstand der Forschung sind, sondern Migrant Scholars und diasporische Akteur*innen von Beginn an aktiv an der Entwicklung und Durchführung von Forschungsprojekten beteiligt werden? Schließlich richtet sich der Blick auf die politische Relevanz: Welche Themen wie Rassismus, Diaspora-Perspektiven, Kolonialismus, Gender oder Indigenes Knowledge werden aus diasporischer Sicht vernachlässigt?
Podium
Katharina Oke
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Graz und Forscherin beim Projekt Advancing Equality Within The Austrian School System - AEWTASS. Sie studierte Journalismus und Afrikawissenschaften in Wien. Im Anschluss daran absolvierte sie ein Doktoratsstudium in afrikanischer Geschichte/Globalgeschichte an der Universität Oxford. 2018 promovierte sie zu Zeitungskultur in Nigeria mit der Dissertation „The Politics of the Public Sphere. English-language and Yoruba-language Print Culture in colonial Lagos, 1880s-1940s”. Seit September 2022 ist sie Marie Curie Global Fellow in Partnerschaft mit der Universität Ibadan, Nigeria. Im Rahmen dieses Projektes – “A History of Making Things in West Africa” – forscht sie zu unternehmerischen Tätigkeiten, (kunst-)handwerklicher Produktion und Wissensproduktion in Accra und Lagos.
Daniela Paredes Grijalva
ist eine Anthropologin und Migrant Scholar, deren Arbeit sich mit Migration, Umweltgerechtigkeit und Menschenrechten unter Verwendung intersektionaler und dekolonialer Ansätze befasst. Sie untersucht Mobilität als alltäglichen Zustand des heutigen Lebens und als grundlegende Dimension dafür, wie Menschen über Grenzen hinweg Zugehörigkeit, Gemeinschaft und Zukunftsperspektiven schaffen. Als in Österreich ansässige Migrationswissenschaftlerin verbindet sie akademische Forschung mit einem umfassenden Engagement in migrationsbezogenen und zivilgesellschaftlichen Initiativen.
Dunia Khalil
ist langjährige Rechtsberaterin im Bereich Antirassismus und Hass im Netz. Als ausgebildete Trainerin gibt sie Workshops zu unterschiedlichen Themen rund um Antidiskriminierung. In ihrer Arbeit liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf rassistischer Polizeigewalt und antimuslimischem Rassismus. Sie arbeitet sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene in verschiedenen Netzwerken, Arbeitsgruppen und Organisationen. Derzeit leitet sie die Rechtsberatung der Dokustelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus sowie die des Antirassismus-Referats der Universität Wien.
Moderator: Michael Fanizadeh
ist Politologe und stellvertretender VIDC-Geschäftsführer sowie Projektkoordinator bei VIDC Global Dialogue. Seine thematische Expertise liegt bei Migration und Entwicklung, Klimakrise und Vertreibung, Menschenrechte und Antidiskriminierung sowie Diaspora-Engagement.

