Gewaltprävention beginnt dort, wo Menschen lernen, Beziehungen gleichwertig, selbstbestimmt und respektvoll zu gestalten. Gerade für Männer* eröffnet sich hier die Möglichkeit, patriarchal geprägte Männlichkeitsbilder zu hinterfragen und neue, gewaltfreie zu entwickeln.
Jedoch zeigen aktuelle öffentliche Debatten, wie stark Gewalt im Migrationskontext rassifiziert wird. Begriffe wie „importierte“ oder „ehrbezogene“ Gewalt prägen mediale und politische Diskurse. Diese Narrative produzieren eine fremd-gemachte Männlichkeit (Scheibelhofer, 2018). Gewalt wird dabei nicht als gesellschaftliches oder strukturelles Phänomen verstanden, sondern Männern* aus bestimmten migrantischen Gruppen zugeschrieben.
• Welche Rolle spielen Herkunft, Krieg, Flucht für Männlichkeits(vor)bilder? Wie prägen strukturelle und soziale Benachteiligungen den Zugang zu geschlechtlichen und sexuellen Identitäten?
• Welche analogen und digitalen Zugänge sind wirksam, um Männer* und Burschen* für Gewaltprävention und Geschlechterfragen zu gewinnen?
• Welchen Beitrag kann diversitätssensible, rassismuskritische sexuelle Bildung zur Vermeidung von Gewalt leisten?
In einer Podiumsdiskussion diskutieren Expert*innen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern wie geschlechterreflektierte Präventionsarbeit im Migrationskontext gelingen kann. Die Veranstaltung findet im Rahmen des VIDC Gender-TANDEM-Programms statt, das vom Sozialministerium und International Partnerships Austria gefördert wird.
Am Podium
Maynat Kurbanova
ist selbständige Trainerin und Ausbilderin für Gewaltprävention, Extremismusprävention und interkulturelle Bildungsarbeit. Sie arbeitet seit vielen Jahren mit Jugendlichen und Erwachsenen in migrationsgeprägten Kontexten, u. a. in außerschulischer Bildungsarbeit und im Justizbereich. In ihrer Arbeit verbindet sie praxisnahe Präventionsansätze mit kritisch-reflektierenden Perspektiven auf Männlichkeit, Macht und gesellschaftliche Zugehörigkeit.
Stephan Hloch
ist Psychologe, Sexualpädagoge, Leiter von First Love Mobil und Online-Berater bei der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF). Einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist die sexualpädagogische Arbeit bzw. Beratung mit Männern mit Migrationsbiographie bzw. Fluchterfahrung. Er schult auch Multiplikator*innen und Lehrpersonen, u.a. an der Universität Innsbruck.
Shokat Walizadeh
ist Gründer des afghanischen Sport- und Kulturvereins NEUER START, der u.a. geschlechterreflektiert mit Männern, Vätern und Burschen zur Förderung von Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe arbeitet. Der Verein ist auch Mitglied beim Dachverband für Männer-, Burschen-, und Väterarbeit in Österreich. Hauptberuflich ist er in der Migrations- und Integrationsarbeit sowie als zertifizierter Elterntrainer tätig.
David Gamsjäger
ist als Koordinator des Gender-TANDEM-Programms bei VIDC Global Dialogue tätig. 2024 war er selbst als TANDEM-Trainer tätig. Weiters arbeitet er in schulischen und außerschulischen Kontexten zu Gewaltprävention, insbesondere zu Männlichkeiten und Gewalt. Studiert hat er Philosophie und Internationale Entwicklung. Zudem ist er Mediator i.A.
Moderation: Mara Elena Zöller
arbeitet als Referentin für politische Bildung mit den Schwerpunkten Geschlechtergerechtigkeit und intersektionale Klimagerechtigkeit. Sie beschäftigt sich darüber hinaus mit feministischen, dekolonialen Ansätze in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.
Eröffnung: Nadja Schuster
ist Soziologin und Gender-Expertin bei VIDC Global Dialogue. Sie leitet das Gender-TANDEM-Programm, koordiniert die SRGR Arbeitsgruppe und ist Ko-Autorin des VIDC Policy Papers Schlüsselstelle Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte sowie des VIDC SRGR Policy Briefs. 15 Jahre lang war sie für die Redaktion des VIDC Online Magazins Spotlight verantwortlich. Weiters ist sie als Sexualberaterin tätig.
Themennachmittag
Sexuelle Bildung zwischen Race und Empowerment
Interkulturelle Elternarbeit, Sexualitäten junger Geflüchteter*
Mit Stephan Hloch (ÖGF, Sexualpädagoge), Lilly Axster (Fachstelle Selbstlaut, Autorin), Marijana Gurabić (Fachstelle Selbstlaut, Sexualpädagogin)
Der Workshop setzt auf Selbstreflexion, Repräsentationskritik, Sichtbarmachung von Machtverhältnissen und die Entwicklung emanzipatorischer pädagogischer Räume. Teilnehmende erhalten Impulse, wie sie eigene Projektionen erkennen, kulturalisierende Erklärmuster vermeiden und Kinder, Jugendliche als auch Eltern aus vielfältigen Lebenswelten respektvoll und ressourcenorientiert begleiten können.
Freitag, 13. Februar 2026, 12 - 16 Uhr
C3 - Zentrum für Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, 1090 Wien
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